Schändung und Vergewaltigung einer 16-Jährigen nicht erwiesen

Das Bezirksgericht Meilen hat zwei Mazedonier vom Vorwurf der Schändung und Vergewaltigung freigesprochen. Die Aussagen des Mädchens waren laut Gericht «sehr fragwürdig» und «nicht glaubhaft».

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Die zur Tatzeit im April 2009 20- und 21-jährigen Männer wurden nach dem Grundsatz «Im Zweifel für die Angeklagten» freigesprochen. Für einen Schuldspruch, so das Gericht am Montag, habe es unüberwindbare Zweifel gegeben. Wesentlichster Grund für diese Zweifel: Die Aussagen des damals gerade 16 Jahre alt gewordenen Mädchens aus dem Zürcher Unterland waren laut Gericht «sehr fragwürdig» oder «nicht glaubhaft».

Sex in der Toilette eines Parks

Gegen einen Schuldspruch sprach auch die ungewöhnliche Aussage der Mutter des Mädchens. Gegenüber den Untersuchungsbehörden sagte sie, so, wie sich ihre Tochter nach der Tat gegeben habe, glaube sie nicht so ganz, dass sie vergewaltigt worden sei. Selbst die Staatsanwältin, die das Verfahren zuerst eingestellte, hatte vor Gericht einen Freispruch von den Vorwürfen der Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen Nötigung beantragt.

Das Mädchen und die beiden jungen Männer hatten sich an einem Samstagnachmittag in einem Dorfzentrum kennengelernt und sich für den Ausgang am Abend verabredet. Sie holten sie um 22 Uhr ab, deckten sich an einer Tankstelle mit einer Flasche Wodka ein und fuhren nach Küsnacht an den See. Die Flasche war schnell geleert. Auf einer Bank liess sich das Mädchen von beiden Begleitern küssen und an den Oberschenkeln sowie am nackten Oberkörper streicheln. In einem anderen Park kam es dann auf der dortigen Toilette zum Geschlechtsverkehr – zuerst mit dem älteren, dann mit dem jüngeren Mann. Anschliessend übernachtete sie beim Älteren, wo es am Morgen erneut zum Geschlechtsverkehr kam.

Auffallende Erinnerungslücken

Die Frau empfand die Übergriffe als Vergewaltigung. Nach der Einstellung der Untersuchung, aber einem erfolgreichen Rekurs des Mädchen gegen die Einstellung klagte die Staatsanwältin die beiden Männer wegen Schändung an. Grund dafür: Bevor das Trio zum nächsten Park gefahren war, hatte die 16-Jährige über schwere Schwindelgefühle geklagt. «Vermutlich“, so die Anklage, hätten die Männer ihr K.o.-Tropfen in den Wodka gemischt. Die Schülerin sei deshalb «vollständig urteilsunfähig geworden und zu keinen Abwehrhandlungen mehr fähig» gewesen. «Sie begann mehr und mehr das Bewusstsein zu verlieren.»

Für die K.o.-Tropfen gab es keinen Beweis, aber einen starken Gegenbeweis: Die beiden Männer hatten ebenfalls aus der gleichen Flasche getrunken – ohne jegliche Folgen. Damit, so das Gericht, sei die Betäubung «nicht erstellt». Auch der vom Mädchen behauptete Filmriss hielt das Gericht für «unwahrscheinlich». Ihre Aussagen seien diesbezüglich sehr widersprüchlich. Zudem sei sie an Alkohol gewöhnt gewesen. An Trinkwettbewerben hatte das Mädchen teilweise sehr erfolgreich teilgenommen.

In Bezug auf eine allfällige Vergewaltigung fielen dem Gericht die Erinnerungslücken des Mädchens auf. Harmlose Ereignisse an jenem Abend habe sie spontan und detailreich geschildert. Sobald es um die vermeintlichen Straftaten ging, habe sie nur auf Nachfrage der Polizei geantwortet – und zwar wenig anschaulich, detailarm, stereotyp und ausweichend.

Fall geht wahrscheinlich ans Obergericht

Die beiden Männer, so das Gericht, «waren sicher nicht die rücksichtsvollsten Partner». Und auch die schmutzige Toilette im Park entspreche sicher nicht den Erwartungen eines jungen Mädchens. Trotzdem fehle die «ausreichende Sicherheit», um derart schwere Tatvorwürfe als erwiesen anzusehen.

Ohne Strafe kamen die beiden Männer aber trotzdem nicht weg. Wegen Strassenverkehrsdelikten, Vergehen gegen das Waffengesetz und Betäubungsmitteldelikten wurde der Ältere zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Er, der schon viermal einschlägig vorbestraft ist, lege eine «verantwortungslose Einstellung und Gleichgültigkeit» an den Tag. Eine positive Persönlichkeitsentwicklung sei bei ihm «nicht ansatzweise erkennbar». Der Jüngere kassierte wegen der gleichen Delikte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen. Er muss aber eine frühere bedingt verhängte Geldstrafe von 20 Tagessätzen nun bezahlen.

Die Rechtsvertreterin des Mädchen sagte nach der Urteilseröffnung, sie werde die Freisprüche sehr wahrscheinlich beim Obergericht anfechten.

Erstellt: 18.03.2013, 14:17 Uhr

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