SBB erzürnen Pendler zwischen Winterthur und Pfäffikon SZ

Auf der Linie der S 8 verkehren ab Sonntag langsamere Doppelstockzüge der ersten Generation. Benutzer befürchten Verspätungen und verpasste Anschlüsse.

Verspätungen auf der S 8 befürchtet: Fahrgäste im Bahnhof Zürich-Altstetten. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Verspätungen auf der S 8 befürchtet: Fahrgäste im Bahnhof Zürich-Altstetten. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit dem Fahrplanwechsel wird es am kommenden Sonntag auf zwei Zürcher S-Bahn-Linien zu einer Änderung der Zugtypen kommen: Auf der S 6 zwischen Baden und Uetikon am See verkehren neu Doppelstockzüge der zweiten Generation. Dafür kommen auf der Linie der S 8 zwischen Winterthur und Pfäffikon SZ die älteren Züge der ersten Generation zum Einsatz.

Grund ist laut den SBB, dass die neueren Züge weniger anfällig für Verspätungen sind. Die grösseren, ebenerdigen Einstiegsbereiche ermöglichen ein rascheres Ein- und Aussteigen. Zudem können die Züge schneller beschleunigen. Auf der Linie der S 6 sei es wegen der hohen Auslastung häufig zu Verspätungen gekommen, sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Diese hätten sich auch auf die anderen Linien ausgewirkt . Deshalb hätten sich die SBB entschieden, für die S 6 neueres Rollmaterial einzusetzen. Die S 8 hingegen sei weniger zeitkritisch.

Ein «Spiel mit dem Feuer»

Pro Bahn Schweiz, eine Lobbygruppe für Kunden des öffentlichen Verkehrs, kritisiert den Entscheid der SBB scharf. Der Rollmaterialwechsel werde dazu führen, dass die S 8 vermehrt ihre Anschlüsse nicht werde einhalten können, schreibt die Organisation in einem Communiqué. Sie spricht von einem «Spiel mit dem Feuer». Präsident Kurt Schreiber hebt insbesondere die Buslinien in Horgen und Richterswil sowie den Anschluss an die Südostbahn in Wädenswil hervor. Dort haben die Fahrgäste nur drei Minuten Zeit, um von der S 8 auf die S 13 in Richtung Einsiedeln umzusteigen.

Schreiber ist bestens mit der Situation vertraut, denn er wohnt in Au ZH und präsidiert zudem die Verkehrskommission in Wädenswil. Diese berät die Stadtregierung in Verkehrsfragen. «Bevor die neuen Züge auf der S 8 eingesetzt wurden, haben sich die Anwohner massiv über die Verspätungen beschwert», so Schreiber. Mit den neuen Zügen habe sich die Situation verbessert. Jetzt befürchtet er einen Rückfall in alte Muster. Er fordert deshalb, dass die SBB die Situation genau beobachten und den Wechsel der Zugtypen rückgängig machen, sollten sich die Verspätungen wieder häufen.

Positive Erfahrungen bei der S 5

Die SBB gehen nicht davon aus, dass die Befürchtungen von Pro Bahn Schweiz eintreffen, wie Mediensprecher Schärli sagt. Er verweist auf einen Wechsel des Rollmaterials, den die SBB im vergangenen Juni zwischen der S 5, der S 7 und der S 14 vorgenommen hatten. Weil die S 5 in Bezug auf Verspätungen ähnlich heikel ist wie die S 6, fahren auf dieser Linie seit dem letzten Fahrplanwechsel neue Züge, während die älteren auf den Linien der S 7 und S 14 verkehren.

Im Vorfeld jenes Wechsels seien die gleichen Befürchtungen geäussert worden wie jetzt in Bezug auf die S 8, sagt Schärli. Die Erfahrungen seien jedoch positiv. Die S 5 verkehre heute pünktlicher. Auf den Linien der S 7 und S 14 seien keine negativen Auswirkungen feststellbar. Die Situation auf der S 8 würde jedoch genau beobachtet, versichert er. Sollte es wider Erwarten vermehrt zu verpassten Anschlüssen kommen, würden die SBB Massnahmen ergreifen. Den Wechsel rückgängig zu machen, sei jedoch keine Option.

Den Benutzern der S 8 bleibt auf jeden Fall der Ärger, dass die älteren Züge noch nicht durchgängig klimatisiert sind. Bis 2017 erhalten jedoch alle Wagen eine Klimaanlage. Zudem wird jeder Zug über einen Wagen mit Niederflureinstieg verfügen. Die Züge der ersten Generation sind voraussichtlich noch rund 20 Jahre in Betrieb.

Erstellt: 11.12.2014, 13:26 Uhr

Artikel zum Thema

SBB fehlen 50 Lokführer – pro Tag

Für das Schweizer Zugnetz werden Rentner reaktiviert. Die SBB haben viel zu wenig Lokführer. Die Gründe muss das Unternehmen bei sich selber suchen. Mehr...

SBB planen Vergütungen bei Verspätungen

Bis zu 15 Franken sollen Passagiere bei Zugverspätungen in Zukunft bekommen. Und das unabhängig davon, ob eine Stellwerkstörung oder höhere Gewalt Schuld ist. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grosstransport: Ein vietnamesischer Mann befördert eine Vielzahl an Gütern mit seinem Motorrad durch die Stadt Hanoi. (22. Juli 2019)
(Bild: Minh Hoang / EPA) Mehr...