Umgebaut – so werden Jugendstraftäter heute eingesperrt

Zürcher Jugendliche, die Mist bauen, landen im Massnahmenzentrum Uitikon. Dieses wurde nun saniert. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war mit der Videokamera in der Zelle.

Nüchterne Gefängniszellen: Die Schlafräume der Insassen sind nicht nur vandalensicher, sondern auch bewusst farblos gehalten. (Video: Anja Metzger)

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Knapp 40 Millionen Franken hat der Umbau des Massnahmenzentrums in Uitikon gekostet – rund zehn Millionen Franken mehr als ursprünglich geplant. Nach fünfjähriger Bauzeit ist jetzt das Projekt abgeschlossen, und der Bau ist heute Donnerstag den Medien vorgestellt worden.

Im Fokus der Führung: die geschlossene Abteilung, in der für 30 Straftäter Platz ist. Die Jugendlichen sind in drei getrennt geführte Zehnergruppen aufgeteilt. In einer Gruppe sind junge Erwachsene bis maximal 25 Jahre, in den anderen beiden Gruppen sind minderjährige Straftäter.

Fenster können nicht geöffnet werden

Das Leben in der geschlossenen Abteilung findet in den Bereichen Zelle, Spazierhof, Werkstatt und Turnhalle statt. Jeder Straftäter hat eine Einzelzelle, 12 Quadratmeter gross, einfach und spartanisch eingerichtet. Dort hat es ein Bett mit einem Gestell, ein offenes WC mit Lavabo sowie am Fenster Tisch und Stuhl. Das Fenster ist auf den Innenhof, den Spazierhof, gerichtet. Es kann nicht geöffnet werden, die Frischluft erfolgt mittels Lüftung.

Abgeschlossen wird die Zelle mit einer Sicherheitstür mit Klappe, wo auch das Essen hindurchgegeben werden kann. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn ein Jugendlicher aus disziplinarischen Gründen Zimmerarrest hat. Ansonsten verbringt er die Zeit in der Zelle nur von 20 Uhr abends bis 6.30 Uhr morgens, am Wochenende bis 10 Uhr morgens.

Vier Anlehren in geschlossener Abteilung

Den übrigen Teil des Tages sind die Straftäter in den Werkstätten, wo sie eine An- oder Testlehre in den Bereichen Maler, Metallbau, Schreiner und Hauswirtschaft absolvieren können. Diese vier Berufe betreffen aber nur die Insassen der geschlossenen Abteilung. Im ganzen Massnahmenzentrum werden insgesamt 19 Berufslehren angeboten.

Daneben können die Jugendlichen in der Turnhalle Sport treiben oder während der Freizeit sich auf dem Spazierhof aufhalten. «Sport hat eine wichtige Funktion», sagte MZU-Direktor Gregor Tönnissen. Es gehe darum, mit Bewegungen kontrolliert und angeleitet umzugehen und ein soziales Leben in Gruppen zu lernen.

Besichtigung für die Bevölkerung am Samstag

Das Massnahmenzentrum Uitikon nimmt junge Straftäter aus allen Kantonen auf. Im MZU wird psychologisch, pädagogisch und arbeitsagogisch gearbeitet. Viele junge Straftäter absolvieren eine Ausbildung. Dadurch verbessert sich die Chance auf ein Leben ohne weitere Delikte.

Mit dem Abschluss der Arbeiten erhält die Bevölkerung die Gelegenheit, das umgebaute Massnahmenzentrum Uitikon zu besichtigen. Am Samstag, 15. November 2014, findet von 13 bis 18.30 Uhr eine öffentliche Besichtigung statt. Das MZU ist mit dem Postauto 215 und 245 erreichbar (Haltestelle Uitikon, Schlössli). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2014, 17:39 Uhr

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