VBZ-Busfahrer: Fahrt zwischen Einsätzen gilt neu immer als Arbeit

Wenn Zürcher Busfahrer von einem Einsatzort zum anderen fahren, gilt dies künftig als Arbeitszeit und wird somit auch entlöhnt. Offen ist, ob dieser Entscheid auch rückwirkend gilt. Die VBZ erwägen zu rekurrieren.

Blockierten im vergangenen Jahr VBZ-Gleise: VPOD-Demonstranten in Zürich.

Blockierten im vergangenen Jahr VBZ-Gleise: VPOD-Demonstranten in Zürich. Bild: Keystone

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Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat einer Klage der Gewerkschaften aus dem Jahr 2008 Recht gegeben, wie die Gewerkschaft VPOD am Montag mitteilte. Bisher bezahlten die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) diese so genannten Wegzeiten nur teilweise. Wenn die Fahrerinnen und Fahrer also etwa von Seebach in die Garage Hagenholz fahren mussten, galt diese Fahrt grösstenteils als Freizeit oder Pause.

Bei acht Minuten Wegzeit wurde nur eine Minute vergütet, bei neun Minuten Wegzeit deren zwei. Voll bezahlt wurde eine dienstbedingte Reise erst, wenn sie mindestens zehn Minuten dauerte. Weil die Mitarbeitenden je nach Dienstplan mehrmals pro Tag den Einsatzort wechseln und damit kurze Strecken zurücklegen müssen, entstehen gemäss vpod erhebliche Gratis-Zeiten.

Vpod-Generalsekretär Stefan Giger erwähnte am Montag vor den Medien Beispiele, bei denen VBZ-Mitarbeitende bis zu 30 Minuten täglich zwischen Standorten unterwegs waren und dafür nicht bezahlt wurden. Dabei sei es doch eigentlich selbstverständlich, dass diese Strecken der Arbeitszeit zugerechnet würden.

«Jahrelanger Streit endlich beendet»

Was in allen anderen Branchen schon lange üblich sei, werde nun endlich auch bei den VBZ umgesetzt, sagte Giger weiter. «Mit dem BAV- Entscheid wird ein jahrelanger Streit endlich beendet.» Es gehe dabei auch um die Sicherheit. Die Mitarbeiter dürften nicht übermüdet zur Arbeit erscheinen, so Giger.

Die Änderung tritt gemäss Vpod mit dem Fahrplanwechsel im kommenden Dezember in Kraft. Wie ein Gewerkschaftssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Sda sagte, macht das BAV keine Angaben darüber, ob der Entscheid auch rückwirkend gilt, also ob Wegzeiten aus früheren Jahren nachträglich ausbezahlt werden.

VBZ spricht von «Polemik»

Die Verantwortlichen bei den VBZ nehmen den Entscheid des Bundes zur Kenntnis und reagieren mit Verwunderung auf die Argumentation des Vpod. Sprecher Andreas Uhl bezeichnete den Tagesablauf mit mehreren Wechseln und 14 Minuten Gratis-Arbeit als «Polemik». «Bei uns müssen die Mitarbeiter sicher nicht gratis arbeiten», sagte er. Im Vergleich zu anderen Verkehrsbetrieben seien die Arbeitsbedingungen und die Löhne jetzt schon überdurchschnittlich.

Sofern der Mitarbeiter nicht zum Früh- oder Spätdienst eingeteilt war und deswegen sein Velo oder Auto dort abgestellt hat, muss er nicht an seinen Stützpunkt zurück, sondern kann direkt vom Schichtende aus in die Freizeit. «Die Wegzeit an den Ausgangspunkt ist aber Teil der Arbeitszeit und wird damit vergütet», sagte Uhl.

Höhere Lohnkosten wegen längeren Pausen

Dem Entscheid des Bundes müssen sich die VBZ dennoch fügen. Man werde wohl die Dienstpläne etwas ändern müssen, so dass es zu weniger Wegzeiten komme. Auch die Pausen würden eventuell etwas verlängert, damit die Ortswechsel diese nicht verkürzen würden.

Längere Pausen bedeuten mehr Lohnkosten. Weil es sich bei den Änderungen aber nur um wenige Minuten handelt, rechnen die VBZ aber nicht mit grossen Mehrkosten. Und mehr Lohn werde es mit diesem Entscheid nicht geben, stellte Uhl klar.

Man werde den BAV-Entscheid nun analysieren und dann entscheiden, ob man ihn anfechten wolle. Dafür haben die VBZ einen Monat Zeit. Weil sie den Entscheid bereits am vergangenen Donnerstag erhielten, dauert die Einsprachefrist bis am 9. September.

(ep/sda)

Erstellt: 13.08.2012, 12:50 Uhr

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