Ritzmann: «Ich wurde an fünf andere Gefangene gekettet»

Die «Rundschau» verfügt über Protokolle der Einvernahme von Iris Ritzmann. Diese zeigen, wie SVP-Staatsanwalt Andrej Gnehm die ehemalige Mitarbeiterin von Christoph Mörgeli verhörte.

Iris Ritzmann sass zwei Tage in Untersuchungshaft: Auszug aus einem Verhörprotokoll.

Iris Ritzmann sass zwei Tage in Untersuchungshaft: Auszug aus einem Verhörprotokoll. Bild: Rundschau

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Dokumente bringen an den Tag, wie SVP-Staatsanwalt Andrej Gnehm im Fall Mörgeli mit den ehemaligen Arbeitskollegen des Nationalrates umgesprungen ist. Die Papiere liegen der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vor und zeigen, dass der Staatsanwalt im November 2012 in den frühen Morgenstunden sechs bewaffnete Polizisten zum Ehepaar Iris Ritzmann und Eberhard Wolff nach Hause schickte. Das Paar durfte dabei seine beiden Kinder nicht selbst wecken, eine Polizistin hat das übernommen – ebenso wie die Begleitung von Ritzmann in die Dusche.

Die beiden wurden daraufhin in Untersuchungshaft gesetzt. Iris Ritzmann erinnert sich im Gespräch mit den Journalisten der «Rundschau» an ihre Zeit in Haft: «Ich wurde im Gefängnis gefragt, ob ich nach draussen spazieren gehen wolle, was ich natürlich bejaht habe. Ich rechnete aber nicht damit, dass ich dann mit fünf anderen Frauen zusammengekettet auf den Hofgang durfte.»

Eine Nacht in Haft verbringen und dabei Kinder alleine lassen

Anlässlich der Einvernahmen setzte Staatsanwalt Gnehm die ehemalige Mitarbeiterin des Medizinhistorischen Instituts unter Druck. Er kündigte an, die Auswertung ihres Mailverkehrs am nächsten Tag zu erhalten, und fragte: «Die Frage ist, ob Sie mir bereits jetzt sagen wollen, was wir in diesen Mails lesen werden, oder ob Sie eine Nacht in Haft zu verbringen haben und dabei ihre Kinder alleine lassen.»

Eine ähnliche Szene spielte sich beim Verhör von Eberhard Wolff ab. Wobei der Staatsanwalt, als der Inhaftierte schwieg, seine Drohung anfügte: «Vor dem Hintergrund, dass uns die Inhalte morgen bekannt sein werden, kann ich als Vater für eine solche Aussageverweigerung überhaupt kein Verständnis aufbringen.»

Iris Ritzmann und ihrem Partner Eberhard Wolff wird vorgeworfen, das Amtsgeheimnis verletzt zu haben, indem sie vertrauliche Informationen über die Tätigkeit von Christoph Mörgeli an den «Tages-Anzeiger» weitergegeben haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.04.2014, 13:21 Uhr

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