Schiesserei im Niederdorf: Bewaffneter Neonazi in Hamburg verhaftet

Sebastien N. kam nicht weit. Nachdem er im Niederdorf einen Mann durch einen Schuss schwer verletzt hatte, wurde er in Hamburg festgenommen. Der 24-Jährige war bewaffnet.

Festnahme am Bahnhof Harburg: Die Hamburger Polizei wartete bereits vor der Ankunft des Zuges schwer bewaffnet auf den Verdächtigen.

Festnahme am Bahnhof Harburg: Die Hamburger Polizei wartete bereits vor der Ankunft des Zuges schwer bewaffnet auf den Verdächtigen. Bild: tvnewskontor.de

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Der Täter aus dem Niederdorf ist in der Nacht auf heute Montag in Hamburg verhaftet worden. Wie eine gut unterrichtete Quelle vor Ort gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagte, sei der 24-Jährige beim Aussteigen aus einem Zug im Bahnhof Harburg von der Polizei festgenommen worden. Die Kantonspolizei bestätigt die Festnahme am Mittag per Mitteilung: «Aufgrund eines Hinweises konnte der 24-Jährige kurz nach 3 Uhr durch Beamte der Bundespolizeiinspektion Hamburg und der Hamburger Landespolizei in Hamburg-Harburg festgenommen werden.»

Die Beamten waren bereits auf dem Bahnhof, als der Neonazi den Zug verlassen wollte. «Die Polizisten waren schwer bewaffnet», sagt die Quelle gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Massnahmen waren nicht unbegründet. Der mutmassliche Täter gilt aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte als gefährlich. Er hatte bei der Verhaftung eine Schusswaffe dabei, die sichergestellt werden konnte, schreibt die Kapo weiter. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, wird abgeklärt.

Die Schweiz wird nun um die Auslieferung ersuchen. Das schwer verletzte Opfer, ein 26-jähriger Schweizer, befindet sich nach wie vor im Spital. Sein Zustand ist laut Kapo stabil.

Bekennender Neonazi

Der angebliche Täter aus Grenchen ist ein bekennender Neonazi, gemäss antifaschistischen Blogs hat er unter anderem Konzerte mit rechtsextremen Bands organisiert. Laut TeleZüri hat ihn das Solothurner Obergericht im Januar dieses Jahres zu 39 Monaten Gefängnis verurteilt. Sebastien N. wurden 44 Delikte vorgeworfen, unter anderem Rassendiskriminierung, Drohung, Gewalt gegen Beamte und Tätlichkeiten.

Nach der Verhandlung sagte er in eine Fernsehkamera: «Wenn man als Nazi handelt und denkt, wird man diskriminiert in der Schweiz.» Seine Haftstrafe musste Sebastien N. vorerst nicht antreten, weil er sich bereit erklärte, Medikamente gegen seine Alkoholsucht einzunehmen.

Öffentliche Fahndung ist selten

Die Kantonspolizei Zürich kennt die rechtsextreme Vorgeschichte des Mannes. «Ob der Gesuchte nach wie vor in der Szene verkehrt, ist offen », sagt Sprecherin Esther Surber. Nicht bekannt ist weiter, ob das Opfer aus dem Kanton Aargau ebenfalls dem rechtsextremen Milieu angehört oder aus fremdenfeindlichen Gründen attackiert wurde. «Die Tatumstände und das Motiv sind Gegenstand der Ermittlungen», sagt Surber.

Die öffentliche Fahndung mit Bildern und genauer Beschreibung des Täters zeigte nun offenbar innert 48 Stunden die gewollte Wirkung. Zum Mittel der Öffentlichkeitsfahndung greift die Kantonspolizei relativ selten. Die Strafprozessordnung erlaubt es ihr aber, mit Bildern und Namen nach einem dringend Verdächtigen zu fahnden, wenn es sich um eine schwere Tat handelt und sonst alle polizeilichen Mittel ausgeschöpft sind. (ep/bm/TA)

Erstellt: 07.05.2012, 11:27 Uhr

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