Hintergrund

«Sie essen lieber Bratwurst, als zu jagen»

Im Kanton Zürich sind derzeit nicht nur sehr viele Wespen unterwegs, sie sind auch besonders aggressiv. Vorsicht ist geboten, denn ob man auf Wespengift allergisch reagiert, weiss man erst nach dem ersten Stich.

Die Wespenmeldungen in Zürich: In diesem Jahr sind die Meldungen zahlreicher als im Vorjahr. Der Sommer 2003 bleibt allerdings bisher unerreicht.

Die Wespenmeldungen in Zürich: In diesem Jahr sind die Meldungen zahlreicher als im Vorjahr. Der Sommer 2003 bleibt allerdings bisher unerreicht. Bild: Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung Zürich

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Sie sind überall, ausgesprochen aggressiv und sie verderben einem den Spass an den vielleicht letzten heissen Tagen im Freien. Zürich wird derzeit von Wespenschwärmen geplagt. Allein am Zürich Openair vom vergangenen Wochenende mussten rund 650 Wespenstiche behandelt werden – wobei wohl längst nicht alle zum Arzt gingen, die gestochen wurden. Auch an der Street-Parade verzeichneten die Rettungssanitäter in diesem Jahr aussergewöhnlich viele Behandlungen von Wespenstichen.

«Es hat in diesem Jahr definitiv mehr Wespen als im Vorjahr», bestätigt Marcus Schmidt von der Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich. Wespen lieben die Wärme und hassen es, wenn es kalt und nass ist. «In den vergangenen Wochen haben sich aufgrund der warmen Temperaturen zahlreiche Insektenarten stark vermehrt – auch die Wespen, weil sie Insektenjäger sind und bei den momentanen Witterungsverhältnissen entsprechend viel Nahrung vorfinden», so Schmidt.

Deutsche und Gemeine Wespe besonders lästig

Vor allem die Deutsche und die Gemeine Wespe belästigen uns in diesen Tagen. Diese Arten nisten vor allem in geschützten und dunklen Bereichen wie Löchern im Erdreich, in Dachstöcken oder Rollladenkästen und entwickeln besonders grosse Völker – aber auch einen besonders grossen Hunger. «Sie bevorzugen es, eine zarte Bratwurst auf einem Teller zu essen, anstatt nach Futter zu jagen. Andere Arten, auch die eher seltenen Hornissen, sind hingegen harmlos, weil sie wirklich nur Insekten fressen und uns am Tisch nicht belästigen», erklärt Schmidt.

Weil Wespenvölker bei den momentanen Temperaturen sehr stark wachsen und die Larven entsprechend viel Futter brauchen, seien sie gemäss Schmidt besonders aggressiv. «Sie jagen oder sammeln ihr Essen im Gegensatz zu Hornissen nur tagsüber. Weil die Tage bereits kürzer werden, steigt der Druck bei der Nahrungssuche.»

Sie bleiben, bis es kalt wird

Die lästigen Tierchen werden uns noch einige Zeit erhalten bleiben, denn solange es sonnig und warm ist, bleiben sie aktiv. «Sie verschwinden erst, wenn es kalt wird. Wenn wir einen schönen Herbst haben, dann bleiben sie uns auf jeden Fall erhalten», meint Schmidt. Leider ist gegen Wespen auch kein Kraut gewachsen. Sogar Wespenfallen seien laut Schmidt ein zweischneidiges Schwert: «Hängt man sie direkt beim Tisch auf, werden die Tiere zusätzlich angelockt. Sind sie dann da, stürzen sie sich lieber auf die Wurst auf dem Teller statt in die Falle.»

Einzig wer es schafft, gelassen auf die Tiere zu reagieren, und sie einfach gewähren lässt, kann weiterhin gut unter freiem Himmel essen. Für alle anderen gibt es nichts anderes, als das Feld zu räumen und zum Essen ins Haus zu gehen. «Besonders dann, wenn man Kinder dabei hat. Sie reagieren oft panisch, wenn Wespen sie umschwirren.»

Sticks statt Hausmittel

Kommt es trotz aller Vorsicht doch zu einem Wespenstich, löst dieser eine allergische Reaktion unseres Immunsystems aus. «Diese kann unterbunden werden, indem man die Einstichstelle so rasch wie möglich kühlt und desinfiziert», sagt Lorenz Schmid, Präsident des Apothekerverbands des Kantons Zürich. Hierzu gebe es verschiedene Produkte, die gleichzeitig antiallergisch wirken, wie beispielsweise Parapic- oder Fenipic-Sticks.

Hat man keine solchen Arzneimittel zur Hand, kann man auch Alkohol zur Desinfektion verwenden oder, wenn auch das nicht vorhanden ist, kühles Wasser über die Stichstelle giessen. «Von Hausmitteln wie dem Einreiben mit einer halbierten Zwiebeln oder mit Joghurt rate ich ab. Man muss aufpassen, dass man mit solchen nicht sterilen Anwendungen nicht auch noch eine Infektion auslöst», warnt Schmid.

In Apotheken werden bereits gekühlte Coldpacks abgegeben, oder bei stärkeren allergischen Reaktionen lohnt sich das Ausrüsten mit einem Notfallset mit Kortisontabletten und einem Antiallergikum. «Wer hochallergisch ist und mit einer Atembeeinträchtigung auf einen Stich reagiert, muss sofort zum Notarzt», so der Fachapotheker. Ob man auf Wespenstiche allergisch ist, weiss man allerdings erst nach dem ersten Stich. «Das lässt sich nicht im Voraus testen. Es kommt in der Schweiz jedoch extrem selten vor, dass Menschen an Insektenstichen sterben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2013, 12:35 Uhr

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Die Wespen machen sich breit

Die Wespen machen sich breit In Zürich sind derzeit viele und sehr aggressive Wespen unterwegs. Zwei Arten sind besonders lästig.

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