Smart, ambitioniert und verliebt wie am ersten Tag

Sie war Meisterin im Synchronschwimmen und ist heute Nationalrätin. Er forschte in Paris und ist heute Kantonsrat. Die Schmid-Federers sind Zürichs umtriebigstes Politikerpaar.

Talent für den wirksamen Auftritt: Barbara Schmid-Federer und Lorenz Schmid in ihrer Apotheke.

Talent für den wirksamen Auftritt: Barbara Schmid-Federer und Lorenz Schmid in ihrer Apotheke. Bild: Dominique Meienberg

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Es ist fast unheimlich. Die Schmid-Federers sind mit ihren beiden Buben (15 und 13) «eine ganz normale Familie», wie sie betonen. Was sie auch noch sind, passt nicht auf ein einziges Blatt. Lorenz Schmid ist CVP-Kantonsrat, Inhaber einer Apotheke an allerbester Lage und Präsident des Zürcher Apothekerverbandes. Barbara Schmid-Federer ist CVP-Nationalrätin und Mitglied in rund 20 Gremien – vom Präsidium der CVP Schweiz über Pro Natura, Greina-Stiftung, Zürcher Frauenzentrale bis zur Kinderhilfe Bethlehem.

Wie funktioniert ein solches Ehepaar? Beim Treffen für das Gespräch mit dem TA küssen sich die beiden wie frisch verliebt. Doch dann kommt schon die atemlose Frage des Ehemanns: «Hast du die‹Zürichsee-Zeitung› schon gelesen?» Es geht um einen Artikel über den Gewerbeverband Meilen, der die beiden masslos ärgert. Lorenz Schmid wird bei den Kantonsratswahlen nicht unterstützt. Der Gewerbeverband sei SVP-infiltriert, habe ein Problem mit der CVP und sei leider zu sehr durchs Baugewerbe geprägt.

Kampf gegen Onlinesucht

Was sagen die beiden Buben, wenn am Küchentisch dauernd über Politik und Gewerbe diskutiert wird? «Die sagen schnell mal: Stopp!», erzählt die Mutter. Die Buben haben auch ein passendes Drohmittel gefunden: «Wenn ihr nicht aufhört mit Politik, gehen wir iPödlen.» Das wirkt. Die Söhne haben eine limitierte Game- und Bildschirmzeit. Schliesslich ist ihre Mutter im Nationalrat eine der profiliertesten Kämpferinnen gegen Onlinesucht und Internetkriminalität sowie für den Schutz von Jugendlichen in Internet-Chatrooms. In einem Selbstversuch hatte sie sich im Internet als 13-Jährige ausgegeben und nach 43 Sekunden das erste Sexangebot erhalten.

Das Ehepaar Schmid-Federer ist in den Medien dauerpräsent – von Berufes wegen. Als die Kantonspolizei kürzlich vom angeblichen pflanzlichen Heilmittel «Hard Night» gegen Erektionsbeschwerden warnte, das übers Internet angeboten wird, liessen sich CVP und Apothekerpräsident Lorenz Schmid zu einer Medienmitteilung hinreissen: «Warum im Internet so weit suchen, wenn die Lösung so nah liegt: in den über 220 Apotheken des Kantons Zürich.» Unter dem von der CVP verschickten Communiqué stand weiter: Fragen zu Viagra und anderen Potenzmitteln an Lorenz Schmid. «Ich will Politik, Beruf und Standesarbeit lustbetont ausüben, sonst verliere ich die Freude», sagt der Apotheker.

Einsatz für stillende Mütter

Das Talent von Barbara Schmid für wirksame Medienauftritte ist noch grösser. Sie schaffte 2007 die Wahl in den Nationalrat ohne die sonst übliche «Ochsentour», ohne je ein politisches Mandat innegehabt zu haben. Doch sie ist schnell, ambitioniert und hatte das Gefühl für die richtigen Aktionen. Die Gratiszeitung «20 Minuten» veröffentlichte das Bild ihres originellen Wahlplakates. Kurz vor den Wahlen reagierte sie nochmals geschickt. Nachdem eine stillende Mutter aus einem Zürcher Restaurant komplimentiert worden war, lancierte sie medienwirksam die Idee von Stillzonen in Restaurants und Apotheken.

Dem heutigen Vorzeigepaar ist der Erfolg nicht in den Schoss gefallen. Schmids Vater war Apotheker und führte die Fraumünsterapotheke. Sohn Lorenz studierte zwar Pharmakologie, wollte aber Forscher und nicht Gewerbler werden. Er forschte in Paris, implantierte Affen Zellen und suchte nach einem Mittel gegen Parkinson – für einen Hungerlohn. Seine Frau studierte Spanisch und Französisch, war Gymilehrerin und dann Assistentin des Präsidenten der ETH Zürich. Mit ihrem Lohn ernährte sie Forscher Lorenz – und musste erst noch jeden Donnerstagabend nach Paris reisen fürs lange Wochenende.

Sandkasten-Bekanntschaft

Richtig kennengelernt hatten sich die beiden beim Tanzen in Zürich, obschon sie sich viel früher schon im Sandkasten getroffen hatten. «Ich war sehr heikel, was Musik und Tanzen angeht», sagt Barbara Schmid-Federer. Sie war Limmatnixe, Synchronschwimmerin, mehrfache Schweizer Meisterin im Teamwettbewerb und später Trainerin sowie internationale Wertungsrichterin. Für Politik zu interessieren begannen sich die beiden erst mit 27 Jahren.

«Als der EWR 1992 in der Schweiz abgelehnt wurde, hatte ich als Lehrerin in Frankreich keine Chance mehr», sagt Barbara Schmid-Federer. So kehrten sie in die Schweiz zurück, er zum Weiterforschen ans Paul-Scherer-Institut. «Politisch hats bei uns damals klick gemacht», sagt Schmid. In die CVP eingetreten sind sie aber erst im Jahr 2000. «Der Männedorfer CVP-Präsident hatte damals bei uns angeklopft. Ich hatte zwar keine Zeit, doch ein Jahr später war ich bereits Ortsparteipräsidentin», sagt Barbara Schmid.

Drittes Klick

Im Leben von Lorenz Schmid hats dann – nach dem Abend auf dem Tanzparkett und dem EWR-Nein – noch ein drittes Mal klick gemacht. Als sein Vater älter wurde, half der Sohn immer öfter mit Stellvertretungen in der Fraumünsterapotheke. «Ich lernte die Wertschätzung der Kunden kennen und beschloss, doch Apotheker zu werden.»

«Mein Mann ist sehr innovativ und einer der besten Gewerbler im Kanton», sagt Barbara Schmid-Federer. Das wurde ihm vor ein paar Jahren allerdings zum Verhängnis. Er begann Zeckenimpfungen anzubieten, wurde vom Kanton aber zurückgepfiffen. Schmid hat in seiner Apotheke ein Therapiezentrum mit Massage integriert. Und ihm schwebt mehr vor: telemedizinische Grundversorgung?– zum Beispiel über eine Videokonferenz mit Ärzten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2011, 10:59 Uhr

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