«Sitzen sie im Sprudelbad aufeinander, greifen wir ein»

Wenn Badegäste ihre Hemmungen verlieren, müssen Betreiber von Wellnessbädern für Sitte und Ordnung sorgen. Sogar Undercoverbademeister kommen zum Einsatz.

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Über den Dächern von Zürich geht es heiss zu und her – zumindest im Thermalbad auf dem Hürlimann-Areal. Dort werde im warmen Sprudelbecken weitaus mehr ausgetauscht als rein verbale Nettigkeiten. «Einige wenige machen, was sie wollen. Kaum hat man ihnen den Rücken zugekehrt, machen sie weiter», sagt Werner Grüter, Geschäftsleiter der Betreiberin Aqua-Spa-Resorts AG, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Auch in den Migros-Fitnessparks der Stadt kennt man solche Situationen. «Es kommt immer wieder vor, dass Gäste Intimitäten austauschen wollen», sagt Migros-Mediensprecher Francesco Laratta auf Anfrage. Händchenhalten oder ein Kuss sei natürlich nicht verboten. Eingegriffen werde nur, wenn der Körperkontakt zu intensiv werde, denn die Hausordnung untersage explizit anstössiges und unsittliches Verhalten.

Es droht Hausverbot oder Badverweis

Laut Laratta führen die Migros-Mitarbeiter regelmässig Kontrollen in Räumlichkeiten wie Saunas und Dampfbädern durch und machen die Gäste der Wellnessanlagen «frühzeitig» darauf aufmerksam, dass sexuelle oder intime Handlungen untersagt sind. «Sitzen sie im Sprudelbad nicht nebeneinander, sondern aufeinander, dann ist ein Hinweis bereits angebracht.» Befolgt ein Paar die wiederholten Anweisungen des Personals nicht, droht ein Hausverbot.

Ähnlich strikt geht man im Alpamare gegen das wilde Treiben im heissen Wasser vor. Dort kommen sogar Undercoverbademeister zum Einsatz. «Sie mischen sich in Badekleidern unter die Gäste und beobachten die Situation», sagt Catrin Hardung, Leiterin Marketing und Verkauf. Bei Küssen wird auch im Alpamare nicht interveniert. «Aber wenns darüber hinausgeht und das Verhalten intensiver wird, machen unsere Mitarbeiter die Leute darauf aufmerksam, dass dies nicht erlaubt sei. Halten sich die Gäste wiederholt nicht an unsere Anweisungen, werden sie aus dem Bad gewiesen.»

Nur wenn es warm ist, wird es heiss

Der Austausch von Zärtlichkeiten sei allerdings im Alpamare – anders als in Thermen – kaum ein Thema, weil es ein Erlebnisbad sei, das vor allem ein jüngeres Publikum anspreche. «Wir stellen keine Zunahme solcher Vorfälle fest. Die Situation ist seit Jahren in etwa dieselbe», sagt Hardung. Das Potenzial, sich näherzukommen, steige jedoch, wenn wenig Kleider getragen werden. «Wir wollen unsere Gäste nicht solchen Situationen aussetzen, zumal viele Kinder und Familien zu uns kommen.»

Die Stadtzürcher Bäder sind laut Patrick Müller, Leiter Abteilung Badeanlagen, ganz von derlei Problemen verschont. «Im vergangenen Jahr sind mir keine Meldungen oder Beschwerden über unsittliches Verhalten in unseren Anlagen zugetragen worden», sagt er auf Anfrage. Müller führt dies unter anderem auch auf die Wassertemperaturen zurück. «Wir betreiben Bäder, in denen der Schwimmsport im Vordergrund steht. In Thermalbädern kann man verweilen. Bei uns muss man sich bewegen und schwimmen, sonst bekommt man kalt.»

Erstellt: 23.03.2015, 12:53 Uhr

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