Skandal an der Uni: Teil der Prüfung war zuvor online

Eine Prüfung an der Universität Zürich sorgt für rote Köpfe unter den Wirtschaftsstudenten. Fragen wurden geleakt.

Eine BWL-Prüfung war vor dem Termin auf einem Portal der Uni sichtbar. Zudem war es dieselbe wie im Vorjahr: Uni Zürich.

Eine BWL-Prüfung war vor dem Termin auf einem Portal der Uni sichtbar. Zudem war es dieselbe wie im Vorjahr: Uni Zürich. Bild: Keystone

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Die Studenten an der Universität Zürich sind derzeit in der Prüfungsphase. Am Donnerstagmorgen kam es für einige Studenten der Wirtschaftswissenschaften bei der BWL-II-Prüfung (Betriebswirtschaftslehre) aber zu einer dicken Überraschung: «Die Prüfung war exakt dieselbe wie im vergangenen Jahr», sagt ein Student gegenüber «20 Minuten».

Die Prüfung stand bereits im Voraus online auf dem Uniboard-Forum zur Verfügung. «Wer während der Lernphase also mit dieser Prüfung gelernt hatte, hatte am Donnerstag einen sehr entspannten Tag», so der Student. Andere wiederum fühlen sich unfair behandelt: «Das kann doch einfach nicht sein. Sind die Professoren wirklich so faul, dass sie die Prüfungen immer und immer wieder verwenden?» Viele Studenten würden sich rechtliche Schritte überlegen oder hätten bereits Rekurs beim Dekanat eingelegt.

Diese Nachricht erhielten die Studierenden von der Uni-Leitung.

Auch der Fachverein Ökonomie (FVOEC) kritisiert die Uni auf Facebook: «Eine Prüfung fast eins zu eins aus den Vorjahren zu übernehmen, ist schlicht und einfach unprofessionell, faul und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät unwürdig.»

Wurde die Prüfung gestohlen?

Unter den Studierenden, die am Donnerstag die Prüfung absolvierten, war auch Camille Lothe, Präsidentin der JSVP Kanton Zürich: «Eigentlich ist es bekannt, dass immer wieder die gleichen oder ähnliche Prüfungsfragen gestellt werden. Viel brisanter ist die Frage, wie der Prüfungsbogen ins Internet gelangte.» Die Prüfungsbögen würden nämlich nach der Prüfung jeweils umgehend eingezogen.

«Also hat entweder ein Student die Prüfung gestohlen oder jemand, der in der Prüfungsorganisation arbeitet, hat die Fragen geleakt», so Lothe. Sie sei sich aber sicher, dass man das bald herausfinden werde. «Beim Uniboard-Portal kann man sich nur mit dem Uni-Zugang einloggen – die wissen also, wer die Prüfung veröffentlicht hat», sagt die JSVP-Politikerin. Sie glaubt, dass die Prüfung nun wiederholt wird. «Es ist die einzige richtige Lösung – auch wenn das für alle, die gelernt und die Prüfung nicht gesehen haben, extrem unfair ist.»

Uni prüft rechtliche Schritte

Die Universität Zürich hat für Freitagnachmittag eine Stellungnahme angekündigt. Die Geschäftsführung des verantwortlichen Dekanats hat die Studenten bereits am Freitagmorgen via E-Mail informiert: «Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass die letztjährige Prüfung vor zwei Wochen widerrechtlich online zur Verfügung gestellt wurde.» Man habe bereits etliche Anfragen erhalten, ob die Prüfung wiederholt werde.

«Wir prüfen zurzeit die Sachlage mit allen involvierten Stellen und bitten um Verständnis, dass wir erst nächste Woche weiter informieren können», heisst es weiter. Man bedaure die Situation und prüfe bezüglich der unerlaubten Veröffentlichung rechtliche Schritte.

(Übernommen von «20 Minuten», bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2018, 12:43 Uhr

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