Silvia Steiner lässt Fall Jegge untersuchen

Wurden die Kinder zu Recht in Jegges Sonderschule eingewiesen? Ein externer Experte soll diese Frage klären.

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Nun lässt auch die Bildungsdirektion die Hintergründe des «Falls Jegge» abklären. Das teilte die Direktion heute Dienstag mit. Bildungsdirektorin Silvia Steiner hat den Rechtsanwalt Michael Budliger damit beauftragt. Budliger ist Experte für die Volkschulgesetzgebung.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, wiegen schwer. Jürg Jegge, der sich mit seinem Einsatz für «schwierige» Kinder und Jugendliche einen Namen gemacht hatte, soll sich in den 1970er-Jahren an Schülern sexuell vergangen haben. Das jedenfalls schildert ein ehemaliger Schüler, Markus Zangger, in seinem Buch «Jürg Jegges dunkle Seite», das Anfang April dieses Jahres erschienen ist.

Wie war die Rechtslage?

In den Abklärungen der Bildungsdirektion geht es allerdings explizit nicht um mögliche Straftaten – das sei Sache der Staatsanwaltschaft, sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner. Sie will wissen, ob die damaligen Schulbehörden die Kinder überhaupt zu Recht in Jegges Sonderschule eingewiesen haben. «Die Rechtslage war damals eine ganz andere als heute», sagt sie. «Damals war natürlich noch nicht das neue Volksschulgesetz in Kraft, sondern jenes von 1899, welches viel rudimentärer war.»

Als erstes gelte es deshalb, die damalige Rechtslage betreffend sonderpädagogischen Massnahmen und Sonderschulungen abzuklären. Anwalt Budliger soll die Akten zudem für eine allfällige spätere bildungshistorische Auswertung aufbereiten.

Auch die Staatsanwaltschaft hat im Fall Jegge Abklärungen aufgenommen. Jegge hatte nach dem Erscheinen des Buchs sexuelle Kontakte zugegeben. Die Staatsanwaltschaft klärt nun ab, ob diese Handlungen heute noch strafbar sind. Neuigkeiten betreffend den Stand der Abklärungen gebe es keine, teilte die Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur SDA mit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 11:02 Uhr

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