SZU-Züge sind ständig verspätet

In den letzten Wochen verspäteten sich Züge der S 10 und S 4 regelmässig. Der Grund liegt zum Teil bei den Passagieren selbst.

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Die Linien der S 4 und S 10 sorgen in den Stosszeiten regelmässig für Ärger bei den Kunden. Denn, wie ein Pendler* beobachtet: «In den letzten Wochen gab es keinen Tag, an dem die Züge pünktlich waren.» Der Pendler, der jeweils zwischen Brunau und Zürich HB unterwegs ist, spricht von Verspätungen zwischen drei und sechs Minuten, im Extremfall bis zu einer Viertelstunde – und dies morgens und abends. Nicht anders sieht es bei der S 10 zwischen Hauptbahnhof und Uetliberg aus. Auch dort meldet eine Pendlerin*, dass es täglich zu Verzögerungen kommt. «Auch am Feierabend können die Züge oft nicht pünktlich im Hauptbahnhof starten, weil sie noch verspätete Bahnen abwarten müssen.»

Armin Hehli, Direktor der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU), bestätigt auf Anfrage, dass es seit Mitte November vermehrt zu Verspätungen im Pendlerverkehr kommt: «Wir sind nicht zufrieden mit dieser Situation.» Die Gründe für die verspäteten Züge liegen laut Hehli einerseits bei der Technik. Bei Temperaturen um null Grad komme es vor allem bei älteren Zügen häufiger zu Störungen einzelner Türen. Dies führe dazu, dass die Pendler auf andere Ein- und Ausstiege ausweichen müssten, was Zeit koste.

Pendler drängen in vorderen und hinteren Zugteil

Auch müssten Lokomotivführer bei herbstlichem Wetter oft etwas vorsichtiger fahren: Seien die Gleise feucht und mit Blättern bedeckt, verschlechtere sich die Haftung. So brauche es «mehr Zeit für die Beschleunigung, um die Streckengeschwindigkeiten zu erreichen, und beim Abbremsen muss der Bremsprozess entsprechend früher eingeleitet» werden. «Dies müssen die Lokführer miteinberechnen, um nicht über die Stationen und Signale hinauszufahren.» Andererseits sei das SZU-Netz auch verspätungsanfällig, weil es nur eine Fahrbahn gebe. «Müssen verspätete Züge an Kreuzungsstellen abgewartet werden, hat dies Auswirkungen auf Züge, die eigentlich pünktlich unterwegs waren.»

Der wichtigste Grund für die Verspätungen ist aber die grössere Nachfrage: «Zwischen Herbst und Frühjahr steigen viele Leute auf Züge um, die sonst mit anderen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren», erklärt Hehli. Besonderes Sorgenkind dabei ist der Bahnhof Binz auf der Strecke der S 10: «Dort steigen am meisten Leute aus und ein.» Zudem stauten sich die Fahrgäste oft im hinteren und vorderen Teil der Züge. «Am Hauptbahnhof erreichen sie so leichter die beiden Rolltreppen. Auf der Strecke dorthin führt dies aber zu langen Ein- und Ausstiegszeiten an den Bahnhöfen.»

Auf der Strecke Richtung Uetliberg stellt Hehli ein weiteres Problem fest: «Viele Firmen- und Gruppenanlässe finden derzeit auf dem Zürcher Hausberg statt. Wie wir beobachten, steigen grössere Gruppen, die gemeinsam reisen, meist bei der gleichen Tür ein, anstatt mehrere Eingänge zu nutzen.» Auch dies habe längere Haltezeiten zur Folge. Früher habe die SZU darauf mit Extrazügen reagieren können. «Der nun sehr dichte Fahrplan lässt dies aber nicht mehr zu.»

Umerziehen ist schwierig

Verspätungen, die durch die erhöhten Passagierfrequenzen entstehen, sind für Hehli kurzfristig kaum zu verhindern: «Es ist sehr schwierig, Kunden umzuerziehen. Dies stösst auch meist auf negative Reaktionen, weil man falsch verstanden wird.» Allerdings will die SZU dort über die Bücher, wo sie Fehler bei sich selber sieht: «Wir müssen unter anderem die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge weiter verbessern. Störungen bei Türen oder verspätete Abfahrten bei Startbahnhöfen können so verhindert werden.»

Zurzeit sei man daran, zusammen mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) eine Studie anzufertigen: «Diese soll zeigen, wie sich die Nachfrage auf unseren Strecken entwickelt.» So könne man Defizite bestimmen und genau definieren, wo Investitionen nötig seien: «Sei es beim Rollmaterial oder beim Ausbau der Strecken selbst.»

Hehli verweist aber auch darauf, dass zwischen Januar und Oktober dieses Jahres 95 Prozent aller Züge pünktlich, also mit höchstens zwei Minuten Verzögerung am Hauptbahnhof eintrafen. «Erst seit Mitte November sieht die Situation nicht zufriedenstellend aus.» Allerdings seien Verspätungen an Stationen wie der Brunau auch meist grösser als bei der Einfahrt am Hauptbahnhof: «Zwischen Giesshübel und der Endstation haben die Lokführer meist die Möglichkeit, einige Minuten aufzuholen.» So sei es den Passagieren in den meisten Fällen möglich, gewünschte Anschlusszüge zu erreichen.

*Namen der Redaktion bekannt

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2013, 11:49 Uhr

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