Sexualkunde statt Männerverbot

Die Schutzbemühungen richten wohl mehr Schaden an, als dass sie einen Nutzen bringen.

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Juniorentrainer, Lehrer, Krippenleiter, der Samichlaus, Väter und Götti, unbescholtene kinderlose Männer: Sie alle kennen ihn, den Eindruck, unter Verdacht zu stehen. Weil sie einem Kind nahe kamen.

Sicher: Kinder vor Übergriffen zu schützen, ist ein berechtigtes Ziel. Jeder Übergriff ist einer zu viel. Und dennoch muten all die Bemühungen zunehmend hysterisch an. Und nicht nur das, sie richten langfristig unter Umständen mehr Schaden an, als dass sie einen Nutzen bringen.

Denn sie erzeugen ein Klima der Angst. Das wirkt sich auf die Art aus, wie Männer mit Kindern umgehen. Unbeschwerte Nähe ist kaum mehr möglich. Der Primarlehrer erstarrt, wenn ihn die Erstklässlerin freudig umarmt. Der Krippenleiter darf die Kleinen nicht allein zum Mittagsschlaf hinlegen. Der Götti gibt der Nichte keinen Kuss. Der Flugpassagier wird umgesetzt, wenn neben ihm ein allein reisendes Kind sitzt.

Das alles bekommen die Kinder natürlich mit. Zusammen mit der unterschwelligen Botschaft: Vorsicht, jeder Mann ist gefährlich. Vertrauen? Fehlanzeige. Auch als Vorbild taugt ein Mensch, der kraft seines Geschlechts potenzieller Täter ist, nicht. Das ist vor allem für Buben verheerend. Sie wachsen mit der Aussicht auf, eines Tages «so einer» zu werden, vor dem Kinder Angst haben müssen.

Zur Sicherheit tragen solche pauschalisierten Botschaften nichts bei. Es ist, als würde man Kinder vor Verkehrsunfällen schützen wollen, indem man ihnen bloss beibringt, dass alle Autos gefährlich sind. Natürlich gehen wir im Strassenverkehr anders vor. Wir erklären den Kindern, wie sie sich verhalten sollen.

Das ist auch der richtige Weg für die Prävention von Übergriffen: Sexualkunde. Damit Kinder lernen, wie sie richtig reagieren können. Und sich nicht jedem Mann ausgeliefert fühlen.

Erstellt: 11.09.2014, 07:20 Uhr

Liliane Minor, Zürich-Redaktorin

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