Vater schickte Sohn zur Strafe in die Ferien

Ein Winterthurer Schüler sollte als Sühne für einen Telefonstreich gemeinnützige Arbeit leisten. Dagegen wehrte sich der Vater bis vor Bundesgericht. Er habe den Sohn auf seine Weise bestraft.

Es begann vor über zwei Jahren mit unüberlegten Telefonspielchen und endete hier: Eingang zum Bundesgericht in Lausanne.

Es begann vor über zwei Jahren mit unüberlegten Telefonspielchen und endete hier: Eingang zum Bundesgericht in Lausanne. Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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Manchmal verwandeln sich die höchsten Richter der Schweiz wider Willen in die höchsten Kindererzieher des Landes – und die Eltern erziehen sie dann gleich noch ein wenig mit. So geschehen, als sich das Bundesgericht kürzlich mit der gerechten Strafe für einen misslungenen Streich zu befassen hatte. Der Vater eines Winterthurer Schülers hatte sich durch alle Instanzen dagegen zur Wehr gesetzt, dass sein Sohn zur Wiedergutmachung gemeinnützige Arbeit leisten muss.

Der heute 14-jährige Junge hatte sich vor zwei Jahren von einem Freund zu einer Dummheit verleiten lassen. Aus einer Telefonkabine am Bahnhof wählten die beiden während über einer Stunde immer wieder die Notrufnummern der Polizei, der Feuerwehr und der Sanität, stöhnten dann in den Hörer und legten wieder auf. Dass das keine gute Idee war, war ihnen klar – das gab der jüngere der beiden zu Protokoll, nachdem sie erwischt worden waren.

Telefonterror war nicht harmlos

Die Jugendanwaltschaft verpflichtete die Knaben dazu, in ihrer Freizeit je einen Tag lang etwas Konstruktives zu tun. Beispielsweise in einer sozialen Einrichtung mitanzupacken oder hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Denn was sie getan hätten, sei nicht harmlos gewesen: Echte Notrufe hätten nicht mehr durchkommen können, weil die Leitung dauernd besetzt war.

Der Vater des heute 14-Jährigen fand diesen Entscheid daneben. Was sein Sohn getan habe, sei eine Bagatelle, sagte er bei seinem Gang durch die Instanzen. Zudem sei dieser bereits genug bestraft. Seine Frau und er hätten dem Jungen ein dreiwöchiges Internet- und iPod-Verbot auferlegt. Und damit nicht genug: Sie hätten ihn auch in ein Sommerferienlager geschickt, wo er früh aufstehen und wandern gehen musste.

Die «Strafe» hinterliess kaum Eindruck

Diese Art der Bestrafung überzeugte das Bundesgericht nun aber genauso wenig wie schon die vorangegangenen Instanzen. Zumal sich der Junge schon wenige Monate später kaum mehr daran erinnern konnte, als ihn ein Richter danach fragte. Das Lager erwähnte er damals mit keinem einzigen Wort.

Daraus schliesst das Bundesgericht, dass die Sanktionen der Eltern «keinen genügenden Eindruck» hinterlassen haben. Der Teenager muss daher nun doch noch einen gemeinnützigen Einsatz leisten – wenn auch mit zweijähriger Verspätung aufgrund der diversen Verfahren.

Erstellt: 09.07.2014, 15:22 Uhr

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