Sesselrücken um SVP-Sitz entschieden

Nach dem überraschenden Rücktritt von Hans Kaufmann zieht Ernst Schibli wieder ins Bundeshaus ein. Der Partei wäre ein anderer Nachfolger lieber gewesen.

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Der 61-jährige eidgenössisch diplomierte Landwirt ersetzt den auf Ende der Frühjahrssession zurückgetretenen Hans Kaufmann von der SVP. Dies teilte Schibli heute der Parteileitung mit, wie diese in einer Mitteilung schreibt. Mit der Annahme seines Amtes wolle er auch den Wählerwillen respektieren, begründete Schibli seine Zusage.

Im Vorfeld zeichnete sich in den Reihen der SVP ab, dass die Partei als Nachfolge für Bankenexperte Kaufmann gerne den Banker Thomas Matter im Nationalrat gesehen hätte. Dieser stand nach Schibli als Nächster auf der Ersatzliste. Doch die Parteileitung konnte sich nicht gegen den Willen des treuen, verdienten Landwirtes durchsetzen – zugunsten des Quereinsteigers und Millionärs Matter.

Zehn Jahre im Nationalrat

Nun hat der langjährige Nationalrat das Seilziehen um den Nationalratssitz in Eigenregie für sich entschieden. Er vertrat die SVP des Kantons Zürich bereits von 2001 bis 2011 in der grossen Kammer. Zuvor präsidierte er während zehn Jahren die SVP-Fraktion im Zürcher Kantonsparlament.

Der im Furttal wohnhafte Schibli wolle sich in Bern «für die Kernthemen der SVP und für eine unabhängige, neutrale Schweiz» engagieren, heisst es in der Mitteilung weiter. Seine langjährige politische Erfahrung werde er einsetzen, um auch künftig «für gute Rahmenbedingungen, einen attraktiven Werkplatz und die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit» einzustehen.

Überalterte Spitze

Parteisekretär Reinhard Wegelin will sich nicht dazu äussern, was die Partei vom Entscheid Schiblis hält. Auch auf die Frage, ob die Strategie der SVP bezüglich des Aufbaus frischer Kräfte zurückgeworfen worden ist, mauert Wegelin. Die Zürcher Parteispitze hat ein Seniorenproblem. Hans Fehr, Max Binder und Toni Bortoluzzi werden im Wahljahr 2015 alle 68-jährig, Christoph Blocher gar 75.

Keiner der Herren äussert Absichten, zurückzutreten. Im Gegenteil: Fehr und Blocher wollen sogar nochmals antreten. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass die Partei zum Entscheid Schiblis schweigt. Verlauten lasse man sich nur gemäss Medienmitteilung, so Wegelin. Dort lautet der letzte Satz: «Die SVP wünscht Ernst Schibli einen erfolgreichen Start in Bern.»

Erstellt: 25.03.2014, 10:41 Uhr

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