Tritt Wohlwend nach 20 Jahren zurück?

Heute Nachmittag informiert der Winterthurer Stadtrat über «wichtige personelle Entscheide». Wahrscheinlich sind der Rücktritt des Stapis und der Finanzvorsteherin. Die SVP könnte eine bekannte Nachfolgerin stellen.

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Gemutmasst wird schon lange: Macht der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend die Legislatur bis 2014 fertig – oder zieht er sich bei Halbzeit zurück? Nun ist genau Halbzeit und er hat vor zwei Monaten das Pensionsalter erreicht. Die Stadtregierung der Eulachstadt hat kurzfristig zu einer Medienorientierung eingeladen. Sie habe «heute Morgen von wichtigen personellen Entscheiden Kenntnis genommen», schreibt die Regierung in der Einladung.

Der Plural im Wortlaut könnte auf einen Doppelrücktritt hindeuten. Finanzvorsteherin Verena Gick (FDP) hat jüngst ihre wichtigste Vorlage unter Dach gebracht: den Finanzausgleich, der Winterthur jährlich 85 Millionen Franken vom Kanton zusichert. Beobachter haben festgestellt, dass bei der Freisinnigen seither die Luft draussen ist. Gick ist 2002 in den Stadtrat gewählt worden und wird im September 63-jährig.

Winterthurer Polit-Urgestein

SP-Politiker Wohlwend ist 1971 erstmals in den Winterthurer Grossen Gemeinderat gewählt worden. 1979 folgte zusätzlich die Wahl ins Kantonsparlament. Nunmehr sitzt Wohlwend seit 20 Jahren im Stadtrat. Vor 10 Jahren hat er für die Linke erstmals das Stadtpräsidium erobert, was für die ehemals demokratisch und freisinnig dominierte Stadt ein Donnerschlag war.

Das frühere «Enfant terrible» Wohlwend gilt – ähnlich wie damals der Zürcher Stapi Elmar Ledergerber – als glänzender Verkäufer seiner Stadt, die seit vier Jahren offiziell eine «Grossstadt» ist, also mehr als 100'000 Einwohner hat. Sein Werben für mehr Zuzüger zeigte Wirkung. Die Stadt wächst und wächst. Heute ist sie die sechstgrösste Stadt der Schweiz. Allerdings kann die Infrastruktur nicht immer ganz mithalten. So fehlen etwa Schulhausbauten. Auch deshalb drosselte der grosse Stadtentwickler Wohlwend kürzlich das Tempo.

Kommt jetzt Künzle?

Tritt das Szenario Doppelrücktritt tatsächlich ein, steht Winterthur ein spannender Wahlkampf bevor. Wer wird neuer Stadtpräsident oder neue Stadtpräsidentin? Ambitionen werden vor allem CVP-Sicherheitsvorsteher Michael Künzle nachgesagt. Der 47-Jährige hat bei der Wahl vor zwei Jahren gar 94 Stimmen mehr erhalten als Wohlwend und wurde am besten gewählt.

Doch auch die SP wird den Thron verteidigen wollen. Hier sind mehrere Varianten vorstellbar. So könnte Polit-Shootingstar Nicolas Galladé in die Hosen steigen. Der 37-Jährige ist 2010 als Neuling ohne Probleme in die Stadtregierung gewählt worden. Und durch die Nichtwahl der Winterthurer Nationalrätin Jacqueline Fehr zur Fraktionspräsidentin in Bern steht eine weitere prominente SP-Politikerin im Fokus. Die andere SP-Stadträtin, Pearl Pedergnana, kommt eher nicht in Frage.

Chance für Natalie Rickli

Voraussichtlich wird auch die SVP in den möglichen Wahlkampf eingreifen. Auch sie hat eine bekannte Persönlichkeit zu bieten: Nationalrätin Natalie Rickli. Die 35-Jährige hat bei der Wahl im Oktober mehr Stimmen erhalten als SVP-Übervater Christoph Blocher.

Der Stadtrat von Winterthur informiert heute um 13.30 Uhr über die personellen Entscheide. Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist vor Ort und informiert Sie laufend.

Erstellt: 07.03.2012, 11:10 Uhr

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