Tägliches Verkehrstraining für die Kleinen

Die Stadt Winterthur schafft den klassischen Lotsendienst ab. Neu werden die Kinder beim Überqueren der Strasse nur beobachtet und unterstützt.

In Winterthur passé; Eine Lotsenfrau stoppt den Verkehr für die Schulkinder.

In Winterthur passé; Eine Lotsenfrau stoppt den Verkehr für die Schulkinder. Bild: Keystone

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Die Stadt Winterthur geht punkto Verkehrssicherheit für Schulkinder neue Wege. Der ehemalige Lotsendienst heisst neu Schulweghilfe und die Lotsenfrau Schulweghelferin, teilt die Stadtpolizei heute Mittwoch mit.

Die bisherigen Lotsenposten werden zwar weiterhin besetzt. Allerdings übernehmen die Schulweghelfer eine andere Rolle: Sie halten den Verkehr nicht mehr wie bisher an, sondern unterstützen und beobachten die Kinder beim Überqueren der Strasse.

Ziel sei es, dass die jüngsten Verkehrsteilnehmer mehr Selbstständigkeit erlangen, indem sie selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt die Strasse für eine Querung sicher genug ist. «Die Kinder nehmen so täglich an einem Verkehrstraining teil und können den Umgang mit dem Strassenverkehr schrittweise üben», heisst es in der Mitteilung weiter.

Schritt in die richtige Richtung

Marco Hüttenmoser, Verkehrsexperte und Mitglied des Verbands Fussverkehr Schweiz, begrüsst diese Neuerung. Grundsätzlich sei jede Bemühung gut, den Kindern mehr Selbstständigkeit im Strassenverkehr beizubringen. Die Beobachtung des Verhaltens der Kinder auf dem Schulweg durch fachlich ausgebildete Personen sei somit ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Schulweghilfe dürfe sich aber nicht nur auf den Schulbeginn und einzelne Übergänge konzentrieren, so Hüttenmoser weiter. Die Fachkräfte sollen die Situation ganzjährig und in allen Quartieren der Stadt studieren und die für die Verkehrssicherheit verantwortlichen Personen konsequent auf Schwierigkeiten und Verbesserungsmöglichkeiten auf dem Schulweg hinweisen.

Rad steht – Kind geht

Wichtig ist gemäss Hüttenmoser auch, dass die Schulweghelfer nicht nur das Verhalten der Kinder prüfen, sondern auch jenes der Motorfahrzeuglenker. Das Strassenverkehrsgesetz schreibt vor, dass vor einem Zebrastreifen anzuhalten ist, wenn Fussgänger die Strasse überqueren möchten. Autofahrer – und auch Velofahrer – können die Kinder dabei unterstützen, indem sie vor dem Fussgängerstreifen ganz anhalten und ihnen keinesfalls Zeichen geben. Kinder lernen, die Strasse erst zu betreten, wenn die Räder stillstehen. Ganz nach dem Motto: Rad steht – Kind geht.

Die Situation in der Stadt Zürich

In der Stadt Zürich gibt es keinen Lotsendienst. Die Stadtpolizei setzt punkto Verkehrssicherheit für Schulkinder auf zwei Säulen. Mit dieser Strategie sei man bisher gut gefahren, sagt Polizeisprecher Michael Wirz auf Anfrage. «Die Statistik gibt uns recht. Wir haben in den vergangenen Jahren in der 1. und 2. Klasse praktisch keine Schulwegunfälle verzeichnet.»

Einerseits wird die Selbstständigkeit der Kinder gestärkt, indem die Verkehrsinstruktoren schon auf Kindergartenstufe zweimal pro Jahr Schulungen durchführen. «So werden bereits die Kleinsten darauf vorbereitet, den Weg in den Kindergarten und die Schule selbstständig zu bewältigen», sagt Wirz. Die Verkehrsschulung werde während der ganzen Schulzeit fortgeführt und der jeweiligen Stufe angepasst.

Als zweite Massnahme nennt Wirz eine konstante Überprüfung der Infrastrukturen und der Sicherheit der Verkehrswege. Die Strassen und Signalisationen werden laufend verbessert und angepasst. Diesbezüglich weist Wirz auf den Schulwegplan hin, der online abrufbar ist und Eltern bei der Wahl des besten Schulwegs als Hilfsmittel dient. «Dort sind alle Übergänge aufgeführt und als für Schüler geeignet oder ungeeignet markiert. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2015, 14:09 Uhr

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