Technikum will Winterthur verlassen

Die ZHAW prüft eine Verlegung ihrer traditionsreichen Ingenieursschule in den geplanten Innovationspark Dübendorf. Für Winterthur wäre der Wegzug ein herber Verlust.

Ein Herzstück der Bildungsstadt: Hauptgebäude des Technikums in Winterthur. Foto: PD

Ein Herzstück der Bildungsstadt: Hauptgebäude des Technikums in Winterthur. Foto: PD

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Das Technikum, das heute School of Engineering heisst und zur Fachhochschule ZHAW gehört, ist die wohl traditionsreichste Bildungsinstitution Winterthurs. Doch nun droht die prestigereiche Ingenieursschule der Stadt verloren zu gehen. Die ZHAW überlegt sich, das Technikum in den geplanten Innovationspark nach Dübendorf zu verlegen, wie der Winterthurer «Landbote» heute Donnerstag berichtet.

Gemäss einer internen Mitteilung der ZHAW prüft die Fachhochschule in den kommenden Wochen drei Szenarien: den Verbleib des Technikums in Winterthur sowie einen teilweisen und vollständigen Umzug nach Dübendorf. Die Analyse soll bis Ende Februar 2015 vorliegen. Den Entscheid trifft dann der Regierungsrat. Die ZHAW ist als Teil der Zürcher Fachhochschulen eine kantonale Bildungseinrichtung.

Die Initiative, im Innovationspark mit von der Partie zu sein, stamme von der ZHAW selbst, sagte Jean-Marc Piveteau, der Rektor der Fachhochschule, gegenüber dem «Landboten». Für praxisorientierte Hochschulen sei eine Präsenz in einem Innovationspark «sehr vorteilhaft». Dass ein solcher Park nun in unmittelbarer Nähe entstehe, sei für die ZHAW «eine einmalige Gelegenheit».

Stadt Winterthur «vor den Kopf gestossen»

Für Winterthurs Stadtpräsidenten Michael Künzle (CVP) kommt die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel. Noch vor einem Jahr habe der Regierungsrat Pläne vorgestellt, nach denen Millionen in den Bildungsstandort Winterthur investiert werden sollten – unter anderem auch ins Technikum, sagt Künzle gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er fühle sich deshalb vor den Kopf gestossen.

Das Technikum mit seinen 1900 Studenten und 650 Mitarbeitern habe eine riesige Bedeutung für Winterthur, sagt der Stadtpräsident. Die Ingenieursschule sei das Herzstück der ZHAW und integraler Bestandteil der Bildungsstadt. Sie sei ein wichtiger Faktor der Standortattraktivität für Unternehmen und generiere viele Arbeitsplätze auch ausserhalb der Fachhochschule.

Die Argumente der ZHAW überzeugen Künzle nicht. Das Technikum sei in Winterthur nahe genug bei Unternehmen und anderen Hochschulstandorten. Die ETH werde schliesslich auch nicht nach Dübendorf umziehen. Er will darum alles daran setzen, die Kantonsregierung vom Standort Winterthur zu überzeugen.

Grünliberale fordern Innovationspark in Winterthur

Mit dem kürzlich getroffenen Entscheid des Stadtrats, den jährlichen Standortbeitrag von 150'000 Franken an die ZHAW zu streichen, hätten die Umzugspläne nichts zu tun, ist Künzle überzeugt. Die Städte Zürich und Wädenswil, die auch Institute der ZHAW beherbergen, zahlten auch keine Beiträge. Zudem seien die Pläne der ZHAW lange vor dem Stadtratsentscheid ausgearbeitet worden.

Die Grünliberalen und die Piratenpartei Winterthurs fordern derweil, dass der Stadtrat das sistierte Projekt eines Innovationsparks in der Eulachstadt wieder aufnimmt. Der Gemeinderat der Stadt hatte die Idee 2011 unterstützt. Die Stadt stellte entsprechende Planungen jedoch bald wieder ein. Nun zeige sich, dass dies ein strategischer Fehlentscheid gewesen sei, schreiben die beiden Parteien heute in einer Mitteilung.

Dübendorf braucht die ZHAW

Der Kanton macht keinen Hehl daraus, dass die School of Engineering in Dübendorf sehr willkommen wäre. «Die Ansiedlung einer Hochschule stellt einen Erfolgsfaktor für einen Innovationspark dar», sagt Erich Wenzinger, Mediensprecher des Volkswirtschaftsdepartements. «Deshalb wäre es ideal, wenn sich dereinst eine Hochschule auf dem Gelände niederlässt.»

Es sei allen Hochschulen unbenommen, sich Gedanken über eine Ansiedlung in Dübendorf zu machen, sagt Wenzinger. Er blendet dabei aus, dass es ausser der ZHAW kaum valable Kandidaten gibt. Die ETH will an ihren beiden Standorten Zürich-Zentrum und Hönggerberg festhalten. Eine Verlegung von Instituten nach Dübendorf ist gemäss der Hochschulleitung keine Option. Sie würde der Strategie widersprechen, möglichst viele Teile der ETH an den beiden Standorten zu konzentrieren.

Entscheid der Regierung bis zum Sommer

Ein allfälliger Umzug des Technikums könnte in rund 10 Jahren stattfinden. Der Entscheid des Regierungsrats ist bereits bis zum nächsten Sommer zu erwarten. Dann will der Bund, dem der Flugplatz Dübendorf gehört, gemäss dem «Landboten» über die Bedingungen der Landvergabe für den Innovationspark entscheiden. Bis dahin muss ein detailliertes Nutzungskonzept vorliegen.

Was mit dem Technikumareal im Fall eines Wegzugs geschehen würde, ist offen. Das kantonale Hochschulamt kann sich vorstellen, andere Bereiche der ZHAW in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Technikumstrasse unterzubringen. Einen anderen Namen brauchte dann wohl nicht nur das Gebäude, sondern auch die Strasse.

Erstellt: 30.10.2014, 14:23 Uhr

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