Schweisser soll Feuersbrunst ausgelöst haben

Die Staatsanwaltschaft hat gegen einen der drei Verdächtigen eine Strafuntersuchung eröffnet. Er soll in einem Raum mit Schweissbrennern hantiert haben, in dem Benzin unsachgemäss gelagert wurde.

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Zwei Tage nach der Feuersbrunst in Schlieren deutet alles darauf hin, dass der Brand durch Fahrlässigkeit ausgelöst wurde. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hat gestern gegen einen der drei am Donnerstag festgenommenen Slowaken eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst eröffnet und Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Die Untersuchungen hätten bisher keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung ergeben, heisst es in einer Medienmitteilung. Vielmehr stehe «eine fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst bei der Verrichtung von Arbeiten in der Autowerkstatt im Vordergrund». Die anderen beiden von der Staatsanwaltschaft befragten Slowaken wurden entlassen.

Schweissbrenner und Benzin

Damit ziehen die Untersuchungsbehörden dieselben Schlüsse wie Garagist Hans Brügger, der auf dem Gelände eine Werkstatt betreibt. Was zum Brand führte, steht für den 68-Jährigen ausser Zweifel: gefährlicher Umgang mit Schweissbrennern bei der Zerlegung von Autos. Dabei seien die Autotanks unfachmännisch geleert worden. «Die Arbeiter haben einfach ein Loch in den Tank gemacht und das Benzin in 200-Liter-Fässer abgefüllt», sagt Brügger. Das Benzin hätten sie weiterverkauft, die Ersatzteile gingen in den Export. Er habe die Männer darauf aufmerksam gemacht, dass dies gefährlich sei, doch die hätten nur gelacht und weitergearbeitet. Das Feuer ist just in diesem Betrieb ausgebrochen, in dem die Autos zerlegt wurden. Der betroffene Betrieb war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Brandplatz präsentierte sich gestern als bizarrer Autofriedhof. Dutzende verrusster, verkohlter und angerosteter Karosserien stehen auf dem Gelände zwischen der Badenerstrasse und den Gleisen in einer Linie. Die grosse Hitze liess Scheiben bersten und sämtliche Kunststoffteile schmelzen. Dicke, verkohlte Dachträger liegen auf eingedrückten Autodächern. Ein Wrack gleicht dem anderen, Autotypen sind bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr zu erkennen, wie etwa die Front eines alten Jeeps. In der Luft liegt immer noch ein rauchig-schwefliger Geruch.

Brügger schliesst sein Büro auf, das im Gegensatz zu seiner Garage nicht Raub der Flammen wurde. Die Bürowände sind voll tapeziert mit Fotos und Zeitungsausschnitten – Erinnerungen der letzten 25 Jahre. Brügger packt ein paar Ordner in einen Plastiksack: «Unterlagen für die Versicherung.»

Regelmässige Platzkontrollen

Brügger eröffnete in den 90er-Jahren als einer der Ersten auf dem Platz eine Garage und kennt die Verhältnisse. Die Gerüchte, unter Autohändlern und Garagisten sei das Klima vergiftet, lässt er nicht gelten. «Dies ist falsch», sagt er. Die Stimmung sei gut, man helfe sich gegenseitig aus. Gehässige Töne oder gegenseitige Schuldzuweisungen waren zumindest gestern keine zu hören.

Kurt Brunner ist der Vermieter des Platzes, über ihn laufen alle Mietverträge mit Garagen und Händlern. Brunner selber mietet das Areal an der Badenerstrasse 90 von der Grundstückbesitzerin, der Immobilien-Anlagestiftung Turidomus. Laut Brunner befindet sich die Infrastruktur in einem tadellosen Zustand. Vor rund einem Jahr seien die elektrischen Anlagen auf dem Platz rundum erneuert worden. Ausserdem würden die Garagenbetriebe regelmässig kontrolliert, ob sie beispielsweise Batterien und Reifen ordentlich lagern. Der Schlieremer Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) sagte gegenüber TeleZüri, die Kontrollen hätten zu keinen Beanstandungen geführt.

Brunner widerspricht Garagist Brügger: «Auf dem Platz gibt es nur Garagenbetriebe und Autohändler», sagt Brunner. Ein Handel mit Autoersatzteilen finde nicht statt. Über 25 Geschäfte zählt Brunner zu seinen Mietern. Darunter seien 17 Nationalitäten vertreten. Brunner schätzt, dass rund 300 Autos ganz oder teilweise verbrannt sind. Der Schaden betrage nicht einige Hunderttausend Franken wie von der Polizei mitgeteilt, sondern gehe in die Millionen.

Auch die SBB, deren Gleise direkt neben dem Brandplatz liegen, sind betroffen. Sie wollen den verursachten Schaden geltend machen, sagte Sprecher Daniele Pallecchi. «Knackpunkt dabei ist allerdings, ob es den Behörden gelingt, einen Täter ausfindig zu machen.» Auf Vorrat gegen unbekannt zu klagen sei jedenfalls keine Option. Die SBB listen derzeit die Schäden und die dadurch entstandenen Kosten auf. Dazu zählen kleinere Schäden an der Infrastruktur sowie der zusätzliche Personalaufwand.

Die Automeile an der Badenerstrasse 90 dürfte bald der Vergangenheit angehören. Das Grundstück ist Teil des Gestaltungsplans Schlieren West. «Wir planen, das Gelände innerhalb von drei bis sechs Jahren mit Mietwohnungen zu überbauen», sagt Jörg Koch, Mandatsleiter der Anlagestiftung Turidomus. Der Stadt Schlieren ist der Gebrauchtwagenhandel schon länger ein Dorn im Auge. Die Stadt habe 2005 eine Planungszone festgesetzt. Damit solle der Occasionshandel unterbunden werden, der immer wieder zu negativen Schlagzeilen führe, schrieb die Stadt im Sommer 2012 in einer Mitteilung.

Vor allem in den 90er-Jahren war die Presse schlecht. Im Frühjahr 1998 starb bei einer Schiesserei ein 31-jähriger Libanese. Ein Landsmann hatte ihn nach einem Streit getötet, zwei weitere Männer wurden dabei zum Teil lebensgefährlich verletzt. Einige Jahre zuvor stand der Schlieremer Gebrauchtwagenhandel wegen einer bestechlichen Beamtin in den Schlagzeilen. Sie nahm Geld von den Occasionshändlern an, diese durften dafür das Datum der Erstinverkehrssetzung in die Exportpapiere eintragen.

Bevor sich der Autohandel auf dem Gelände breitmachte, war es der Sitz einer Firma für Holzhandel. Auch die abgebrannte Lagerhalle stammt aus dieser Zeit.

Erstellt: 13.09.2013, 18:17 Uhr

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Grossbrand in Schlieren

Grossbrand in Schlieren Am Donnerstagvormittag, 12. September 2013 geriet an der Badenerstrasse eine Lagerhalle mit mehreren Fahrzeugen in Brand.

Am Tag danach: Ein Autohändler spricht über seine Verluste. (Video: Keystone )

Die Löscharbeiten vor Ort: Videoaufnahmen am Brandtag. (Video: Keystone )

Grossbrand in Schlieren: Es entstand ein Schaden von mehreren 100'000 Franken. (Video: Pascal Unternährer)

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