«Schande von Zürich» ohne Ende?

Noch in diesem Monat kommt es im Letzigrund zu zwei weiteren Hochrisikospielen. In zwei Wochen kommen die Fans von Lazio Rom nach Zürich, drei Tage später jene des FCB.

Nächstes Hochrisikospiel steht bevor: Das kommende Spiel FCZ-FCB erinnert an die schweren Ausschreitungen im Jahr 2009 in Altstetten.

Nächstes Hochrisikospiel steht bevor: Das kommende Spiel FCZ-FCB erinnert an die schweren Ausschreitungen im Jahr 2009 in Altstetten. Bild: Keystone

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Die Welt des Schweizer Fussballs ist seit letztem Sonntag nicht mehr dieselbe. Von einer neuen Dimension der Gewalt ist die Rede, seit einige krawallbereite Fans den Abbruch des Spiels provozierten. In nur zwei Wochen wird im Letzigrund eine Partie angepfiffen, bei der das Risiko von Ausschreitungen mindestens so gross ist wie beim Stadtderby.

Dann werden die Fans von Lazio Rom den Zürchern gegenüber stehen, und sie gelten als besonders scharf und gewalttätig; den Ultras wird eine rechtsradikale Gesinnung nachgesagt und sie selbst nennen sich «die Unbeugsamen». Ihretwegen wurden dem Klub schon mehrere Geldstrafen und Platzsperren aufgebrummt. Der Anführer der «Unbeugsamen», Fabrizio Toffolo, wurde zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, weil er einen Polizisten verletzte. Es kam gar schon zu Schiessereien mit gegnerischen Gruppierungen.

Dunkle Erinnerungen an Strassenschlachten

Und nur drei Tage später findet im Letzigrund bereits das nächste Hochrisiko-Spiel statt, wenn der FCZ dem FCB gegenüber steht. Am 11. Mai dieses Jahres hatten einige FCB-Fans im Letzigrund derart gewütet, dass sich der Schaden auf rund 200'000 Franken belief. Und im Jahr 2009 kam es zu regelrechten Strassenschlachten, als Zürcher Fans die zurückreisenden Basler angriffen. Zwei Stunden dauerten die Krawalle, die teils auf dem Gleisfeld beim Bahnhof Altstetten ausgetragen wurden.

Bessere Trennung der Fansektoren möglich

Drei Tage nach der «Schande von Zürich» sind Stadtpolizei und Stadionbetreiber damit beschäftigt, die Scherben zusammenzuwischen. So scheint zur Zeit noch offen, wie sich die Beteiligten in dieser angespannten Situation auf die brisanten Spiele vorbereiten. «Einerseits wird die Stadtpolizei eine gründliche Lagebeurteilung vornehmen und in Zusammenarbeit mit Stadionbetreiber, Klubs und der Bahnpolizei Sicherheitsmassnahmen ausarbeiten. Andererseits werden wir die Erkenntnisse zur aktuellen Problematik in die Planung einfliessen lassen», lässt die Stadtpolizei Zürich verlauten. Fest steht, dass die Stadtpolizei nicht präventiv im Stadion präsent sein wird. Die Polizeikommandantenkonferenz hatte vor längerer Zeit beschlossen, dass in Schweizer Stadien keine Polizisten eingesetzt werden, solange keine Nothilfe nötig ist und keine Delikte gegen Leib und Leben begangen werden. Daran wird vorerst nicht gerüttelt.

Auch beim Stadionbetreiber, dem Schul- und Sportdepartement, lässt man sich nicht zu konkreten Aussagen hinreissen: «Letztlich nimmt die Swiss Football League das Sicherheitskonzept ab. Mit ihr stehen wir zur Zeit im Gespräch», sagt Marc Caprez, Sprecher des Schul- und Sportdepartements. Die Stadt sei durchaus bereit, auf verschärfte Forderungen der Liga einzugehen und würde sich auch nicht gegen kurzfristige bauliche Veränderungen im Stadion sperren, etwa, um die Fansektoren besser zu trennen. «Es ist unser höchstes Anliegen, dass die Spiele im Letzigrund sicher und geordnet durchgeführt werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2011, 14:32 Uhr

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