Seeüberquerung gestartet – und abgebrochen: «Ein Riesenfrust»

Kurz nach dem Start um 15.15 Uhr ist die Seeüberquerung wieder abgebrochen worden. Tausende Schwimmer blieben auf dem Trockenen sitzen. Der Entscheid wird scharf kritisiert.

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Heute Nachmittag ist nach knapp einer Stunde die Zürcher Seeüberquerung um 16.10 Uhr vorzeitig beendet worden. «Die Enttäuschung ist riesig», sagt Kathrin Schmid vom OK gegenüber Tagesanzeiger.ch. Der Ansturm war so gross, dass der Start sogar um eine Viertelstunde auf 15.15 Uhr vorverlegt worden war. Bis zum Abbruch wurden rund 2600 Schwimmer ins Wasser gelassen.

Doch dann entschied das OK zusammen mit der Wasserschutzpolizei, den Grossanlass abzubrechen. Die meisten der 10'000 Badekappen blieben ungenutzt liegen, Hunderte mussten am Strand zurückbleiben. OK-Präsident Urs Kessler rechnete gar damit, dass die Kappen nicht ausreichen werden, wie er gegenüber Tele Zürich sagte. Man habe viermal bei Meteo Schweiz nachgefragt, ob tatsächlich starke Böen über Zürich zu erwarten seien. Schliesslich musste man den Anlass abbrechen.

«Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», sagte Schmid. Im letzten Jahr nahmen über 7000 Leute an der Seeüberquerung teil. Grund für den Abbruch waren die Wetterprognosen, die bereits für den späteren Nachmittag ein grosses Gewitter mit starken Winden voraussagten. Das schlechte Wetter zog dann erst nach 18.30 effektiv auf.

Frau flippte aus

Damit fand die 24. Zürcher Seeüberquerung nicht wie geplant statt. Das Datum ist in diesem Jahr aufgrund der ungünstigen Wetterverhältnissen bereits zweimal verschoben worden. «Bisher passierte das erst drei Mal», sagte Schmid.

Eine Teilnehmerin konnte den Entscheid nicht verstehen und rief am Nachmittag an der Kasse lauthals aus: «Was erzählen sie für einen Seich, von einem Gewitter ist nichts zu sehen.» Ihr Gegenüber fragte, ob sie die Verantwortung übernehmen wolle, wenn das Gewitter über dem See tobe und Tausende Schwimmer im Wasser sind. Viele der abgewiesenen Teilnehmer beschwerten sich beim Eingang zur Badi Mythenquai, einige zogen wutentbrannt wieder ab. «Das ist ein riesen Frust», rief eine Teilnehmerin aus. Sie habe sich seit langem auf das Schwimmen gefreut, wie sie gegenüber Tagesanzeiger.ch sagte.

Absage trotz schönem Wetter

«Auf dem See sieht es bereits dramatisch aus, die Wellen sind höher und der Wind stärker», sagte Schmid kurz vor halb Fünf Uhr am Nachmittag. In der Stadt merke man davon wohl noch wenig. Viele enttäuschte Teilnehmer verstanden den Entscheid nicht. Auf der Webseite machten sie im Gästebuch ihrem Frust Luft: «Das kann ja wohl nicht wahr sein!», schrieb etwa Rainer Brocks aus Zürich.

Er kritisiert das OK, in diesem Jahr wohl «nicht das richtige Fingerspitzengefühl in Sachen Entscheidungen» zu haben. «Andere Jahre wurde geschwommen, als die Blitze schon über dem Uetliberg waren. Später flogen in der Badi Tiefenbrunnen Bäume um.» Und heute breche man den Anlass ab, weil der Himmel etwas bewölkt sei. Was ihn offenbar am meisten wurmt: «An den beiden letzten Daten war jedesmal traumhaftes Wetter und keine Seeüberquerung.»

OK-Mitglied Schmid versteht die grosse Enttäuschung der Leute. «Aber es ist ein Breitensportanlass, bei dem die Sicherheit oberste Priorität hat.» Nun müsse man mit schwerem Herzen bereits die Zelte wieder abräumen, um für das Gewitter gerüstet zu sein. «Der Aufwand war gigantisch, aber jetzt müssen wir auf das nächste Jahr warten und auf gutes Wetter am 4. Juli 2012 hoffen – dann ist die nächste Seeüberquerung geplant», sagte Schmid. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2011, 16:20 Uhr

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