Toter Passagier äusserst schwer zu identifizieren

Der Afrikaner, der in Weisslingen tot aus einem Flugzeug fiel, trug keinen Ausweis auf sich. Für die Identifizierung muss die Rechtsmedizin an die technischen Grenzen gehen.

Mitten in der Anflugschneise des Flughafens Zürich: Weisslingen.


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Mitte April wurde bei Weisslingen die Leiche eines dunkelhäutigen Mannes gefunden. Die Zürcher Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Mann ein afrikanischer Flüchtling ist, der als blinder Passagier im Schacht eines Flugzeugfahrwerks mitflog, während der Reise erfror und beim Landeanflug in die Tiefe gestürzt ist.

Der Tod des dunkelhäutigen Mannes sei fast nicht anders zu erklären, als mit einem Sturz aus grosser Höhe, sagt Staatsanwalt Markus Imholz gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Der Leichnam weisst enorm viele Knochenbrüche von Kopf bis Fuss auf.» Zudem liege der Fundort genau unterhalb der Anflugschneise Ost zum Flughafen Kloten, sagt Imholz. Daneben hat die Staatsanwaltschaft beim Fundort am Waldrand bei Dettenried Bäume mit beschädigten Kronen und abgebrochenen Ästen entdeckt.

Details zur Identität des Mannes erwartet die Staatsanwaltschaft in der nächsten Woche nach dem Obduktionsbericht. Die Staatsanwaltschaft vermutete jedoch, dass der blinde Passagier schon während des Fluges erfroren ist.

Schwierigkeit Person zu identifizieren

Für die Rechtsmedizin wird die Identifikation jedoch alles andere es einfach. «Früher konnten Personen anhand ihrer Schädelformen Regionen oder gar Länder zugeordnet werden», sagt ein Rechtsmediziner gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Heute sei dies jedoch schwer festzustellen.

«Durch Reisen haben sich die Leute vermischt und frühere ethnischen Merkmale sind nicht mehr so deutlich zu erkennen.» Aufschluss würden aber Isotopenuntersuchungen geben, so der Experte. Das heisst, es kann mittels Rückständen von chemischen Verbindungen das die Herkunftsregion herausgefunden werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2010, 14:50 Uhr

Kaum Chancen zu überleben

Immer wieder versuchen blinde Passagiere, im Fahrwerkschacht eines Flugzeuges aus einem Land zu flüchten. Meist enden diese Reisen tödlich. 1998 stürzte ein 15-Jähriger beim Anflug auf Kloten im badischen Waldshut-Tiengen aus dem Schacht einer MD-11. Beim Aufprall war der Afrikaner längst tot. Erfroren oder erstickt bei Minus 60 Grad in 10'000 Metern Höhe.

Mehr Glück hatte ein junger Kubaner im Jahr 2002. Als der Mann Anfang zwanzig von Havanna nach Montreal flüchtete, überlebte er den Flug. Trotz starker Unterkühlung konnte er sich im Fahrwerkschacht halten und nach der Landung auf den Boden klettern.

Überlebt hat ein Rumäne im Jahr 2000 den Versuch, gratis von München nach Berlin zu reisen. Als sich das Bugrad nicht komplett einfahren liess, kehrte die Maschine um. Nach der Landung wurde der 27-Jährige bewusstlos und stark unterkühlt im Fahrwerkschacht entdeckt. Ansonsten war er unverletzt. (ep)

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