Es bleibt beim «Kindergarten» im «Chindsgi»

Der Kantonsrat lehnte am Montag die Initiative «Ja zur Mundart im Kindergarten» ab. Mit 98 zu 67 Stimmen sprach er sich dafür aus, dass neben der Mundart auch Hochdeutsch gesprochen werden soll.

Man spricht Deutsch - und Mundart: Zürcher Kindergartenkinder.

Man spricht Deutsch - und Mundart: Zürcher Kindergartenkinder. Bild: Keystone

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Momentan wird im «Chindsgi» gemäss Lehrplan zu «mindestens einem Drittel» Hochdeutsch gesprochen. Die Initianten, konservative Lehrkräfte, verlangen, dass im ersten Jahr des Kindergartens kein Unterricht in Standardsprache erfolgen soll und im zweiten Jahr nur in geringem Masse.

Mit 98 zu 67 Stimmen sprach sich der Kantonsrat gegen das Begehren aus. SVP, EVP und EDU stimmten dafür. Der Kantonsrat empfiehlt damit den Stimmberechtigten, die Initiative «Ja zur Mundart im Kindergarten» abzulehnen. Das letzte Wort über die Sprache in den Zürcher Kindergärten hat nun also das Stimmvolk.

SVP: Mundart ist Sprache der Integration

«Wer zu uns gehören will, muss Mundart lernen», sagte der SVP- Sprecher. Mundart sei die Sprache der Integration, sie gehöre zwingend in den Kindergarten. Gleicher Meinung war auch die EVP: «Ausländerkinder müssen akzentfrei Mundart sprechen, um sich integrieren zu können», sagte ihr Sprecher.

Alle anderen Rednerinnen und Redner waren sich jedoch einig, dass ein frühes Kennenlernen der Standardsprache wichtig sei. Eine frühe Sprachförderung sei der beste Weg zur Integration, hiess es von Seiten der SP. Und auch für die FDP war klar: Eine schrittweise Heranführung an die Standardsprache sei nötig.

Gerade weil die Mundart so präsent und wichtig für die Identität sei, brauche es auch einen Platz für das Hochdeutsche, befanden die Grünen. Und der GLP-Sprecher sagte, Mundart und Schriftsprache dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Der Zürcher Lehrplan für die Kindergartenstufe sieht heute die Förderung von Mundart und Hochdeutsch vor. Auf diese Weise komme der Kindergarten den unterschiedlichen Lernbedürfnissen aller Kinder entgegen, heisst es. Mit dem Eintritt in die Primarstufe wird dann Hochdeutsch zur allgemeinen Unterrichtssprache. (tif/sda)

Erstellt: 06.12.2010, 14:28 Uhr

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