Taxi-Mord: Strafuntersuchung gegen Psychiater doch möglich

Die Staatsanwaltschaft erzielte einen Teilerfolg: Nun soll doch untersucht werden, ob der Psychiater, der den Taxi-Mörder als «nicht fremdgefährlich» einstufte, der fahrlässigen Tötung schuldig ist.

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Zum Tötungsdelikt vor einem Jahr an einem Taxifahrer in Wetzikon soll nun doch ein Strafverfahren gegen einen Psychiater eröffnet werden. Das Zürcher Obergericht stützt einen Rekurs der Staatsanwaltschaft.

Diese beantragte anfangs Jahr eine Strafuntersuchung gegen den Psychiater und fünf weitere Personen wegen fahrlässiger Tötung. Sie wollte klären, ob deren Verhalten mitschuldig war, dass am 16. September 2007 ein 53-jähriger Schweizer das Tötungsdelikt begehen konnte.

Anträge auf Strafuntersuchung im März abgewiesen

Der aktenkundige Psychischkranke hatte den Taxi-Chauffeur mit einem Messerstich in den Hals getötet. Zu jenem Zeipunkt hätte er aber gar nicht auf freiem Fuss sein dürfen. Gegen den als gefährlich eingestuften Mann hatte ein Richter einen Monat zuvor Sicherheitshaft angeordnet.

Die Anklagekammer des Obergerichts wies im März die Anträge auf Strafuntersuchung ab, weil «nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit» feststehe, dass die Tat durch ein anderes Verhalten der Involvierten hätte verhindert werden können. Dagegen rekurrierten Staatsanwalt Markus Oertle und Angehörige des getöteten Taxifahrers bei der II. Zivilkammer des Obergerichts.

Offene Fragen zu psychiatrischem Gutachten

Im Fall des Psychiaters haben diese nun recht bekommen. Gestützt auf das psychiatrische Gutachten war der Täter rund eine Woche vor der Tat aus einem fürsorgerischen Freiheitsentzug aus einer Klinik entlassen worden. Der Psychiater hatte den Mann als «nicht fremdgefährlich eingestuft».

Gemäss Rekursentscheid kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass der Psychiater den Fall nicht umfassend genug abgeklärt habe. Um dies zu klären, fordert die Rekursinstanz die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den Psychiater.

Kein Verfahren gegen Richter und Justizbeamte

Dagegen stützt der Rekursentscheid die Einstellung des Verfahrens gegen einen Meilemer Bezirksrichter, einen Ustermer Gemeindepolizisten und zwei Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Justizvollzug. Sie alle waren in den Fall involviert, hatten dabei aber laut dem Entscheid nicht pflichtwidrig gehandelt. Gegen sie sei daher keine Strafuntersuchung zu eröffnen.

Nicht zu beurteilen hatte die Rekursinstanz einen Oberrichter, der gegen den Messerstecher Sicherheitshaft angeordnet hatte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe nicht für den sofortigen Vollzug gesorgt. Der Kantonsrat lehnte im Frühjahr eine Strafuntersuchung gegen den Oberrichter ab. Ein Rekurs der Opfer- Angehörigen vor Bundesgericht ist hängig.

Die Tat hatte auch eine Überprüfung der gesamten Abläufe durch die Justizdirektion ausgelöst. Diese kam im Juni zum Schluss, dass verschiedene kleinere Fehlentscheide und damit eine «Verkettung unglücklicher Umstände» zum Drama führten. Sie erliess Massnahmen zur Verbesserung des Informationsflusses zwischen den verschiedenen Instanzen.

Erstellt: 26.08.2008, 17:22 Uhr

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