Neuer Tunnel mitten in Zürich

Ein bis zu vier Spuren breiter Autotunnel und das Rosengartentram sollen den Stadtverkehr flüssiger machen. Stadt und Kanton wollen dafür rund 900 Millionen Franken investieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem Willen des Regierungsrates des Kantons Zürich und des Stadtrates von Zürich soll die Rosengartenstrasse ab 2032 eine neue Funktion erhalten. Auf der Rosengartenstrasse wird das Rosengartentram Zürich-Nord und Zürich-West und damit das Glatt- und das Limmattal vernetzen.

Der motorisierte Individualverkehr (MIV) wird durch einen grösstenteils vierspurigen Tunnel fliessen. Der Tunnel soll zwischen Irchel und Wipkingerplatz die Rosengartenstrasse vom grössten Teil des heutigen Strassenverkehrs entlasten. Zwischen dem Anschluss beim Bucheggplatz und dem Wipkingerplatz wird der Tunnel vierspurig geführt. Auf der Rosengartenstrasse wird eine neue Tramlinie eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof Hardbrücke und der Haltestelle Milchbuck schaffen.

Die Realisierung des Projektes soll bis 2032 abgeschlossen sein und insgesamt rund 860 Millionen Franken kosten. Möglich sind Mehrkosten von bis zu 30 Prozent. Den grössten Teil übernimmt dabei der Kanton. Aus dem kantonalen Strassenfonds sollen 625 Millionen Franken eingeschossen werden, aus dem kantonalen Verkehrsfonds 220 Millionen Franken für das Tram. 15 Millionen übernimmt die Stadt für Aufwertungsarbeiten. Weil verschiedene Hürden, wie beispielsweise ein Kantonsratsbeschluss oder eine mögliche Volksabstimmung oder rechtliche Einsprachen, noch genommen werden müssen, sei ein Baubeginn nicht vor 2024 realistisch.

Die Regierungsräte Ernst Stocker und Markus Kägi sowie die Stadträte Ruth Genner und Andres Türler haben an der heutigen Medienkonferenz eine Vereinbarung zur gemeinsamen Planung des Projekts unterzeichnet.

«Lösung, die Quartier entlastet»

Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) sagte an der heutigen Medienkonferenz, dass eine Lösung gefunden werden musste, die einerseits den MIV und dem öffentlichen Verkehr Rechnung trägt. Dies müsse langfristig bei beidem auf einen Ausbau oder eine Erhaltung der Kapazitäten hinzielen.

Ein doppelröhriger Tunnel mit Anschlüssen beim Irchel, Bucheggplatz und Wipkingerplatz mit auf Teilstücken insgesamt vier Spuren soll die Kapazität des MIV auf gleichem Niveau halten. Das Tram soll über die Rosengartenstrasse geführt werden. So kann die Rosengarten- und Bucheggstrasse massiv entlastet werden.

Andres Türler sagte, wer heute von Zürich-Nord nach Zürich-West kommen wolle, müsse das Auto benützen. Mit der neuen Tramtangente könne dieses Loch gestopft werden. Gleiches gelte für das Limmattal und das Glattal. Der Stadtrat sei überzeugt, dass man das Rosengartentram brauche, welches das Stadtzentrum entlaste.

Belastete Strasse

Stadträtin Ruth Genner erklärte, dass es sich Zürich nicht leisten könne, dass ein so zentrales Gebiet in der Stadt derart belastet sei durch Verkehr. Mit der heutigen Lösung könne der Auto- und Lastwagenverkehr auf einem langen Stück durch einen Tunnel geführt werden und die Rosengartenstrasse werde zu einer Quartierstrasse. Dies habe positive Auswirkungen auf den Lärm. Einzig bei den Einfahrten zum Tunnel gebe es nach wie vor belastete Gebiete.

Die Stadt habe die Verpflichtung die Bewohner der Rosengartenstrasse vor Emissionen zu schützen. Dies sei mit dem vorgestellten Projekt möglich. Die Zunahme des Verkehrs solle ökologisch aufgefangen werden. Man schlage zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit dem Tram könne ein Teil des gesteigerten Mobilitätsbedürfnisses aufgefangen werden. Ebenso werde dem MIV Rechnung getragen.

Genner sagte klar, dass Tram und Tunnel nur miteinander funktionieren. Ein Bau nur von einem von beidem komme nicht infrage. Künftig sollen im Quartier nur noch 3000 Fahrten täglich stattfinden. Das Quartier soll so aufgewertet werden. Das Gebiet rund um die Rosengartenstrasse könne sich neu entfalten. Mit der Umleitung des MIV über den Tunnel entspreche man auch den Zielen der Städteinitiative, da kein zusätzlicher Ausbau des MIV angestrebt werde.

Regierungsrat Markus Kägi erklärte, dass die grossen Herausforderungen darin liegen, dass auf engsten Raum gebaut werden muss. So muss einerseits der Verkehr an der Baustelle vorbeigeleitet werden. Andererseits müsse Rücksicht auf die anliegenden Bauten genommen werden. Der lange Schlenker, den der Autotunnel nehmen muss, liege vor allem an der Steigung im betroffenen Gebiet. Im Tunnel solle diese nicht mehr als fünf Prozent betragen.

