Uster forciert das Seerestaurant im ehemaligen Expo-Pavillon von Jean Nouvel

Vordergründig stimmen die Ustermer am 9. Juni über eine neue Busschlaufe am Seeufer ab. Doch im Grunde geht es der Stadt darum, La Boîte voranzutreiben.

Hintergründige Planung: Die Stadt Uster möchte den Nouvel-Pavillon als Seerestaurant auf dem heutigen Kioskgelände aufstellen.

Hintergründige Planung: Die Stadt Uster möchte den Nouvel-Pavillon als Seerestaurant auf dem heutigen Kioskgelände aufstellen.

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Sagen die Ustermer am Sonntag Ja zur Verschiebung der Busschlaufe, ist das ein Ja zum Pavillon Nouvel als Seerestaurant. So explizit steht das zwar nicht in der Weisung, und auch Marco Brunner, Präsident des Vereins Pavillon Nouvel, Besitzer des Pavillons und treibende Kraft hinter dem Seerestaurant, sagt: «Es geht um die Busschlaufe, nicht um unser Projekt.»

Mit dieser Abstimmung kann das Stimmvolk erstmals seine Meinung zur umstrittenen Causa Pavillon Nouvel kundtun. Der Gemeinderat hat dem Kredit von 480 000 Franken im Herbst letzten Jahres bereits mit 32 zu 1 Stimme zugestimmt. Mit dem Geld soll der heutige Buswendeplatz beim Kioskgebäude an der Schifflände des Greifensees einige Hundert Meter zurückversetzt werden. Gemeinderat Werner Kessler (parteilos) hat dagegen aber das Volksreferendum ergriffen. Er ist entschieden gegen die «Rostlaube» am Greifensee.

Bau mit Ausstrahlung

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt das Seerestaurant Uster. Nach der Expo 2002 ersteigerten einige Ustermer zwei der sieben Pavillons, welche der französische Stararchitekt Jean Nouvel zusammen mit dem Monolithen für die Arteplage Murten entworfen hatte. Der Verein Pavillon Nouvel beabsichtigte, die Gebäude beim Schiffsteg aufzurichten und da das Seerestaurant La Boîte zu betreiben. Gestützt auf die geltende Greifenseeschutzverordnung reichte der Verein 2003 ein Baugesuch am Standort der sogenannten Surferwiese ein. Die Stadt sagte ihm ihre Unterstützung zu.

Doch dann machten sich die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva und Rheinaubund für den Erhalt der Surferwiese stark. Ein zehnjähriger Rechtsstreit durch alle Instanzen folgte. Im Sommer 2012 bestätigte das Baurekursgericht, ein Seerestaurant auf der Surferwiese sei zonenkonform. Doch der Rechtsstreit ist noch nicht beigelegt. Für den Standort Surferwiese fehlt die breite Unterstützung der Bevölkerung.

Befreiungsschlag der Stadt

Genau deswegen nahm die Stadt im letzten Jahr «das Heft in Sachen Seerestaurant» selber in die Hand. Sie propagiert das heutige Kioskgelände als alternativen Standort für das Seerestaurant, um Akzeptanz für das Projekt zu schaffen. Die Stadt vereinbarte mit dem Verein den Kauf des Pavillons, sobald für die Parzelle eine Baubewilligung vorliege. Der Verein verpflichtete sich, mit einem Bau auf der Surferwiese zuzuwarten.

Der Stadtrat spricht in seiner Weisung von einem «räumlichen Befreiungsschlag», wenn das seit Jahren kontrovers diskutierte Seerestaurant beim Kioskgebäude realisiert werden könne. Für Gegner Werner Kessler ist klar: Die Stadt verschleudert mit dem Antrag Steuergelder. Das will er nicht hinnehmen. «Früher wollte ich die Surferwiese erhalten. Heute kämpfe ich grundsätzlich gegen die Absichten des Vereins», sagt er. Kessler beteuert aber, er werde sich jedem Volksentscheid beugen.

Initiant Marco Brunner schaut der Abstimmung optimistisch entgegen. Sage das Volk Nein, bleibe dem Verein noch die Surferwiese. Da seien sie im Bewilligungsverfahren kurz vor dem Ziel.

Bis dahin bleibt der grössere der beiden Pavillons zerlegt im Zürcher Oberland eingelagert. Den Kleineren hat der Verein ins Appenzellerland verschenkt. Dereinst soll darin ein kultureller Begegnungsort entstehen. Die anderen Pavillons stehen in Muntelier, Magglingen, Biel und Bümplitz und werden als Kunsträume genutzt. Der siebte Pavillon gehört einem Bündner Künstlerpaar.

Erstellt: 03.06.2013, 09:44 Uhr

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