Schlangestehen fürs Lernen

Arbeitsplätze und Bücher in den Bibliotheken der Uni Zürich sind knapp. Längere Öffnungszeiten könnten das Problem entschärfen. Doch es hapert bereits bei der Infrastruktur.

Arbeiten an der Uni Zürich: Auf einen Platz kommen Hunderte Studenten.

Arbeiten an der Uni Zürich: Auf einen Platz kommen Hunderte Studenten. Bild: Keystone

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Der Platzmangel an der Zürcher Universität beeinträchtigt Tausende Studenten. Exemplarisch für das Problem steht die Situation im Fach Wirtschaft: 2900 Studenten müssen sich zwei Bibliotheken mit rund 150 Arbeitsplätzen teilen. Wer auf Prüfungen lernt oder Arbeiten schreibt, hat kaum eine Chance auf einen Platz.

Deshalb weichen Hunderte auf Bibliotheken anderer Fachrichtungen aus. Am beliebtesten ist neben der Zentralbibliothek die Rechtswissenschaftliche Bibliothek mit 500 Arbeitsplätzen. Das ist für die Jus-Studenten ein grosses Problem.

Denn ihre Bibliothek leiht keine Bücher aus. Die Studenten müssen deshalb zwingend vor Ort arbeiten. Um dennoch einen Platz zu ergattern, stehen Studenten deshalb morgens bereits vor der Türöffnung um 8 Uhr Schlange, um an die begehrten Plätze und Bücher zu kommen. Wer tagsüber einem Job nachgeht, hat das Nachsehen.

«Zu Hause ineffizient»

Längere Öffnungszeiten könnten die Verfügbarkeit der Bücher und die Lernzeiten der Studierenden erhöhen. «Viele Studierende lernen abends nach der Arbeit oder am Wochenende. Das muss bei den Öffnungszeiten berücksichtigt werden», sagt Moritz Schmid, Präsident des Fachvereins Jus (Fvjus) und Mitglied der Bibliothekskommission.

Auch wenn heute Teile der aktuellen Forschungsliteratur online abrufbar sind, wünschen sich die meisten Studierenden einen ruhigen Platz in der Bibliothek. «Zu Hause können sich viele nicht konzentrieren und lernen ineffizient», weiss Schmid. Der Fvjus suchte deshalb das Gespräch mit der Bibliothekskommission.

Die Krux mit den Schlössern

Die Infrastruktur vieler universitärer Gebäude lässt längere Öffnungszeiten nicht zu. Um beispielsweise die Bibliothek des Historischen Seminars abends zu öffnen, müsste das ganze Hauptgebäude offen bleiben. «Man müsste Securitas-Wächter engagieren, die bis 23 oder gar 24 Uhr da sind, um das Gebäude zu schliessen», sagt Monica Kalt, Geschäftsleiterin des Historischen Seminars.

Institute, die in einem eigenen Gebäude untergebracht sind, haben es deutlich einfacher. So können Studierende der Theologischen Fakultät bereits heute mit ihrer Legi jederzeit die Institutsbibliothek und deren Arbeitsräume nutzen. Auch das Institut für Populäre Kulturen in Oerlikon ermöglicht im 2011 eröffneten Gebäude seinen Studierenden den Zugang zu Arbeitsräumen rund um die Uhr. Die Bibliothek ist davon jedoch ausgeschlossen.

Eine Frage des Geldes

Die Universität ist sich des Missstandes bewusst. Bis ins Jahr 2030 sollten rund 3 Milliarden Franken in die Infrastruktur investiert werden. Ziel ist es, die verstreuten Räume der Institute auf jeweils einen Standort zu konzentrieren, mehr Lernraum für Studierende zu schaffen und das Bibliotheksangebot zu erweitern. Ob der Kanton dem Antrag der Universität nachkommt, bleibt abzuwarten.

«Die Universität muss jedoch offen sein für alternative Finanzierungsmöglichkeiten», sagt Schmid. Sein Vorschlag: Die längeren Öffnungszeiten der Bibliotheken und Arbeitsräume beispielsweise durch Drittmittel aus der Privatwirtschaft finanzieren. «So wie es die Universität St. Gallen bereits handhabt», sagt Schmid. Damit wären zumindest die Personalkosten gedeckt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2012, 13:48 Uhr

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