Titelschwemme soll eingedämmt werden

Der Zürcher Fachhochschulrat ruft dazu auf, den Professortitel sparsamer zu verteilen. Dies weil sich fälschlicherweise immer mehr Leute mit Ehrendoktorwürden schmücken.

Doktorwürde in Ehren: Nicht jeder Titel wird rechtmässig erteilt.

Doktorwürde in Ehren: Nicht jeder Titel wird rechtmässig erteilt. Bild: Keystone

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«Titel sind nur wichtig, wenn man sie nicht hat», sagte Peter Noll, der 1982 verstorbene Strafrechtler und Freund Max Frischs. Eine solche Bemerkung kommt natürlich nur solchen Menschen wie Noll so gelassen über die Lippen, die ihren Prof. oder mindestens Dr. vor dem Namen längst auf sicher haben. Für alle anderen sind Titel und wer sie warum tragen darf, wichtige oder mindestens spannende Themen. Darum hat diese Woche die Ankündigung des Zürcher Fachhochschulrats für Aufsehen gesorgt, den Professortitel sparsamer zu verteilen.

Falsche «Prof. Dr. phil.»

Wer sich mit den ominösen Buchstaben schmückt, wird hierzulande ohnehin beargwöhnt. Ein Raunen ging zum Beispiel durch den Zürcher Kantonsrat, als sich ein Ratsmitglied plötzlich als Professorin bezeichnete, obwohl sie bisher bloss Sozialarbeiterin war, dazu noch ohne Matura. Der Grund für die unerwarteten Weihen: Die Beförderung zur Professorin an einer Fachhochschule. (Dass dieselbe Politikerin im Staatskalender, dem Verzeichnis aller offiziellen Chargen im Kanton, jahrelang fälschlicherweise sogar als «Prof. Dr. phil.» geführt wurde, hat die Lästermäuler zusätzlich angeregt.)

Diese Geschichte zeigt symptomatisch, wie das Fachhochschulsystem den Professortitel entwertet hat. Wer ihn heute ausserhalb der Universität trägt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er ihn nicht allzu wohlfeil erworben hat. Kommt dazu, dass es lange Zeit der Brauch war, altgedienten Mittelschullehrern den Titel ehrenhalber anzutragen. Auch Heinrich Manns «Professor Unrat» war ja eigentlich bloss Gymnasiallehrer.

Titel aus Anerkennung

Akademische Titel müssen also nicht durch akademische Mühsal erarbeitet sein. Man kann sie auch aus Anerkennung erhalten. Das widerspricht dem eidgenössisch-basisdemokratischen Ethos jedoch. In alten Monarchien wie Österreich und Deutschland dagegen gefielen sich Kaiser und Könige gern als grosszügige Verleiher von Ehrentiteln. Die Beglückten mussten sich dafür nicht rechtfertigen. Eine in diesem Geiste gelassenere Sicht auf das Titelwesen hat sich dort erhalten. Hier aber muss der Fachhochschulrat die Verleihung bis ins Detail reglementieren, damit mindestens der Schein erhalten bleibt, dass nur harte Arbeit zum Professorentitel führt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2010, 22:07 Uhr

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