Übung «Libero 13»: Die Flugzeugentführer wurden gefasst

In Kloten stürmten Polizisten ein gekapertes Flugzeug, nachdem drei Passagiere erschossen wurden. So sah das Szenario einer gross angelegten Notfallübung aus.

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Auf einem Standplatz des Zürcher Flughafens spielten sich heute Montagmorgen dramatische Szenen ab. Kurz vor 11 Uhr stürmte ein Grossaufgebot von Polizeikräften eine entführte A320. Die beiden Hijacker konnten inzwischen gefasst werden. Die Passagiere wurden einer letzten Sicherheitskontrolle unterzogen und durften danach zu ihren Angehörigen.

All diese Vorgänge sind Teil der heutigen Notfallübung «Libero 13», in deren Verlauf sämtliche Prozesse am Flughafen Kloten im Falle einer Flugzeugentführung geprüft wurden. Um 9 Uhr präsentierten die Verantwortlichen den Medien das Szenario der bereits angelaufenen Übung. Die Swiss-Maschine des Typs Airbus A320 mit etwa 100 Personen an Bord sei demnach auf dem Flug von Istanbul nach Zürich von zwei Männern in ihre Gewalt gebracht worden.

Übung «Libero 13»: Vier Tote zu beklagen

Das Flugzeug ist heute Montag in den frühen Morgenstunden in Kloten gelandet. Die Piloten der Maschine gaben jedoch bereits um 5 Uhr – noch in der Luft – per Transponder eine Notlage bekannt. Ziel der fiktiven Hijacker war es, die Maschine in Zürich aufzutanken. Zudem forderte einer der Entführer mit Namen «Sharaf», dass sein Sohn an Bord gebracht werde, dessen Sorgerecht dem Vater aberkannt wurde.

Kurz nach 10 Uhr wurden zwar überraschend 15 Personen freigelassen. Die Übung sah jedoch vor, dass die Entführer danach innert kürzester Zeit drei Passagiere erschiessen und die Leichen aus dem Flieger werfen, weil ihren Forderungen nicht nachgekommen wurde. Sie drohten sogar damit, alle fünf Minuten eine weitere Person zu töten. Zum Zeitpunkt der Entführung befand sich gemäss Übungsszenario auch ein Diabetiker an Bord. Weil er seine Medikamente nicht rechtzeitig bekam, starb er noch im Flugzeug. Insgesamt sind bei der Übung «Libero 13» somit vier Tote zu beklagen.

Geglückte Aktion dank Ablenkung

Auf die Frage, weshalb die Polizeikräfte nicht schon früher eingeschritten sind, antwortet der Chef Flughafenpolizei Ueli Zoelly: «Ein Eingreifen muss vorsichtig abgeschätzt werden, weil dadurch Personen gefährdet werden könnten. Als aber klar war, dass die Geiselnehmer Personen töten und zum Äussersten bereit sind, mussten wir handeln.»

Die Stürmung sei gemäss Zoelly dank eines Ablenkungsmanövers geglückt. Ein gepanzertes Fahrzeug sei auf die eine Seite des Flugzeugs zugefahren. Die Aufmerksamkeit der Entführer wurde so von der anderen Seite der Maschine abgelenkt, wo sich die Einsatzkräfte näherten.

400 Personen am Einsatz beteiligt

Rund 400 Personen waren in die Vorbereitungen und die Durchführung der Notfallübung «Libero 13» involviert. Die Passagiere der entführten Maschine setzten sich aus Privatpersonen und ehemaligen Polizisten zusammen. Ihnen wurden vorgängig Rollen zugeteilt, die sie bis zum Ende der Übung einhalten mussten. Die beiden Entführer wurden von zwei Polizisten gemimt, die nicht zum involvierten Korps gehören.

Die Notfallübung, die in Zusammenarbeit aller Flughafenpartner durchgeführt wurde, verlief nach Vorgaben des Bundesamts für Zivilluftfahrt. Der Flughafen ist gemäss der Internationalen Organisation für Verkehrsluftfahrt dazu verpflichtet, alle zwei Jahre eine solch gross angelegte Notfallübung durchzuführen.

Die Kantonspolizei Zürich war dabei nebst der Bewältigung des fiktiven Szenarios für die Beweisaufnahme und die strafrechtlichen Ermittlungen zuständig. Die Flughafen Zürich AG musste die Wiederaufnahme und die Weiterführung des Flugbetriebes gewährleisten, unverletzte Passagiere betreuen und ein Nottelefon betreiben. Die betroffenen Fluggesellschaften und Firmen kümmerten sich um die jeweiligen Passagierlisten und die Verbindung zu den eigenen Krisenstäben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2013, 09:58 Uhr

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