Udo Jürgens' Heimat war Zürich

Penthouse am Bellevue, Einbürgerung in Zumikon: Udo Jürgens war ein Zürcher.

«Immer ordentlich und viel Steuern bezahlt»: Udo Jürgens auf seinem Motorboot vor dem Utoquai in Zürich (2. August 1994).

«Immer ordentlich und viel Steuern bezahlt»: Udo Jürgens auf seinem Motorboot vor dem Utoquai in Zürich (2. August 1994). Bild: Keystone

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Dort oben, im vierten Stock des Corsohauses, da residierte er. Blick aufs Bellevue, den See. Zwar war die Stadtwohnung schon lange nicht mehr Udo Jürgens' eigentlicher Wohnsitz. Gleichwohl: Die Wohnung passte zu ihm, dem singenden Charmeur im Bademantel, dem Frauenhelden. Jürgens pflegte die Interviews in diesem Penthouse zu führen. Dann und wann, wenn er in der Stadt zu tun habe, würde er hier einen Stopp einlegen und sich frisch machen, erklärte er mir, als er mich vor eineinhalb Jahren zum Interview empfing.

Die vier Zimmer atmeten den Geist der 80er-Jahre: Acrylglas-Piano, weisser Spannteppich, schwarze Wohnwand, im Nebenzimmer stand ein Atari-Computer. Hier war seit Jahren nichts mehr bewegt und verändert worden. Und mittendrin sass dieser Mann, die Beine elegant überschlagen, und beantwortete die Fragen so, dass es routiniert, aber doch persönlich wirkte. An der Wand hinter ihm hingen Fotos und goldene Auszeichnungen, die von Glamour und Millionen verkaufter Tonträger erzählten.

Danach schlenderten wir zusammen zum Sternengrill. Er schätze mehr denn je die einfachen Dinge, erklärte er. Die wenigen Meter dahin waren eine einzige Baustelle, der Asphalt war aufgerissen, voller Geröll. Jürgens stützte sich auf meiner Schulter ab. So gingen wir zusammen übers Bellevue und assen eine Wurst. Er nahm sie ohne Senf und Brot.

Bäume und eine Medaille

Jürgens zog 1977 nach Zürich. Hintergrund des Umzugs war eine Auseinandersetzung mit den deutschen und den österreichischen Behörden um Steuerschulden. Als Steuerflüchtling wollte sich der Star aber nie verstanden wissen. Er habe in München ein Sperrkonto mit einem siebenstelligen Betrag zur Deckung der Schulden hinterlassen, verteidigte er sich. Ausserdem habe er in der Schweiz nie von der Pauschalbesteuerung profitiert, «sondern immer ordentlich und viel Steuern bezahlt».

Ab 1997 lebte Jürgens in Zumikon, 2012 erwarb er ein Haus in Meilen. Immer wieder beteuerte der gebürtige Kärntner seine Verbundenheit mit Zürich. Die Sympathie war gegenseitig: 1994 schenkte die Stadt Zürich Jürgens sechs Bäume in der Stadthausanlage. Und im vergangenen September verlieh ihm Stadtpräsidentin Corine Mauch die Ehrenmedaille der Stadt Zürich.

Eigentlicher Höhepunkt in der Beziehung zwischen dem Star und seiner Wahlheimat war aber dessen Einbürgerung im Sommer 2007 in Zumikon. Jürgens bedankte sich mit einem Gratiskonzert im Gemeinschaftszentrum. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2014, 21:25 Uhr

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