Streik am HB, da Kot und Urin auf Arbeiter tropfen

Der Streit um Plumpsklos der alten SBB-Wagen spitzt sich zu. 30 Arbeiter streiken wegen «entwürdigender Arbeitsbedingungen».

Streiken gegen Fäkalien am Arbeitsplatz: Bauarbeiter im HB Zürich.

Streiken gegen Fäkalien am Arbeitsplatz: Bauarbeiter im HB Zürich. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heute streiken erneut rund 30 Bauarbeiter am Hauptbahnhof Zürich. Bereits gestern Mittag hat die Gewerkschaft Unia Arbeiter abgezogen, die unter dem Hauptbahnhof am Betonieren der neuen Passage Gessnerallee sind. Auf den Gleisen 11 bis 14, direkt über der Baustelle, verkehren gemäss den SBB täglich 20 Züge, die noch immer mit alten, nicht geschlossenen WC-Anlagen ausgerüstet sind (TA vom 13. 10.). Unia und SBB bezichtigen sich gegenseitig des Wortbruchs.

Die am neuen unterirdischen Durchgangsbahnhof beteiligten Bauunternehmen zogen vor einem Monat Plexiglasabdeckungen ein, um ihre Arbeiter vor Kot und Urin zu schützen. Zwischen Abdeckung und Schiene muss jedoch ein Spalt für die Radkränze offen bleiben. Gemäss den SBB werden nun 95 Prozent der tropfenden Flüssigkeit zurückgehalten. Für die Gewerkschaft sind das nach wie vor «entwürdigende und unhygienische Arbeitsverhältnisse». Die SBB kündigten deshalb letzten Mittwoch nach einem ersten Arbeitsunterbruch an, die Toiletten bei der Einfahrt in den HB zu schliessen, um die Arbeiter vor diesen «Unannehmlichkeiten» zu schützen.

Die SBB und die Unia hätten sich morgen Mittwoch zu einer weiteren Aussprache treffen sollen. Nun hat die Unia vorzeitig reagiert, da die SBB die Abmachung nicht einhielten. Die 30 Bauarbeiter würden frühestens am Mittwoch zurückkehren. Mit Videofilmen beweist die Unia, dass noch immer Toiletten im Bahnhof gespült werden und längst nicht alle WCs bei der Einfahrt geschlossen sind. Ein Augenschein unter den Gleisen zeigt, dass sich tatsächlich diverse Flüssigkeiten sammeln. «Auch Baumaschinen und Arbeitsgeräte, die mit den Händen bedient werden, sind mit ekligen Säften verunreinigt», sagt der Zürcher Unia-Leiter Roman Burger.

1300 Wagen mit Plumpsklo

Die SBB verurteilen in einem Communiqué, dass sich die Unia nicht an die Abmachungen halte und auf den Perrons Flugblätter mit dem Aufruf «Uns stinkts!» verteilt habe. Ab heute Dienstag würden jeweils die Toiletten der ersten drei Wagen vor der Einfahrt geschlossen. Jedoch könnten die Bahnwagen weiterhin heruntertröpfelndes Regenwasser mit sich führen. Der Unia ist diese Medienmitteilung «zu wenig konkret». Sie fordert eine schriftliche Vereinbarung für eine 100-prozentig sichere Lösung sowie Konsequenzen bei Verstössen.

Bei den SBB haben noch 42 Prozent der Züge oder rund 1300 Wagen offene Toiletten. Auf der Strecke Mattstetten–Rothrist sind Plumpsklos nicht mehr erlaubt. Plumpsklos hat etwa noch die erste Generation der Zürcher S-Bahn-Wagen. Diese werden bis 2017 umgerüstet, bis 2019 sollen gemäss den SBB sämtliche Plumpsklos verschwunden sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.10.2011, 11:31 Uhr

Artikel zum Thema

SBB haben Fäkalien-Problem nicht in den Griff bekommen

Bauarbeiter im HB gingen auf die Barrikaden, weil aus den Plumpsklos der Züge Urin und Kot auf die Baustelle tropften. Jetzt hat die Unia die Arbeiter abgezogen. Die SBB kritisieren die Massnahme scharf. Mehr...

Bauarbeiter am HB wehren sich gegen Urin und Kot

Weil es aus den Plumpsklos der alten SBB-Wagen direkt in die Baustelle unter den Gleisen tropft, zog die Unia gestern 25 Arbeiter ab. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...