Sexualunterricht im Kindergarten: Massieren ist hilfreich

In Basel sollen bereits Kindergärtler aufgeklärt werden. Dies sorgt für Aufregung bei Eltern und Politikern. Zürich will den Sexunterricht nicht einführen, aber auf alle Fragen von Kindern reagieren.

Holzpenisse und Plüschvaginas als Anschauungsmaterialien? Kindergarten in Basel.

Holzpenisse und Plüschvaginas als Anschauungsmaterialien? Kindergarten in Basel. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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In Basel soll es ab dem neuen Schuljahr schon im Kindergarten Aufklärungsunterricht geben. Dabei sollen Kinder ihren Körper besser kennenlernen. Auch gegenseitiges Massieren soll Teil des Unterrichts werden. In den oberen Schulstufen würden gar Holzpenisse und Plüschvaginas als Anschauungsmaterialen verwendet. Dies berichtete gestern der «Sonntagsblick». Laut dem Blatt wird der Sexualunterricht im Vorschulalter ab 2014 in der ganzen Schweiz eingeführt.

Dem widerspricht Urs Meier, stellvertretender Chef des Volksschulamtes: «Dies wird im Kanton Zürich erst ab der Mittelstufe als Inhalt im Lehrplan erwähnt. Es bestehen aktuell keine Pläne, an diesem Sachverhalt etwas zu ändern.» Trotzdem könne Sexualerziehung schon früher beginnen. So sollen besonders soziale Kompetenzen wie das «Nein-Sagen können» oder «über Gefühle sprechen» gefördert werden.

Bilderbücher oder Zeichnungen sind erlaubt

Müssen dabei aber eindeutige Anschauungsmaterialen zum Einsatz kommen? Lukas Geiser von Lust und Frust verneint. Er ist Mitarbeiter einer Fachstelle für Sexualunterricht der Schulgesundheitsdienste und der Zürcher Aidshilfe. Wichtig sei, dass Fragen, die Kinder stellen, wahrheitsgetreu und altersgerecht beantwortet würden. Wenn ein Kind thematisiere, dass seine Mutter schwanger sei, bietet dies Raum für eine Diskussion. «Dann kann auf einfache Weise erklärt werden, wo die Kinder herkommen.» Durchaus können dabei Zeichnungen oder Bilderbücher zum Einsatz kommen, oder die Mutter selbst erzähle der Klasse, was in ihrem Bauch passiere.

Immer wieder komme es zudem vor, dass Kinder eine sexualisierte Sprache in den Kindergarten tragen, wie beispielsweise das Wort «Ficken». Geiser sagt klar: «Hier ist es wichtig, die Begriffe zu erklären und aufzuzeigen, in welcher Situation sie angebracht sind.» Auch sei es wichtig, dass Kinder ihre Organe und Körperteile benennen können, um ein Gefühl für ihren Körper zu entwickeln.

Gegenseitiges Massieren hilfreich

Durchaus seien dabei auch Schultermassagen zwischen den Kleinen ein hilfreiches Mittel. «Auf spielerische Weise kann so herausgefunden werden, was angenehm ist und was nicht.» Dies helfe den Kindern einzuorden, wann sie zu etwas Nein sagen können und auch ihre Grenzen bei Doktorspielen festzulegen, die in diesem Alter oft vorkämen.

Geiser denkt, dass das offene Beantworten von Fragen nicht von der kulturellen Herkunft oder der Religion eines Kindes beeinträchtigt werden sollte. «Wir müssen die Fragen der Kinder ernst nehmen, unabhängig von deren Kultur.» Sofern die Eltern dies aber nicht wünschen, können sie sich immer an die Kindergärtnerin oder Lehrerin wenden. «Dann kann diese sagen, dass die Mutter oder der Vater die Frage beantworten wird.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.05.2011, 17:09 Uhr

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