Täter jubelt bei Strafverschärfung

Ein 20-Jähriger schlug mit Kollegen einen behinderten Jugendlichen spitalreif. Das Obergericht verschärfte das erste Urteil, trotzdem freute sich der Mann – möglicherweise zu früh.

Verhängte eine schärfere Strafe, musste den Täter aber freilassen: Das Obergericht in Zürich.

Verhängte eine schärfere Strafe, musste den Täter aber freilassen: Das Obergericht in Zürich. Bild: Reto Oeschger

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Das sah man vor Gericht selten. Das Obergericht verschärfte die vom Bezirksgericht erstinstanzlich verhängte Strafe. Aber der heute 20-jährige Kosovare reckte die Arme in die Höhe und drehte sich strahlend zu seinen Geschwistern um, die als Zuschauer im Gerichtssaal sassen. Was war passiert? Der Gerichtspräsident hatte gerade kraft seines Amtes verfügt, dass er unverzüglich aus dem vorzeitigen Strafantritt entlassen wird. Mehr hatte der junge Mann nicht gewollt. Auf die Frage, weshalb er gegen das Urteil Berufung erklärt habe, sagte er, er wolle nach Hause. Und: Der Rest sei ihm egal.

Der Rest ist seinen Opfern wohl weniger egal. Der Kosovare war Teil einer Jugendgang, die im September 2013 im Zürcher HB eine Gruppe von Justin-Bieber-Fans provoziert und beim Bahnhof Oerlikon attackiert hatte. Ein 17-Jähriger, der gehbehindert war, wurde verprügelt und getreten. Er musste ins Spital.

Zu früh gejubelt

Zudem hatte sich der Täter als 15-Jähriger ausgegeben und über Whatsapp mit einem 13-jährigen Mädchen angebandelt, sie veranlasst, ihm Nacktbilder von sich zu schicken. Dass er sie noch zu einem Treffen drängte, trug ihm vor Obergericht eine zusätzliche Verurteilung wegen versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind ein. Dies alles hatte der Mann bestritten. Nur eine vergleichsweise kleine Verfehlung hatte er zugegeben. Er hatte einen BMW gestohlen, war damit gefahren, ohne im Besitz eines Führerausweises zu sein.

Während das Bezirksgericht von der Freiheitsstrafe von insgesamt 28 Monaten noch die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt hatte, erklärte das Obergericht die 28 Monate für vollziehbar. Beim jungen Mann mit den kindlichen Charakterzügen diagnostizierte der Psychiater eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und prognostizierte eine hohe Rückfallgefahr. Trotzdem wurde er sofort aus dem Strafvollzug entlassen. Denn inzwischen hat er mehr als zwei Drittel der Strafe abgesessen. Und Ersttätern wird in der Regel das letzte Drittel zur Bewährung ausgesetzt. Der 20-Jährige, der mit seiner Familie als Zweijähriger in die Schweiz kam, hat trotz der Entlassung wohl zu früh gejubelt. Der Mann muss nämlich – wie ein vergleichbarer Fall zeigt – mit der Ausschaffung rechnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2015, 08:05 Uhr

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