Tipps und Tricks für Thiam und Khan

Die Posse um die CS-Bosse Tidjane Thiam und Iqbal Khan gab im Zürcher Kantonsrat zu reden. Dort hat man Empfehlungen für das gutnachbarschaftliche Zusammenleben auf Lager.

Iqbal Khan und Tidjane Thiam sind in Herrliberg Nachbarn, aber keine Freunde.

Iqbal Khan und Tidjane Thiam sind in Herrliberg Nachbarn, aber keine Freunde. Bild: Niklaus Wächter (Reportair.ch)

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Zwei Machtmenschen aus der Wirtschaft wohnen gleich nebeneinander im sonnigen Herrliberg und zoffen sich, bis es dem ganzen Bankenplatz Zürich peinlich wird und sogar die «Financial Times» darüber berichtet. Zur Erinnerung: Es ging um Baulärm, sichtnehmende Bäume, Observationen, Frauen und wohl vor allem um verletzte Egos. Die Posse um Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, und Iqbal Khan, bis heute Montag Leiter der internationalen Vermögensverwaltung der CS und ab Dienstag in gleicher Funktion bei der UBS tätig, war auch Thema im Ratsfoyer.

Als Politiker, die ebenfalls Medienstürme über sich ergehen lassen müssen, weiss man: In solchen Situationen ist guter Rat noch mehr wert als ein 13-Millionen-Lohn. Prädestiniert für Tipps an CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner ist Thomas Marthaler. Der SP-Kantonsrat ist Friedensrichter und somit eine Art Mediator. Er rät: Konflikt entflechten, die beide Streithähne zur Brust nehmen und eine Vereinbarung treffen, mit der beide ihr Gesicht wahren können. Und für die Zukunft? Da Thiam und Khan nicht mehr in der gleichen Bude arbeiten, werde es auf dieser Ebene normal erscheinen, dass sie sich streiten. «Die Wohnsituation aber bleibt spannend», stellt Marthaler fest. Er empfiehlt eine externe Beratung und einen gemeinsamen Gärtner für die Bäume.

Auf die Katze achten

Wie es zwei direkte Nachbarn besser machen können, auch wenn sie Konkurrenten sind, zeigen FDP-Kantonsrat Martin Farner und SVP-Kollege Konrad Langhart. Und dies obwohl die Situation in Stammheim aus fünf Gründen noch viel gefährlicher ist als bei den beiden Bankern.

Erstens waren im noch nicht fusionierten Oberstammheim die beiden Clans Farner und Langhart über Jahrzehnte vorherrschend. «Es waren Verhältnisse wie bei ‹Dallas› oder ‹Denver-Clan›», berichtet Farner. Vater Farner war Gemeindepräsident, Vater Langhart Gemeinderat. Grossvater Farner war gar Nationalrat, anders als der Enkel aber für die SVP. Zweitens sieht Farner von seinem Hof hinunter auf Langharts Hof – nicht wie Thiam und Khan, die nebeneinander wohnen. Drittens hört Farner in seinem Schlafzimmer Langharts Kühe. Viertens wird Nationalratskandidat Farner vom Bauernverband unterstützt, während Nationalratskandidat Langhart darauf verzichtete, weil der Verband ihm nur «in der zweiten Stufe» helfen wollte. Und fünftens schliesslich hat Langhart in der Sekundarschule gesagt, er wolle Bundesrat werden, während Farner den Nationalrat als Ziel nannte. Die beiden sind neun Jahre ins selbe Schulhaus gegangen.

Wie kann eine so explosive Situation zweier ehrgeiziger Stammheimer nicht eskalieren? Ganz einfach: «Indem man einander hilft, wenn etwas ist, und geschäftlich unabhängig ist», sagt Langhart. «Indem ich vor Langharts Haus ganz langsam fahre, damit ich seine Lieblingskatze nicht gefährde», sagt Farner.

Freisemester für die Banker

Claudio Schmid (SVP), der in einem Vorstoss die Kritik an SP-Ständerat Daniel Jositsch durch SVP-Ständeratskandidat Roger Köppel aufgenommen hat, präsentiert eine andere Idee: «Ich empfehle den beiden ein Freisemester.»

Und was meint der einzige Banker im Parlament? André Müller (FDP) ist Vermögensverwalter, wobei die Kunden nicht wie bei Khan milliardenschwere Personen sind, sondern milliardenschwere Institute wie Pensionskassen, Versicherungen, andere Banken oder gar Staaten. Da Müller als Direktor bei der UBS arbeitet, will er nicht allzu viel sagen zum Fall CS, nur so viel: «Diese Art von Aufmerksamkeit ist nicht sehr nützlich für den Zürcher Finanzplatz.»

Mit Rickli im Lift

Es geht ja ums Thema Vertrauen. In der Ausstellung «Faszination Gesicht» in Pfäffikon SZ fragte das Kulturzentrum das Publikum, wem es «die drei Kinder ohne Bedenken für zwei Tage anvertrauen» würde. Dazu wurden namenlose Bilder von 19 Politikerinnen und Politikern gezeigt, wobei elf aus dem Kanton Zürich sind. Es siegte mit grossem Abstand BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti vor SP-Justizdirektorin Jacqueline Fehr. Dieselbe Tabellenspitze resultierte auf die Frage, wen man in Beziehungsfragen um Rat fragen würde. Für fünf Stunden im steckengebliebenen Lift wären die Zuschauer am liebsten mit SVP-Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, vor Quadranti.

Und als Begleitung für ein vierwöchiges Überlebenscamp im Dschungel vertrauten die Leute ganz klar FDP-Kantonsrat Thomas Vogel am meisten, der Rickli auf den 2. Platz verdrängte. «Die vielen Jahre in der Cevi machen sich bezahlt», kommentierte Vogel lachend. Als direkte Vorgesetzte hätten die paar hundert Votanten niemanden aus Zürich. SVP-Finanzdirektor Ernst Stocker schaffte es in diesem Ranking immerhin auf Rang 3, wobei FDP-Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh die undankbare Laterne erhielt. Am ehesten würden die Leute Walker Späh die Kinder anvertrauen (Rang 9). Die Bilanz war für die meisten Zürcher Regierungsratsmitglieder ohnehin etwas ernüchternd. SP-Sicherheitsdirektor Mario Fehr und Grünen-Baudirektor Martin Neukom kamen bei den fünf Fragen nie über Rang 6 hinaus (Fehr bei der Beziehungs-, Neukom bei der Dschungelfrage).

Erstellt: 30.09.2019, 18:58 Uhr

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