Schüler mussten aus Angst vor Augenschäden drinnen bleiben

Diverse Schulen sind einer Empfehlung des Stadtzürcher Schulamts gefolgt und liessen die Kinder heute während der Sonnenfinsternis nicht raus. Die Enttäuschung war gross.

Die Sorge der Schulen: Wer mit unzureichendem Schutz wie einer eingeschwärzten Folie direkt ins Licht schaut, schädigt die Netzhaut.

Die Sorge der Schulen: Wer mit unzureichendem Schutz wie einer eingeschwärzten Folie direkt ins Licht schaut, schädigt die Netzhaut. Bild: Keystone

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Heute Morgen konnte in der Schweiz eine Sonnenfinsternis beobachtet werden – ein aufregendes Ereignis, gerade für Kinder. Viele Zürcher Primarschüler und Kindergärtner verpassten es jedoch: Das Schulamt der Stadt Zürich warnte vor dem direkten Blick in die Sonne und empfahl seinen 110 Schulen und Kindergärten, die Kinder während der 10-Uhr-Pause möglichst im Innenraum zu beschäftigen und die Pause zu verlegen.

Viele Schulen sind diesem Ruf gefolgt, und Kindergärten haben sogar den Waldtag für heute abgesagt, damit die Kinder nicht ungeschützt in die Sonne schauen konnten. Für die Angehörigen diverser Kinder ist das völlig unverständlich. Ein Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet etwa hat gestern von seinen Enkelkindern erfahren, dass die Lehrer den Schülern verboten haben, in der Pause ins Freie zu gehen. «Einige Kinder sind bei dieser Nachricht total ausgerastet, weil sie sich so auf das seltene Ereignis gefreut haben», sagt er.

Auf Radio SRF hinterfragte auch ein Zürcher Lehrer die Sicherheitsmassnahme. Er wundere sich, wie er mit den Kindern drinnen einen normalen Unterricht abhalten solle, während sich draussen der Himmel verdunkle. Kritisiert wird von Betroffenen auch, dass die Pausenverschiebung zu kurzfristig mitgeteilt wurde.

Nicht Direktive, nur Empfehlung

Regina Kesselring, Kommunikationsleiterin beim Schulamt der Stadt Zürich, widerspricht: «Die Informationen zur Sonnenfinsternis stehen seit Anfang der Woche in unserem Intranet». Weiter betont sie, dass das Schulamt keine Direktive herausgegeben habe, sondern bloss eine Empfehlung. «Die Umsetzung liegt bei den Schulleitern.»

Auf ihrer Internetsite und im Intranet informieren die Schulgesundheitsdienste über die Gefahren beim Beobachten der Sonne: «Wird die Sonnenfinsternis von blossem Auge oder mit einem ungeeigneten Hilfsmittel beobachtet, können auf der Netzhaut bleibende Verbrennungen entstehen. Deshalb müssen die Augen unbedingt geschützt werden.» Wenn eine Klasse die Finsternis beobachten möchte, dann am besten durch eine Lochkamera mit Projektion auf ein Blatt Papier.

Höchstens drei Minuten gucken

Es gibt Schulen, die das Naturphänomen heute entsprechend ausgerüstet verfolgt haben, zum Beispiel jene im Allenmoos. Schulleiter Harry Huwyler hat die Eltern schriftlich informiert und so viele Brillen besorgt wie möglich. Das sei aber gar nicht so einfach gewesen. Er habe auf private Exemplare von Eltern zurückgreifen müssen. Schliesslich verfügte jede Klasse über fünf Brillen. In kleinen Gruppen konnten die Schüler das Phänomen geschützt beobachten. Jeder, der wollte, durfte während maximal drei Minuten schauen.

Die Empfehlung des Schulamts findet Huwyler verständlich, denn ein unkontrolliertes Beobachten könne wirklich gefährlich sein. Die Schule im Allenmoos hat deshalb heute alle Pausen im Freien gestrichen.

«Lebensnaher Lernanlass»

Auch an der Primarschule Nordstrasse wurde das Ereignis zelebriert. Die Lehrer verstehen das Naturphänomen als «lebensnahen Lernanlass». Schulleiter Christian Gerber sagt: «Das ist nun wirklich nicht etwas, was jeden Tag passiert.» Die Schule klärte die Schüler über alle möglichen Gefahren auf und kaufte für ihre 200 Schüler 100 Brillen – je zwei mussten sich eine teilen. Die Mittelstufe beobachtete das Spektakel im Irchelpark.

Für die Schüler der Unterstufe standen 10 Brillen zur Verfügung. Diejenigen, die das Ereignis verfolgen wollten, konnten das mit einer Brille auf dem Pausenplatz tun, kontrolliert von einer Lehrperson. Pausen hielt die Schule wie gewohnt ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2015, 09:27 Uhr

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