Steuersünder plagt das Gewissen

2014 haben sich so viele Steuerzahler selbst angezeigt wie nie zuvor. Der Streit um versteckte ausländische Vermögen hat auch Steuerpflichtige im Kanton Zürich alarmiert.

Über eine Milliarde Franken nicht deklariert: So hoch ist der gesamte Betrag des nachträglich in Zürich deklarierten Vermögens. Foto: Patrick Gutenberg

Über eine Milliarde Franken nicht deklariert: So hoch ist der gesamte Betrag des nachträglich in Zürich deklarierten Vermögens. Foto: Patrick Gutenberg

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Die Selbstanzeigen unredlicher Steuerzahler erreichten im vergangenen Jahr einen neuen Rekordstand. Das kantonale Steueramt nahm 1500 Selbstanzeigen entgegen, die neu deklarierten Vermögen summieren sich auf über 1 Milliarde Franken. In den Vorjahren waren noch zwischen 530 bis 660 Millionen Franken erstmals deklariert worden. Die Selbstanzeiger hatten jahrelang Bankkonten im In- und Ausland, Gold, Kunstgegenstände, Liegenschaften, Gewinnausschüttungen und Erbschaften vor dem Fiskus versteckt. Es gab aber auch Erben, die im Schrebergartenhäuschen oder auf dem Estrich Bargeld fanden, das ihre Eltern nicht deklariert hatten.

Gemäss der Chefin des kantonalen Steueramtes, Marina Züger, hängt die Zunahme der Selbstanzeigen mit der intensiven Diskussion um unversteuerte Vermögen zusammen, die Ausländer auf Schweizer Banken versteckt haben. «In der Gesetzesdiskussion um die Sorgfaltspflicht der Banken ist noch offen, ob diese auch Inländer fragen müssen, ob sie ihr Vermögen versteuern», sagt Züger. Und im Hinblick auf den automatischen Informationsaustausch sei noch unklar, ob die Schweizer Steuerbehörden Angaben ausländischer Banken über Guthaben von Schweizern verwenden dürften.

Nachzahlen für zehn Jahre

Zur grösseren Steuerehrlichkeit beigetragen hat laut Züger auch die 2010 eingeführte Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige. Steuerpflichtige können seither einmal im Leben eine Selbstanzeige machen. Für das zuvor nicht deklarierte Einkommen und Vermögen müssen sie dann Nachsteuern für maximal zehn Jahre bezahlen, erhalten aber keine Busse. Die 1400 Fälle, die das Steueramt 2014 abschliessend bearbeitet hat, brachten Kanton und Gemeinden 73 Millionen Franken an zusätzlichen Einnahmen. 15 Steuerpflichtige leisteten Nachzahlungen von je 1 Million Franken oder mehr.

Neben zahlreichen Vermögen deklarierten viele Selbstanzeiger auch Einnahmen, die sie dem Fiskus zuvor verschwiegen hatten. Bei den kumulierten 203 Millionen Franken, die sie für die letzten zehn Jahre versteuern müssen, handelt es sich laut der kantonalen Finanzdirektion ebenfalls um einen Höchstwert. 2013 wurden lediglich Einnahmen von 87 Millionen Franken nachdeklariert.

Erstellt: 06.01.2015, 21:11 Uhr

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