SVP-Frau verlässt nach Facebook-Fehltritt die Partei

Nachdem sie öffentlich Sympathien für den Attentäter Friedrich Leibacher bekundet hatte, ist die Aktuarin der Stadtzürcher SVP-Frauen aus der Partei ausgetreten.

Anita R. Niderösts Kommentar auf Facebook. Screenshot: «20 Minuten»

Anita R. Niderösts Kommentar auf Facebook. Screenshot: «20 Minuten»

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Shitstorm war kurz und hat gewirkt. Am Mittwochmorgen meldete «20 Minuten», die Zürcher SVP-Frau Anita R. Nideröst habe ein Bild zum Attentäter von Zug, Friedrich Leibacher, mit den Worten kommentiert: «...mein erster Gedanke war: der hat am falschen Ort gewirkt». Parteipräsident Roger Liebi äusserte gegenüber «20 Minuten» sofort seine Empörung und machte klar, dass solche Aussagen in der SVP keinen Platz hätten.

Nideröst hat selbst entschieden

Am Nachmittag folgte bereits das Communiqué der Zürcher Stadtpartei: «Frau Anita R. Nideröst hat uns wissen lassen, dass sie aus der SVP der Stadt Zürich austritt und dass sie den Austritt schriftlich bestätigen wird.» Auf Anfrage sagte Liebi, er habe sofort nach Bekanntwerden mit Nideröst Kontakt aufgenommen. Man habe die Situation im Licht von früheren ähnlichen Fällen besprochen. Laut Liebi hat Nideröst daraufhin selbst entschieden, aus der Partei auszutreten.

Nideröst ist bisher ausserhalb der Partei nicht politisch in Erscheinung getreten. Sie war lediglich Aktuarin und damit Vorstandsmitglied der SVP-Frauen. Auf einer Internetseite, die sich mit Verschwörungstheorien befasst, hatte sie sich vor einiger Zeit kritisch mit der Bilderberg-Konferenz befasst, eine jährliche verschwiegene Versammlung von internationalen Grössen aus Politik und Wirtschaft.

Friedrich Leibacher hatte 2001 bei einem Amoklauf im Zuger Parlament 14 Kantons- und Regierungsräte erschossen. Weitere 18 Personen wurden verletzt. Leibacher war ein bekannter Querulant. Auf dieses Attentat hin wurden die Sicherheitsvorkehrungen in den Schweizer Parlamenten massiv verstärkt. Der Kommentar Niderösts bezog sich auf ein Bild, das zurzeit auf Facebook kursiert. Darauf heisst es: ««Friedrich Leibacher, Nationalheld. Warum hast du nicht in Bern gewohnt?»

Warum immer SVP?

Dass vor allem seine Partei immer wieder von solchen und ähnlichen Fällen betroffen ist, hat für SVP-Präsident mehr damit zu tun, dass die Medien sich eher auf die Fehltritte von SVP-Mitgliedern stürzen als auf solche von Mitgliedern anderer Parteien. «Wir werden auf Sozialen Netzwerken von anderen übel beschimpft, zum Beispiel als Nazis. Das nehmen die Medien aber kaum auf», sagt Liebi.

Erstellt: 19.11.2014, 19:11 Uhr

Artikel zum Thema

Tweet über Kristallnacht war «rassistisch»

Das Bezirksgericht Uster zerpflückt alle Argumente des Kristallnacht-Twitterers. Mehr...

«Rassisten gibt es in jeder Partei»

Ein Kristallnacht-Tweet hat jüngst für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Im Interview äussert sich EKR-Präsidentin Martine Brunschwig über Rassismus, die SVP, Sepp Blatter und die Roma-Gemeinde. Mehr...

Kristallnacht-Twitterer verlässt die SVP freiwillig

A. M. zieht die Konsequenzen aus dem Aufruhr um seinen islamfeindlichen Tweet: Er tritt per sofort aus der Zürcher SVP aus. Dies, nachdem zuvor ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet worden war. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Es ist immer Zeit, Danke zu sagen

Erst die Gönner machen die Arbeit der Krebsliga möglich. Der Tag des Testaments bietet Gelegenheit darüber zu sprechen, wie wir anderen etwas Gutes tun können.

Blogs

Geldblog Ein Goldschatz für den Fall der Fälle

Mamablog Mein erstes Handy

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...