Plakatstreit am HB

SVP verlangt von den SBB ihr Geld zurück

Die SBB wollten der SVP alternative Standorte für die verweigerten Plakate am HB anbieten. Doch die Partei winkt ab.

Plakat gegen Ausländer: Die SBB wollen keine flächendeckende Werbung im Hauptbahnhof.

Plakat gegen Ausländer: Die SBB wollen keine flächendeckende Werbung im Hauptbahnhof. Bild: Keystone

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Es ist beim Versuch geblieben. Nachdem die SBB vor zwei Wochen die SVP-Werbung am Hauptbahnhof eingeschränkt hatten, wollten sie der Volkspartei alternative Standorte an anderen Bahnhöfen unterbreiten. Die SVP hatte jedoch kein Interesse daran. «Wir haben lediglich das Geld für die verweigerten Plakatplätze zurückgefordert», sagt Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin der SVP Schweiz.

Geflossen ist die Summe zwar noch nicht, Bär geht aber davon aus, dass die Überweisung demnächst erfolgen wird. Das Geld – Bär nennt den Betrag nicht – wird die SVP im Wahlkampffinale für weitere Plakate verwenden – auf Privatgrund, welcher der eigenen Klientel gehört. Bär spricht von «Wildplakatierung», etwa entlang von Strassen. Auch dies sei sehr effektive Werbung, ist sie überzeugt.

Von SVP-Plakaten «erdrückt»

Die Notbremse gezogen haben die SBB, weil sich viele Reisende von der massierten SVP-Werbung «erdrückt» gefühlt haben. Hunderte von Reklamationen gingen beim Kundendienst ein. Als Reaktion darauf passten die SBB ihre Richtlinien an: Neu darf eine Partei von der gesamten Werbefläche im HB pro Tag noch höchstens die Hälfte für sich beanspruchen.

Bei der Massierung mit SVP-Plakaten im August sind es gemäss SBB deutlich mehr gewesen. Für die letzten Wochen im Wahlkampf hatte die SVP eine weitere Plakatwelle gebucht, kann nun aber nicht mehr mit der grossen Kelle anrichten.

Reisende beklagen sich weiter

Das neue Konzept hat sich laut SBB-Kommunikationschef Stefan Nünlist bewährt. «Die Durchmischung im HB ist viel besser geworden.» Unmut lösen die SVP-Plakate bei Reisenden gleichwohl noch aus. Die Zahl der Reklamationen sei gegenüber dem August jedoch deutlich zurückgegangen, sagt Nünlist. Anstoss errege zudem nicht mehr die schiere Menge der Plakate, sondern deren Inhalt, so provoziere etwa der Slogan «Masseneinwanderung stoppen!». Nünlist will die Werbung inhaltlich nicht werten. Er betont, die SBB seien «neutral».

Jedes Plakat mit innenpolitischem Inhalt toleriert die Bahn gleichwohl nicht. Verboten sind Werbung mit religiösen Inhalten oder Botschaften, «die offensichtliche Unwahrheiten beinhalten, ehrverletzend sind oder sonst geltende Gesetzesbestimmungen verletzen». Bei den SVP-Plakaten sei nichts davon der Fall, so Nünlist.

Auch wenn in der SVP der Ärger über die SBB noch immer beträchtlich ist: Plakatstellen im HB und in anderen Bahnhöfen wird sie gemäss Silvia Bär auch künftig buchen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.10.2011, 07:52 Uhr

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