Roberto Martullo als Pleitier geoutet

Der grosse Auftritt des Blocher-Schwiegersohns auf TeleZüri missriet: Er musste zugeben, zweimal in Konkurs gegangen zu sein.

Trotz Deal keine gute Presse: Blocher-Schwiegersohn Roberto Martullo (SVP).

Trotz Deal keine gute Presse: Blocher-Schwiegersohn Roberto Martullo (SVP). Bild: Walter Bieri/Keystone

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Bis zum Sonntag war Roberto Martullo noch der Winkelried der SVP, der sich im Namen des Fussvolkes gegen die Abzocker starkmacht. «A Star is born», schrieb Kolumnist Peter Rothenbühler in der «SonntagsZeitung». Und Roger Schawinski nannte Blochers Schwiegersohn «im Notfall» neben seiner Tochter Magdalena gar als möglichen Nachfolger des SVP-Chefstrategen. Keine zwei Tage dauerte von da an die Demontage des 50-Jährigen mit süditalienischen Wurzeln. Wenn die Exponenten der Goldküsten-SVP im Hintergrund aktiv werden, kann ein Niedergang schnell kommen.

Zuerst berichtete die «NZZ am Sonntag», dass Martullo als Präsident der SVP-Ortssektion abgewählt werden solle. Nicht einmal der Vizepräsident in Meilen war informiert – was auf Drahtzieher weiter oben hindeutet. Martullo ging gegenüber den Medien in Deckung, ignorierte Anfragen und vereinbarte mit TeleZüri ein Exklusivinterview. Diese Taktik ist nicht neu: Er verspricht sich mit Deals eine gute Presse. Bei Interviewer Markus Gilli ging die Strategie gestern Abend nicht auf.

Schulden selbst zurückbezahlt

Gilli schmierte Martullo zuerst etwas Honig um den Mund, konfrontierte ihn dann aber umso brutaler mit alten Geschichten, die nur Insidern bekannt waren. Martullo ging 1991 mit seinem Elektronikunternehmen in Wohlen pleite und erlitt 1992 gar einen Privatkonkurs. Noch 2001 hatte er Schulden. Seine Einbürgerung im Jahr 2004 – sein Schwiegervater war damals zuständiger Bundesrat – verzögerte sich. Wie Martullo gestern erklärte, habe er das Einbürgerungsgesuch von sich aus zurückgezogen, ein Zusammenhang mit seinem Leumund habe nicht bestanden. Im zweiten Anlauf erhielt er 2007 den Schweizer Pass dann doch noch. Die Schulden habe er selbst zurückbezahlt – ohne Hilfe aus der Familie, sagte er.

Offensichtlich fürchtet sich die SVP nach dem Fall Zuppiger, dass ein weiteres Parteimitglied – dann noch eines aus dem Hause Blocher – für negative Schlagzeilen sorgen könnte. Martullo kenne die «Heckenschützen» nicht, behauptet er. Wenn er abgewählt werde, überlege er sich einen Rückzug aus der Politik. «Ohne Hausmacht geht es nicht.»

Erstellt: 22.01.2013, 08:44 Uhr

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