Ruedi Noser und Rita Fuhrer in den Ständerat?

Unternehmer Noser tritt in seiner Firma kürzer – ein Indiz, dass er für Gutzwiller Ständerat werden möchte.

Will sein politisches Engagement ausbauen: Nationalrat Ruedi Noser im September 2014 in der Wandelhalle. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Will sein politisches Engagement ausbauen: Nationalrat Ruedi Noser im September 2014 in der Wandelhalle. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Es gibt kein politisches Amt, bei dem sich die Kandidaten derart hartnäckig belauern wie beim Ständerat. Gleichzeitig wissen Bisherige und Neue voneinander fast gar nichts. Höchstens schwache Rauchzeichen steigen hin und wieder auf. Ein solches Zeichen ist die Mitteilung von FDP-Nationalrat und IT-Unternehmer Ruedi Noser. Er gab eben bekannt, dass er die operative Führung der Noser-Gruppe «per sofort» abgebe und nur noch als Verwaltungsrat auf deren Geschäfte Einfluss nehme. Gegenüber dem «Zürcher Oberländer» sagte er, «das Vereinbaren von politischen, geschäftlichen und privaten Aktivitäten ist zunehmend schwierig».

Noch vor einem Jahr hatte Noser angetönt, dass er sich aus dem Nationalrat zurückziehen werde. Nun will er plötzlich sein politisches Engagement ausbauen. Das kann nur heissen: Entweder hat Noser vom bisherigen FDP-Ständerat Felix Gutzwiller das Signal erhalten, dass dieser im Herbst 2015 aufhöre und Noser ihn beerben könne. Oder Noser macht absichtlich Druck auf Gutzwiller – was bei guten Parteifreunden aber überraschen würde. Noser ist in den Ferien, Gutzwiller kündigte gestern an, dass er und die FDP in der ersten Novemberhälfte informieren würden.

Diener hat noch «viel Arbeit»

Anders sieht es bei den Grünliberalen und bei Ständerätin Verena Diener aus. Auf Anfrage sagt Diener: «Wir werden im Januar kommunizieren, wie wir in die nationalen Wahlen 2015 steigen werden.» Diener betont aber, dass sie sich zurzeit in der Kommission für die Reform des Initiativrechts in der Verfassung engagiere. «Das ist eine grosse Arbeit, die mehrere Jahre dauern kann.» Damit tönt sie an, dass ihre Arbeit über die Legislatur hinausreichen könnte.

Deutet man diese Rauchzeichen richtig, würde das heissen: Gutzwiller hört auf, Diener bleibt. Für die Parteistrategen wären das auf der linken Seite Bad News, für die SVP dagegen Good News. Das Duo Diener/Gutzwiller sitzt so fest im Sattel, dass neue Kandidaten nur eine Chance haben, wenn einer der beiden Bisherigen abtritt. Sollte Gutzwiller wirklich aufhören, dann würde der eine der beiden Ständeratssitze wohl an die FDP oder die SVP fallen. Noser wäre bei der FDP gesetzt.

Der SVP-Chef pusht Rita Fuhrer

Bei der SVP könnte diese Vakanz zum grossen Comeback von Rita Fuhrer werden, der einstigen «Lovely Rita» aus dem Regierungsrat, die vor allem am Anfang ihrer Karriere immer hervorragend gewählt wurde. Sie musste 2010 nach einem schlimmen Velosturz und einer Brustkrebserkrankung zurücktreten, ist heute aber wieder so fit, dass sie lange Velotouren unternimmt. «Ich habe mich noch nicht entschieden», sagt sie auf Anfrage. «Ich war Politikerin mit Leib und Seele, habe heute aber auch ohne Politik ein ausgefülltes Leben.»

SVP-Parteipräsident Alfred Heer jedenfalls setzt grosse Hoffnungen in Rita Fuhrer. «Sie wäre eine sehr gute Kandidatin – majorzfähig und mit sehr viel Erfahrung als Regierungsrätin.» Fuhrer sei es gewohnt gewesen, den Kanton Zürich in der ganzen Schweiz erfolgreich zu vertreten – etwa in der Verkehrspolitik beim Ausbau des HB.

Sollte Diener tatsächlich bleiben, hat die SP wesentlich mehr Mühe, zum ersten Mal nach 1983 (Emilie Lieberherr) wieder einen Ständerat zu stellen. Nationalrat Daniel Jositsch steht so oder so zur Verfügung. «Ich wäre für eine Kandidatur bereit», sagte Jositsch gestern, «und zwar unabhängig davon, ob jemand von den Bisherigen zurücktritt.»

Erstellt: 14.10.2014, 23:26 Uhr

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