Stromtarife stossen selbst bei den EW auf Kritik

Schweizweit schlagen die Stromtarife auf. Während einige Gemeinden nur die Pflichtabgaben verrechnen, fügen andere noch weitere hinzu.

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Trotz der Liberalisierung des Marktes steigen die Strompreise in der Schweiz auf den 1. Januar 2009 massiv an. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), die einen grossen Teil der Haushalte und Firmen im Zürcher Oberland versorgen, erhöhen die Tarife im Schnitt um 10,8 Prozent. Auch die Elektrizitätswerke der Gemeinden mit eigener Stromversorgung schlagen auf. Nicht alle von ihnen können die Preiserhöhung aber rein mit den übergeordneten Abgaben rechtfertigen.

Als übergeordnete Abgaben gelten einerseits die 0,9 Rappen pro Kilowattstunde für Dienstleistungen, die von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid erbracht werden. Mit diesem Geld sorgt die Gesellschaft dafür, dass das Netz funktioniert. Andererseits sind damit die 0,45 Rappen pro Kilowattstunde gemeint, die der Bund für die Förderung von erneuerbarer Energie einzieht. Um diese total 1,35 Rappen pro Kilowattstunde schlagen alle Elektrizitätswerke auf und kommen so auf eine durchschnittliche Erhöhung von knapp über 10 Prozent.

Geld für Energiestadt-Projekte

In Lindau aber machen die Erhöhungen von oben herab bloss etwa die Hälfte des totalen Preisaufschlags von 3 bis 4 Rappen pro Kilowattstunde aus. Für den Rest macht der Gemeinderat «gemeindeinterne Gegebenheiten» verantwortlich. Denn das Elektrizitätswerk Lindau verfügte jahrelang über ein hohes Eigenkapital. Weil dieses laut dem Gemeinderat ein vernünftiges Mass überstieg, wurde es dem Kunden im Tarif angerechnet. Das heisst, die Lindauer zahlten ihren Strom seit 2003 nicht kostendeckend. Das daraus folgende Minus in der Betriebsrechnung wurde mit besagtem Eigenkapital finanziert. Damit soll jetzt Schluss sein, der Kunde muss seinen Strom wieder voll bezahlen.

In Fällanden fliessen mit den neuen Energie- und Netznutzungspreisen, die ab dem 1.Oktober gelten, jährlich maximal 50'000 Franken aus den Einnahmen des Elektrizitätswerks in Energiestadt-Projekte. Der Betrag stammt aus den Konzessionsabgaben, die das örtliche Elektrizitätswerk freiwillig an die politische Gemeinde leistet. Zusätzlich zu diesen Konzessionsabgaben zahlt der Kunde ab dem 1. Januar 2009 die beiden neuen Abgaben für die nationale Netzgesellschaft Swissgrid und für die Einspeisung von erneuerbarer Energie. Konkrete Energiestadt-Projekte, die über den Stromtarif finanziert werden, sind laut Gemeindeschreiber Andreas Strahm aber noch keine beschlossen.

Der Gemeinderat Rüti, der am Montag über die Preiserhöhung des örtlichen Elektrizitätswerks informiert hat, betont derweilen, dass das neue Preismodell nicht mit dem bisherigen verglichen werden könne, weil es völlig anders strukturiert sei. Eine Modellrechnung der Preise für Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft ergibt, dass in Rüti im Hoch- und Niedertarif mit einer Preissteigerung von rund 16 Prozent gerechnet werden muss. Dies unter anderem, weil ein bisheriger Rabatt bereits ab dem 1. Oktober nicht mehr vollständig gewährt werden kann.

Abgaben an Swissgrid zu hoch

Die Elektrizitätswerke, die nur die vom Bund und von Swissgrid verordneten 1,35 Rappen pro Kilowattstunde aufschlagen, sind nicht glücklich über die Tariferhöhung. «Als EW haben wir nicht mehr im Portemonnaie, da wir diese Abgaben weiterleiten müssen», sagt beispielsweise Albert Honegger, Geschäftsleiter des Elektrizitätswerks Wald. «Uns wird aber der schwarze Peter zugeschoben, da der Kunde das Gefühl hat, wir erhöhen unsere Preise.» Die Liberalisierung sei im Fall von Wald kostenneutral, betont er. Zwar müssten Haushalte und Kleingewerbe nach der neuen Berechnungsart leicht mehr für den Strom bezahlen, dafür werde es für Gewerbe und Industrie leicht günstiger. Unter dem Strich sehe die Rechnung für das EW gleich aus wie bisher. Und dies trotz erheblichem Mehraufwand, welchen die Strommarktliberalisierung mit sich bringe, wie Honegger betont. Die Empörung der Kunden kann er aber nachvollziehen. «Ich selber bin auch erschrocken, als die Zahlen publiziert worden sind», gibt er zu. «Mich dünken die Abgaben etwas hoch.» Ende 2009 werde Swissgrid wohl anhand seiner Rechnung zeigen müssen, ob die 0,9 Rappen pro Kilowattstunde für Systemdienstleistungen gerechtfertigt seien.

Ähnlich tönt es bei Franz Portmann, Präsident der Elektrizitätsgenossenschaft Bubikon. Diese wird ehrenamtlich geführt und kann deutlich tiefere Stromtarife anbieten als die umliegenden Elektrizitätswerke der Gemeinden und des Kantons. Prozentual umso stärker spüren die Bubiker nun den von oben verordneten Aufschlag. «Das schenkt ein», weiss Portmann. Ihm selber erscheinen die zusätzlichen Abgaben sehr hoch. «Nachvollziehen können wir höchstens die Hälfte der 0,9 Rappen pro Kilowattstunde, die an die Swissgrid gehen», sagt er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2008, 22:02 Uhr

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