Stadiongegner: «Der Stadtrat lügt»

Fabienne Vocat und Gian von Planta appellieren an ihre Ratskollegen: Ein Nein zum Stadion bedeute nicht das Aus für Wohnungen.

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Ohne Stadion keine Wohnsiedlung. So lautet die Botschaft des Stadtrats an die Stimmberechtigten. Es brauche am 22. September zweimal ein Ja, andernfalls hätte Zürich in absehbarer Zukunft weder ein echtes Fussballstadion, noch könnten daneben die in Aussicht gestellten günstigen Wohnungen für 500 Personen errichtet werden.

In einem Interview mit dem TA sagte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP): «Die beiden Fragen sind klar aneinandergekoppelt.» Scheitert das Projekt an der Urne, würde Zürich eine «Riesenchance» verpassen, so der Stadtrat.

Stadiongegner werfen dem Stadtrat schon lange vor, dass er es mit den Fakten nicht so genau nehme. Jetzt doppeln die Parlamentarier Fabienne Vocat (Grüne) und Gian von Planta (GLP) in einem offenen Brief an die Ratskollegen nach: «Das Land auf dem Hardturmareal geht bei einem Nein zum Stadionkredit nicht automatisch zurück an die CS.»

Die Bank habe lediglich ein Rückkaufsrecht auf zwei der drei Areale. Unter folgender Bedingung: «Wenn a) die Stadt bis ins Jahr 2035 kein Sportstadion auf dem Areal errichtet und dies b) der CS schriftlich mitteilt.» Folglich habe der Stadtrat noch über 20 Jahre Zeit, um irgendein Stadion auf dem Areal zu bauen. Die Befürworter würden eine «diffuse Drohkulisse» aufbauen, heisst es im Schreiben.

Imageschaden für die Bank?

Gegenüber dem TA findet Fabienne Vocat noch deutlichere Worte: «Der Stadtrat lügt, wenn er behauptet, man könne bei einem Nein zum Stadion niemals Wohnungen auf dem Hardturmareal bauen.» Richtig sei, dass man genau dieses Projekt nicht bauen könnte. Auf einem Teil des Areals, das schon lange im Besitz der Stadt sei, könne man aber durchaus ein neues Projekt planen. «Völlig unabhängig davon, ob die CS von ihrem Rückkaufrecht Gebrauch macht.»

«Das Land auf dem Hardturmareal geht bei einem Nein zum Stadion nicht automatisch zurück an die CS», sagen Fabienne Vocat und Gian von Planta.

Zu behaupten, dass die CS bei einem Nein auf dem Areal eine maximale Rendite anstreben werde, sei «reine Spekulation», sagt Fabienne Vocat. «Der Imageschaden für die Bank wäre gross.»

Vocat kann sich etwa vorstellen, dass die CS das Land im Baurecht an eine Genossenschaft abgeben wird. Letztlich sei es eine Frage des politischen Willens, eine gute Lösung für das Areal zu finden. Vocat: «Dass der Stadtrat dies verschweigt, ist eine Verarschung der Stimmbevölkerung.»

Erstellt: 09.09.2013, 09:34 Uhr

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