Schändung ist für die Richter nicht erwiesen

Drei Männer haben sexuelle Handlungen mit einer jungen Frau begangen und dies mit ihren Handys gefilmt. Das Obergericht hat sie freigesprochen.

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Das Zürcher Obergericht sprach heute Mittwoch drei Männer vom Vorwurf der Schändung frei. Es folgt damit dem Urteil der ersten Instanz. Die Staatsanwaltschaft hatte Strafen von dreieinhalb bis fünf Jahre beantragt. Sie warf den Männern vor die 17-Jährige Frau 2009 in der Wohnung des Bruders eines der Angeklagten sexuell missbraucht. Die Frau habe die drei Männer, im Alter von 24 bis 26 Jahren, freiwillig begleitet. Die 17-Jährige sei in der Wohnung auf dem Sofa schnell eingeschlafen und aus unbekannten Gründen in einen komatösen Zustand verfallen.

Laut Anklageschrift sei sie dann von den Männern sexuell missbraucht worden, unter anderem mit einer Banane und einer Karotte. Mit Handys haben sie ihre Handlungen gefilmt. Die Männer hätten aufgehört, als die Frau wieder zu sich gekommen war und sich heftig zur Wehr setzte. Auf Anraten einer Freundin meldete sich die 17-Jährige mehrere Wochen nach den Vorfällen bei der Polizei und erstattete Strafanzeige.

Nicht erklärbares Verhalten der Frau

Die sichergestellten Filme belegten den Tatbestand, fand die Staatsanwaltschaft. Nach Ansicht des Obergerichts ist aber nicht erwiesen, dass die Männer erkannt hatten, dass die Frau tatsächlich geistig weggetreten sei - dies wäre aber unabdingbar gewesen für einen Schuldspruch wegen Schändung. Es sei nicht auszuschliessen, dass sie von einem Wachzustand des Opfers ausgegangen seien.

Für das Obergericht ist das Verhalten der Frau nicht erklärbar. Sie habe zuerst völlig normal die Wohnung betreten und sei dann plötzlich in einen komatösen Zustand verfallen, um danach wieder aufzuwachen und nach den Vorfällen Spaghetti zu essen.

Zwei der Angeklagten wurden umfassend freigesprochen. Sie erhalten Schmerzensgelder von 17'800 und 19'000 Franken für die zu Unrecht erlittene Haft von mehreren Monaten. Der Dritte, der die Frau am Tag der Vorfälle auch im Badezimmer bedrängt hatte, wurde wegen sexueller Nötigung und Verletzung des Privatbereichs zu einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 60 Franken verurteilt.

(pia/sda)

Erstellt: 19.10.2011, 14:50 Uhr

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