Sterben wie im Paradies

Ein Zürcher Fotograf hat für die Gesellschaft für Palliative Care eine Doku gedreht. Sie geht der Frage nach, wo man auf der Welt würdevoll ableben kann.

Sterben ist im Hospiz im indischen Varanasi öffentlich und ehrenvoll. Deshalb durfte Fabian Biasio sich beim Filmen filmen.

Sterben ist im Hospiz im indischen Varanasi öffentlich und ehrenvoll. Deshalb durfte Fabian Biasio sich beim Filmen filmen. Bild: Fabian Biasio

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Der 19. Juli 2015 war ein heisser Tag. Für Fabian Biasio war er traurig: Sein Vater verstarb an diesem Tag. In einem Spital in Zürich. Mit Blick auf einen Parkplatz.

Fabian Biasio sagt: «Ich hätte ihm einen würdevolleren Tod gewünscht.»

Silvio Biasio hatte Prostatakrebs. Nach sieben Jahren in Guadeloupe kam er zum Sterben im Mai des Jahres 2015 zurück in die Heimat. Im Unispital Zürich wurde er bis zu seinem Tod ganzheitlich umsorgt. Nach zwei Wochen war er aber nicht mehr akut spitalbedürftig. Fabian Biasio und die Angehörigen mussten einen Platz in einem Sterbehospiz suchen.

Solche Fälle können Spitäler teuer zu stehen bekommen. Das Inselspital rechnet mit 5000 Franken Defizit pro Fall. Doch Biasio war nicht mehr transportierbar. Er kam in das Zimmer mit Sicht auf den Parkplatz. Das machte seinen Sohn noch trauriger.

Fabian Biasio fragt: «Warum ist es in einem Land wie der Schweiz nicht möglich, ohne Zeitdruck und Geldsorgen an einem schönen Ort zu sterben?»

Unheilbar kranken Menschen die letzten Jahre so angenehm wie möglich zu machen, das ist das Ziel von Palliative Care. Dieser Begriff umfasst alle Massnahmen, die dem Patienten oder der Patientin eine optimale Lebensqualität bis zum Tod ermöglichen – nebst der medizinischen auch psychische, soziale oder spirituelle Unterstützung. Zentral ist, dass es dabei auch den Angehörigen gut geht. Palliative CH, die Schweizerische Gesellschaft für palliative Medizin, Pflege und Betreuung, vernetzt die einzelnen Bereiche.

Trailer zu Fabian Biasios Film Sub Jayega. (Film: PD)

Zum 30-Jahr-Jubiläum wollte die Gesellschaft einen 20-minütigen Dokfilm realisieren. Fabian Biasio erhielt Anfang Jahr den Auftrag. Der Zürcher Fotograf und Filmer, der in Luzern wohnt, schien Monika Obrist der richtige Mann dafür zu sein. Die Präsidentin der Gesellschaft kannte die Geschichte seines Vaters. Sie schätzt die Art des Reporters, Dinge durch die Kameralinse zu sehen. Zudem hatte er nach dem Tod seines Vaters eine multimediale Karte entwickelt, auf der sich Betroffene niederschwellig über Palliative-Care-Angebote informieren können. Obrist liess Biasio freie Hand. Im November will sie den Film am Schweizer Kongress für Palliativmedizin zeigen.

Fabian Biasio überlegt: «Wo lässt es sich besser sterben als in der Schweiz?»

Die Filmidee entwickelt Fabian Biasio gemeinsam mit «10 vor 10»-Redaktor Stephan Rathgeb. Im Frühjahr reist der Fotograf mit drei Kameras im Gepäck an den Palliative-Care-Weltkongress in Bern. Er filmt die Forscher. Er filmt sich, wie er die Forscher filmt und interviewt.

Fabian Biasio fragt: «Wo befindet sich das Palliative-Care-Paradies?»

«Australien» fällt oft als Antwort, weil dort die öffentliche Hand ein Drittel der Kosten für Palliativmedizin deckt. Der Filmer hört von einem innovativen Projekt im indischen Kerala. Er erzählt Monika Obrist von der Idee: Beiträge aus drei Kontinenten, je zehn Minuten lang. Obrist gefällt der Ansatz. Biasio nimmt sich im Juli drei Wochen Zeit und fliegt nach Australien und Indien.

Zurück kommt er mit Stunden an gutem Filmmaterial. «Reisetagebuch» nennt er es. Im August macht er den Rohschnitt. 82 Minuten bleiben. Die Dramaturgie trägt. Raum zum Kürzen ortet der Filmer kaum.

Wieder telefoniert er mit Obrist. Sie sieht in Biasio den Autor, dessen Intuition sie vertrauen will. Nach der Filmsichtung ist sie berührt und schwärmt von der Tiefe und dem Informationsgehalt. Obrist entscheidet, «Sub Jayega – Die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies» an einem Abend im Kino Kosmos zu zeigen.

Für Fabian Biasio bedeutet das nochmals Arbeit: Vertonung in einem professionellen Tonstudio. Und Monika Obrist hofft, dass Kinos den Film ins Programm aufnehmen, damit möglichst viele Leute wissen, wie Palliative Care anderswo gelebt wird.

Fabian Biasio sagt: «Ich habe gelernt, dass der Tod auch schön sein kann.»

___

Sub Jayega, Film von Fabian Biasio und Stephan Rathgeb: Sa, 26. Jan und So, 27. Jan., 11.15 Uhr. Kosmos, Zürich.

Erstellt: 12.12.2018, 14:51 Uhr

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