SVP im Alleingang gegen Jahresarbeitszeit für Zürcher Lehrer

Der Berufsauftrag der Lehrkräfte an der Volksschule soll sich nicht mehr nach der Wochenunterrichtszeit, sondern nach der Jahresarbeitszeit richten. Dagegen wehrt sich einzig die SVP.

Bisher war der Beschäftigungsumfang der Lehrpersonen einzig auf die Zahl der erteilten Wochenlektionen abgestellt: Ein Lehrer.

Bisher war der Beschäftigungsumfang der Lehrpersonen einzig auf die Zahl der erteilten Wochenlektionen abgestellt: Ein Lehrer. Bild: Keystone

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Die Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) des Zürcher Kantonsrates erachtet es als sinnvoll, dass sich der Berufsauftrag der Lehrkräfte an der Volksschule nicht mehr nach der Wochenunterrichtszeit, sondern nach der Jahresarbeitszeit richtet. Nur die SVP ist dagegen.

Der Berufsauftrag bringe einen organisatorischen Paradigmenwechsel, schreibt die KBIK in einer Mitteilung vom Donnerstag. Neu würden mit dem Berufsauftrag neben dem Kerngeschäft «Unterricht» auch weitere Aufgaben wie «Schule», «Zusammenarbeit» und «Weiterbildung» klarer definiert.

Klare Mehrheit sieht Vorteile

Der Beschäftigungsumfang der Lehrpersonen war bisher einzig auf die Zahl der erteilten Wochenlektionen abgestellt. All das, was sie zusätzlich zum eigentlichen Unterrichten tun, war darin mitgemeint.

Eine klare Mehrheit der Kommission sieht im Berufsauftrag deutliche Vorteile gegenüber dem Ist-Zustand. Die Tätigkeiten der Lehrpersonen würden klarer einzelnen Aufgabenbereichen zugeordnet, das schaffe Transparenz und Vergleichbarkeit. Das Pensum der Lehrkräfte werde künftig wie für die übrigen Angestellten des Kantons im Rahmen einer Jahresarbeitszeit definiert.

SVP beantragt Nichteintreten

Im Gegensatz zur Kommissionsmehrheit sieht die SVP im Berufsauftrag keinen Mehrwert für den Unterricht, sondern «einen weiteren Schritt in Richtung bürokratische Administration». Sie bemängelt zudem, dass wichtige Einzelfragen wie etwa die Arbeitszeiterfassung erst auf Verordnungsstufe geregelt werden soll. Die Kommissionsminderheit beantragt dem Kantonsrat, auf die Vorlage nicht einzutreten.

Umstritten war gemäss der von Ralf Margreiter (Grüne) präsidierten KIBK nicht nur die Grundsatzfrage, sondern auch die Detailumsetzung des Berufsauftrages, insbesondere die Festlegung der anrechenbaren Arbeitszeit der einzelnen Aufgabenbereiche.

Konkrete Stundenzahlen

Diese Konkretisierungen erfolgen auf Verordnungsstufen, wie es in der Mitteilung heisst. Die KBIK will jedoch, dass die Bestimmungen in der Verordnung des Regierungsrates zwingend dem Kantonsrat vorgelegt werden.

Die KBIK hat auch konkrete Erwartungen an den Regierungsrat bezüglich der konkreten Stundenzahlen formuliert. Grundsätzlich einverstanden ist sie mit der Dotation der Tätigkeitsbereiche «Schule», «Zusammenarbeit» und «Weiterbildung» mit 60, 50, beziehungsweise 30 Stunden pro Jahr. Dabei soll die Schulleitung von diesen Richtwerten abweichen können.

Kernaufgabe stärken

Im Vergleich zur Vernehmlassungsvorlage des Regierungsrates hat sich die Kommission in zwei Punkten für eine Erhöhung zugunsten der Lehrpersonen entschieden: Pro erteilter Wochenlektion sollen gemäss einer knappen Kommissionsmehrheit als Regelwert 58 statt 57 Stunden an die Jahresarbeitszeit angerechnet werden.

Für die Vor- und Nachbearbeitung sowie Durchführung des Unterrichts würden so deutlich mehr als 80 Prozent der Arbeitszeit bestimmt, heisst es in der Mitteilung. Damit wolle die Kommission ein Signal für die Stärkung der Kernaufgabe der Schule setzen. Die Schulleitung soll jedoch nach dem Willen der KBIK «entsprechend des tatsächlichen Belastungen Abweichungen nach oben oder nach unten» vornehmen können.

Klassenlehrpersonen sollen zudem für ihre Funktion mit pauschal 100 statt 80 Stunden entlastet werden. Diese zusätzliche Entlastung sei im Grundsatz unbestritten gewesen und mit nur einer Gegenstimme zuhanden des Regierungsrates verabschiedet worden, hält die KBIK fest. (pia/sda)

Erstellt: 30.05.2013, 13:51 Uhr

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