Superradar überfordert die Polizei

Die zahlreichen Fähigkeiten des gefürchteten Radars führen die Polizei an ihre personellen Grenzen. Faktisch kann das Gerät darum nicht viel mehr als die herkömmlichen Blechpolizisten.

Bisher erst in Genf richtig in Betrieb: Der Traffistar hier als Testobjekt in Uster.

Bisher erst in Genf richtig in Betrieb: Der Traffistar hier als Testobjekt in Uster. Bild: Renato Bagatini

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Ueli Zoelly, Chef der Verkehrspolizei der Kapo Zürich, entzaubert den Superradar: «Der Einsatz des Geräts ist mit einem komplizierten Verarbeitungsprozess verbunden.» Den Radar, der zahlreiche Übertretungen gleichzeitig feststellen könne, werde es nicht geben. Die Datenerfassung durch das Polizeipersonal sei zu komplex und aufwendig. Der Radar registriert derart viele Verkehrsdelikte, dass deren Aufarbeitung vom bestehenden Polizeipersonal nicht bewältigt werden kann. Auch Stefan Guggisberg, Geschäftsführer der Herstellerfirma Multanova, räumt ein: «Die vom Radar produzierten Fälle müssen von der Polizei abgearbeitet werden. Dafür fehlt oft das Personal.»

Nach Genf und dem Tessin, die im Besitz je eines Geräts sind, hat der Kanton Zürich mehrere Trafficstar SR 590 bestellt. Theoretisch kann er zahlreiche übertretungsanfällige Punkte ins Visier nehmen: das Stoppsignal, den Abstand zwischen zwei Fahrzeugen, die Velospur, die Sicherheitslinie, Abbiegeverbote, Fussgängervortritt auf Zebrastreifen, Einbahnstrassen und sämtliche Überholmanöver. Doch in der Praxis ist alles etwas komplizierter.

Noch keine Bewilligung für Abstandmessungen

Neben der Datenflut, die für die Polizei nicht zu bewältigen ist, gibt es kaum Orte, wo alle Übertretungen von einem einzelnen Gerät aus gleichzeitig registriert werden können. Der Radar ist, wenn schon, als mobiles Gerät für die Polizei interessant. «Der Traffistar ist sicher eine gute Sache», erklärt Ueli Zoelly, «er muss aber ganz gezielt eingesetzt werden.» Als fixer Radar macht er also nur bedingt Sinn.

Dazu kommt, dass das Bundesamt für Metrologie das Gerät bisher nur für den Einsatz bei Rotlicht- und Geschwindigkeitsübertretungen zugelassen hat. Für Abstandmessungen hat es noch keine Bewilligung. Laut Guggisberg besteht für diese Funktion aber auch noch «kein Riesenbedarf». Der Radar kann – wie vom Bund vorgeschrieben – über eine Strecke von 500 Meter den Abstand zwischen zwei Fahrzeugen berechnen. Die Strecke muss aber überschaubar sein, was nicht auf sehr viele Bereiche auf Schweizer Strassen zutrifft.

Bis Ende Jahr rechnet Guggisberg mit 15 verkauften Geräten. Für 2011 prognostiziert er gar 100 Bestellungen. Das hat für ihn einen simplen Grund: «Wenn eine Verwaltung heute etwas beschaffen will, hatte sie dies im letzten Jahr schon budgetieren müssen.»

Erstellt: 12.10.2010, 15:59 Uhr

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