Ueli Maurer und die Pommes-frites-Millionen

Der Walliseller Landwirt hat einen Fritten-Automaten entwickelt und dafür drei Millionen Franken ausgegeben. Jetzt will er seine Erfindung zu Geld machen.

Erfinder Ueli Maurer vor seinem Pommes-frites-Automaten.

Erfinder Ueli Maurer vor seinem Pommes-frites-Automaten. Bild: Sophie Stieger

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Er sieht wie ein Bauer aus. Er spricht aber nicht so, wie man sich vorstellt, dass ein Bauer spricht. Von ihm sind kaum Klagen zu hören über die Preisdrückerei des grossen Detailhandels, auch wenn er sich mächtig darüber aufregen kann. Und im November 1995 deswegen den grössten Bauernprotest der Schweiz organisiert hatte. Darüber redet der 70-Jährige nicht mehr gerne. Es ist dem strammen SVP-Mann, Enkel von Regierungsrat Rudolf Maurer (1920 bis 1939, Bauernpartei) und stolzen Familien- und zehnfachen Grossvater etwas peinlich.

Lieber erzählt er vom Pommes-frites-Automaten, seiner grossen Erfindung. Beginnt er zu erzählen, erzählt er viel und lang und ist kaum zu stoppen. In einem breiten und sehr schnellen Zürichdeutsch. Und er streut so schöne Wörter ein wie «Galöörihegel» oder «Chlütteri».

Seine Erfindung ist ein Stahlkasten mit einer robusten Mechanik. Funktionell, einfach zu putzen und zu warten. Seit 2005 spucken seine Kästen Pommes frites aus. Seit Jahren füttern die Andelfinger Kinder den Automaten in der Badi mit 3 Franken, um eine kleine Portion heisse Kartoffelstäbchen zu erhalten. Die Gäste des CSI in Humlikon Anfang Monat verspeisten 700 Kilo Pommes aus zwei Automaten. Und zwei Kästen standen sogar in Dubai.

Der Traum aus Übersee

Die Idee zu seinem Automaten brachte er von einer Kanadareise 1996 heim. Bei einem Ausflug kam er an einem Agrarforschungsinstitut vorbei. Er hielt an und war mit den Forschern schnell in eine Diskussion involviert, die erst sechs Stunden später wieder endete. Dort hörte Maurer erstmals von einem Pommes-frites-Automaten.

Die Kanadier rechneten mit einem Riesengeschäft. Sie planten, monatlich 2000 solcher Maschinen herzustellen. In Kanada sahen sie einen Markt von 100'000 Automaten, in den USA sollte er 100-mal grösser ein. Sie scheiterten aber an rigiden Feuervorschriften. 100 Millionen Dollar soll das Projekt verschlungen haben, sagt Maurer. Dutzende von Millionen soll die welsche Firma Tege kurz vor der Jahrtausendwende in die gleiche Geschäftsidee verlocht haben. Die Tege-Aktien waren eine Zeit lang heiss begehrt.

2001 stiess Maurer auf einen kleinen Frittierautomaten aus italienischer Produktion, dessen System für ihn die Voraussetzung darstellte für einen funktionierenden Pommes-frites-Automaten. Er kaufte sich eine solche Maschine, studierte sie und begann mit der Entwicklung. «Ich wollte mir Zeit lassen und erst an die Öffentlichkeit treten, wenn der Automat funktioniert», sagte er. Als er den ersten Kasten 2007 beim Schwiegersohn in einer Garage in Andelfingen aufstellte, berichteten der «Andelfinger Anzeiger», der TA und Cash-TV.

Ein paar diffizile Probleme musste der Bauer, der heute noch 35 Hektaren Land in Wallisellen bewirtschaftet, lösen. So platzierte er den Tiefkühler unter die Fritteuse, womit er keine Schwierigkeiten mehr mit Verschmutzungen und Geruch hatte. Er entwickelte eine Vorrichtung im Tiefkühler, um die Pommes frites zu portionieren – von 150 bis 300 Gramm. Und schliesslich bewegte er das Öl im fast ganz geschlossenen Frittierautomaten auf stabilen 160 bis 175 Grad. Die Lösung lag bei einem 400-Volt-Anschluss und einem Propeller in der Ölwanne.

Maurer schaffte, woran die Kanadier und die Schweizer Firma Tege gescheitert waren. Obwohl er keine Werbung machte, meldete sich die halbe Welt: Hedgefonds-Manager jagten Maurer. Chinesen wollten Automaten kaufen, ein Geschäftsmann aus Teheran versprach, 1000 Automaten zu bestellen. Der Bauer war vorsichtig, er fürchtete, seine Erfindung würde kopiert.

Der Erfinder wartete, bis er die richtigen Leute traf. Vor einem Jahr schloss er einen Nutzungsvertrag mit Thurpire ab, einer internationalen Handelsfirma mit Sitz in Zug. Die drei Patente bleiben vorderhand bei Maurer – aus Sicherheit. Thurpire soll sich nun um die Herstellung und den Vertrieb kümmern.

Viel Geld investiert

Und so hofft Maurer, dass er in den nächsten Jahren nicht nur das investierte Geld wieder hereinholt, sondern auch einen satten Gewinn erzielt. Drei Millionen Franken hat er für seine Automaten ausgegeben. Bezahlt hat er das alles mit eigenem Geld: «Ich bin aber kein Baulandbauer, nie habe ich deswegen Land verkauft», sagt Maurer. Das Kapital hat er aus einer anderen Handelsfirma: So verkaufte er 600'000 Plastikkisten aus Holland, damit Bauern ihre Frühkartoffeln vorkeimen können. Und er handelte mit Kartoffelsäcken, die er in Tschechien herstellen liess.

Klappt das Geschäft, wird sich auch seine Familie darüber freuen. Sie war nicht immer einverstanden mit den Vorhaben des Gatten und Vaters.

Erstellt: 20.09.2013, 06:43 Uhr

Dokfilm über Ueli Maurer

Nicht am Zurich Film Festival

Der Journalist und Filmemacher Stephan Hille hat Ueli Maurer in den letzten Jahren begleitet und einen Dokfilm über den Bauern und Erfinder des Pommes-frites-Automaten gedreht. Den Film hat er kürzlich fertiggestellt, aber noch nie öffentlich gezeigt. Er wurde vom Zurich Film Festival nicht ins Programm aufgenommen, was Hille bedauert. Er hofft, dass er die Premiere bald an einem anderen Festival feiern kann. (zet)

Trailer zum Dokfilm über Ueli Maurer

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