Schwerer Rückschlag für Bistum Zürich

Das Fazit der grossen Umfrage von Bischof Huonder fällt überraschend und – aus Sicht der Zürcher Katholiken – ernüchternd aus.

Bischof Vitus Huonder: «Ein Doppelbistum Chur – Zürich ist definitiv erledigt.»

Bischof Vitus Huonder: «Ein Doppelbistum Chur – Zürich ist definitiv erledigt.» Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Noch am Donnerstag liess der Zürcher Regierungsrat verlauten, gegen die Schaffung eines Bistums Zürich bestünden keine Einwände. Dieses würde den Besonderheiten eines eher urbanen Kantons entsprechen und wäre einem guten Verhältnis zwischen Kirche und Staat im Kanton Zürich förderlich.

Auch die reformierte Zürcher Kirche hätte im Bistum Zürich eine Chance für die Ökumene gesehen. Die katholische Zürcher Kantonalkirche hatte eh seit Jahrzenten für einen Bischof in Zürich plädiert.

Mehr Argumente gegen neues Bistum

Überraschenderweise spiegelt sich diese positive Einstellung der offiziellen Seite nicht in der Umfrage, die der Churer Bischof Vitus Huonder bei 900 Mitarbeitern seines Bistums durchführen liess. Das heute Freitag vorgelegte Ergebnis zeigt ein mehrdeutiges und in allen Bistumsregionen ähnliches Stimmungsbild. «Insgesamt wurden mehr und inhaltlich vielfältigere Argumente gegen die allfällige Gründung eines Bistums Zürich angeführt,» schreibt das für die Umfrage zuständige Zentrum für Human Capital Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Dabei war die Umfrage auf grosse Resonanz gestossen, der Rücklauf betrug gegen 50 Prozent. Natürlich werden zahlreiche positive Gründe für die Schaffung eines Bistums Zürich genannt: Der Kanton Zürich habe die ideale Grösse für ein Bistum, so werde der kulturellen Vielfalt und den Anliegen der städtischen Bevölkerung Rechnung getragen wie auch dem Umstand, dass die Metropole Zürich das aktuelle Zentrum des Bistums Chur sei. Zudem sei ein eigener Zürcher Bischof näher bei den Gläubigen und könnte den andauernden innerkirchlichen Streit etwas glätten. Stichhaltig sind aber auch die Gegenargumente: Die Restregionen des Bistums Chur würden geschwächt und wären in finanzieller und personeller Hinsicht nicht überlebensfähig. Fraglich sei auch, ob Zürich ein eigenes Bischofswahlrecht erhalten würde. Kommission statt Bistum Es scheint Huonder allerdings verfrüht, das Projekt für beendigt zu erklären. Er will mit der katholischen Körperschaft des Kantons Zürich abklären, ob er eine kleine Kommission einsetzen soll, «die sich mit den vorgebrachten Argumenten pro und kontra vertieft auseinandersetzt und das Projekt Bistum Zürich weiter prüft». Hingegen ist für Huonder, wie er in einem langen Brief an die Mitarbeiter schreibt, ein Doppelbistum Chur – Zürich «definitiv erledigt». Diese für die Zürcher Kantonalkirche ebenfalls wünschbare Variante eines Doppelbistums mit Zweitkathedrale in Zürich hatte er gar nicht erst in die aktuelle Umfrage einbezogen. Schon die diesbezüglichen Abklärungen seines Vorgängers Amédée Grab seien negativ verlaufen. Damals wie jetzt hat sich vor allem die Bündner Regierung vehement gegen die Änderung des Bistumsnamens gewehrt. Huonder selber meint, bei einem Doppelbistum bliebe alles beim Alten, und Zürich hätte nur symbolisch etwas davon. Schliesslich könne man die bischöfliche Verwaltung nicht zwischen den Städten Chur und Zürich über eine Distanz von 120 Kilometer aufteilen. Dezidiert lehnt er es ab, seinen Sitz nach Zürich zu verlegen. Einen so traditionsreichen Bischofssitz wie Chur, der seit 451 allen Stürmen der Geschichte widerstanden habe «und schon deshalb ein Monument des Glaubens ist, in eine Art ‹Castel Gandolfo› zu verwandeln, könnte ich nicht verantworten».

«Keine Los-von-Chur-Bewegung»

Huonder zeigt sich dankbar, dass auch viele Kantonsregierungen die jahrhundertealte Verbindung mit dem Churer Bischofssitz wertschätzten. Dass es offenbar keine Los-von-Chur Bewegung gibt, betrachtet er als Vertrauensbeweis, der ihn mit Dankbarkeit erfülle. Auch das Projekt Bistum Urschweiz, bestehend aus Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, will der Churer Bischof, der nächstes Jahr zurücktreten muss, definitiv zu den Akten legen. In der Umfrage wird ein solches Rumpfbistum mehrheitlich abgelehnt, da es zu klein sei, um zu überleben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2016, 10:27 Uhr

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