Street-Parade-Bilanz: Weniger Verletzte – aber mehr Betrunkene

Die Veranstalter der Street Parade können Aufatmen: Die grösste Technoparty der Schweiz ging ohne gravierende Zwischenfälle über die Bühne - trotzdem sind die Bilanzen durchzogen.

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Ein Damoklesschwert schwebte über der diesjährigen Street Parade: Wenn die Veranstaltung wieder nur als grossangelegtes Saufgelage Schlagzeilen macht, könnte sie nächstes Jahr nicht mehr bewilligt werden, hiess es seitens der Zürcher Stadtregierung. Wie also ist die Bilanz am Tag nach der schrillsten Party der Schweiz?

Jonas Grunder, Präventionsverantwortlicher von Euro 26, beriet zusammen mit 80 Streetworkern das Partyvolk zum vernünftigen Umgang mit Alkohol. Sie zählten bis am Samstagabend um 22 Uhr lediglich 8 Rauschtrinker. Zur gleichen Zeit in der Notunterkunft Hohe Promenade bilanzierte der Anlasschef Claudius Mehr: «Die Anzahl an alkoholisierten Patienten, die wir behandeln, liegt im vergleichbarem Rahmen wie letztes Jahr.»

«Erfreulich, aber auf hohem Niveau»

Insgesamt behandelte Schutz und Rettung 155 Personen wegen übermässigen Alkohol- und Drogenkonsums, 47 mehr als im Vorjahr. Trotzdem kommt Erich Maag, Mediensprecher von Schutz und Rettung zu einem positiven Fazit, denn insgesamt herrschte in den Sanitätsposten und Notunterkünften weniger betrieb. Der Rettungsdienst behandelte bis heute Sonntagmorgen 641 Patienten mit gesundheitlichen Problemen (Vorjahr: 900), 64 davon mussten ins Spital überwiesen werden (Vorjahr: 135).

«Diese Zahlen sind zwar erfreulich, aber noch immer auf hohem Niveau», sagt Schutz und Rettung-Sprecher Maag. Vergleicht man diese Zahlen etwa mit jenen der Euro 08, zeigt sich, dass Techno noch mehr zum Alkoholkonsum animiert als Fussball. An der EM behandelte Schutz und Rettung innert drei Wochen nur ein Drittel mehr Patienten als an der gestrigen Street Parade. Erfreulich ist jedoch die subjektive Einschätzung der Sanitäter auf den Posten, dass die Stimmung insgesamt weniger aggressiv war als vor einem Jahr.

Tendenz positiv

Für Esther Maurer, Polizeivorsteherin der Stadt Zürich, hat die Street Parade die Trendwende geschafft, wie sie am Samstag gegenüber dem Schweizer Fernsehen sagte. Auch die Stadtpolizei kann «positive Tendenzen» ausmachen, wie deren Sprecherin Judith Hödl gegenüber tagesanzeiger.ch sagte. Dadurch, dass die Dancefloors ums Seebecken und im Hauptbahnhof um Mitternacht die Stecker zogen, seien die Lärmklagen in der Innenstadt zurückgegangen. Die Mitarbeiter der Stadtpolizei hatte indes nicht weniger Arbeit gehabt und nahmen 28 Personen fest. «Erfreulich ist aber, dass wir anders als vergangenes Jahr keinen wirklich gravierenden Fall zu beklagen haben», so Hödl.

Trotz der durchzogenen Bilanzen zur Streetparade bleiben die Chancen für eine Street Parade 2009 intakt. Die Berichterstattung an Schweizer Fernsehen und in der Sonntagspresse stellte den Veranstaltern ein positives Zeugnis aus. Der Tenor der Medien beurteilt den diesjährigen Technoanlass nicht als ausuferndes Saufgelage, sondern als farbige, friedliche Party.

Erstellt: 11.08.2008, 12:23 Uhr

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