Vier Jahrzehnte provisorisch

Es ist bis anhin eines der grössten ungelösten Verkehrsprobleme der Stadt Zürich: Die Geschichte der Rosengartenstrasse ist geprägt von politischen Querelen und ungelösten Forderungen. Zahlreiche Studien zur Entlastung der Strasse sind seit ihrer Eröffnung als Provisorium erstellt und wieder verworfen worden.

So kämpfte die IG Westtangente bereits seit über zehn Jahren für eine Verbesserung der Situation für das Quartier, das seit 40 Jahren unter den Emissionen der stark befahrenen Verkehrsachse leidet. Im Dezember 2012 reichte sie gemeinsam mit acht Organisationen und Parteien aus dem Kreis 10 eine Petition für Fussgängerstreifen am Rosengarten ein, um Druck auf den Kanton auszuüben, der sich gegen ein solches Projekt wehrte – dies obschon der Zürcher Gemeinderat im Juli 2010 ursprünglich einen Projektierungskredit für zwei Fussgängerstreifen mit Lichtsignalanlagen auf der Transitachse bewilligte.

Langer Streit um Waidhaldetunnel

Seit Jahren gärte bereits der politische Streit um den Bau eines Tunnels zur Entlastung der Rosengartenstrasse. Während sich das Zürcher Stadtparlament bisher gegen das teure Waidhaldetunnel-Projekt wehrte, hatte der Kantonsrat im August eine entsprechende Motion überwiesen und forderte gleichzeitig ein Ende des Provisoriums Rosengartenstrasse. Mit der heutigen Lösung ist der Tunnel nun wieder aktuell.

Eine Schlappe erlitt ursprünglich auch das zweite heute vorgestellte Teilprojekt: Im November 2010 hat das Zürcher Stimmvolk zwei Vorlagen für den Bau eines Rosengarten-Trams wuchtig abgelehnt. Stadtrat Türler hatte das Projekt, das eine Tramlinie über die Rosengartenstrasse und die Hardbrücke vorsah, daraufhin in seiner Planung auf die lange Bank geschoben, aber nie ganz begraben. Nun soll nach dem Willen von Stadt und Kanton auch dieses realisiert werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.10.2013, 10:31 Uhr

Umfrage

Was halten Sie vom Projekt für die Rosengartenstrasse?

Sinnvoll

 
71.6%

Zu gross geraten

 
11.4%

Unnötig

 
17.0%

1897 Stimmen


Die Fakten zum Projekt

Länge Autotunnel:
von Irchel bis Wipkingerplatz insgesamt ca. 2.3 km, davon ca. 0.9 km zweistreifig im Gegenverkehr und ca. 1.4 km mit zwei Röhren à zwei Fahrstreifen im Richtungsverkehr; Anschluss am Bucheggplatz und am Wipkingerplatz

Länge neue Tramlinie:
insgesamt ca. 3.2 km, davon ca. 2.7 km zwischen Milchbuck und Bahnhof Hardbrücke und ca. 0.5 km zwischen Hardplatz und Albisriederplatz; Ausbau der Umsteigehaltestellen Milchbuck und Bucheggplatz

Verkehrskapazität Tunnel:
56‘000 Fahrzeuge/Tag (gleich wie Rosengartenstrasse heute)

Kosten:
Strassentunnel: ca. 560 Millionen (Kanton, Strassenfonds)

Strassenprojekt: ca. 65 Millionen (Kanton, Strassenfonds)

Rosengartentram: ca. 220 Millionen (Kanton, Verkehrsfonds)

Plätze und Aufwertungen: ca. 15 Millionen (Stadt)

Total: 860 Millionen (allerdings rechnen Stadt und Kanton mit +/- 30 Prozent Ungenauigkeit)

Zeitplan:


  • ab Herbst 2013 bis Frühling 2016: Projektierung

  • Sommer 2016: Mitwirkung Behörden und Bevölkerung von Stadt und Kanton

  • Sommer 2017: Antrag an den Kantonsrat

  • 2018/2019: evtl. kantonale Volksabstimmung

  • 2019-2023: Rechtsmittelverfahren nach StrG

  • Bauzeit: Tunnel: 7 Jahre

  • Tram und Neugestaltung Rosengartenstrasse/ Bucheggplatz, Milchbuck(anschliessend nach

(ep)

Artikel zum Thema

Im Bikini an der Rosengartenstrasse

Bei einer Demo wurde ein Teil der Rosengartenstrasse in ein «Ferienparadies» verwandelt. Damit warben Umweltaktivisten für die Städteinitiative, die mehr öffentlichen Verkehr fordert. Mehr...

Stockers Verkehrsamt lehnt Genners Zebrastreifen über die Rosengartenstrasse ab

Exklusiv Wieder Streit zwischen dem Kanton und der Stadt Zürich: Diese will zwei Fussgängerstreifen über die Rosengartenstrasse einrichten, das kantonale Amt für Verkehr blockt ab. Trotzdem plant die Stadt weiter. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...