«Velofahrer nehmen sich viel mehr heraus, als erlaubt ist»

Rechtsabbiegen bei Rot bleibt illegal. Die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat will das «rücksichtslose» Verhalten der Velofahrer nicht legalisieren.

Um diese Situation geht es: Das Lichtsignal steht auf Rot, die Velofahrerin möchte rechts abbiegen. Bild: hub

Um diese Situation geht es: Das Lichtsignal steht auf Rot, die Velofahrerin möchte rechts abbiegen. Bild: hub

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Autofahrer rufen laut «Verkehrsrowdy», wenn Velofahrer am Rotlicht rechts abbiegen und flink davonradeln, während sie im Auto auf die nächste Grünphase warten müssen. Die Velofahrer hingegen verstehen nicht, was falsch sein könnte an ihrem Verhalten, das niemanden gefährdet. Ausser vielleicht, dass sie dabei ein Rotlicht missachten und mit einer saftigen Busse rechnen müssen. Schliesslich würden ihnen in velofeindlichen Städten wie Zürich genug Randsteine in den Veloweg gelegt, sagen sie sich. Die roten Ampeln zu missachten, wenn das Weiterfahren nach rechts problemlos und sicher ist, dieser kleine Akt zivilen Ungehorsams rückt für sie die Welt ein bisschen in die richtige Richtung.

Die Grünliberalen mögen diese Welt. Sie wollten das Rechtsabbiegen am Rotlicht mit einer Motion im Kantonsrat legalisieren, scheiterten jedoch heute Montag an den Bürgerlichen. Diese haben offenbar durchwegs schlechte Erfahrungen mit Velofahrern gemacht, wie die Debatte zeigte. Mit 90 zu 74 Stimmen lehnte der Rat die Motion ab. Mit «überdimensionaler Dreistigkeit» seien Velofahrer in der Stadt unterwegs und «ohne Rücksicht auf Fussgänger und Autofahrer», sagte Cornelia Keller (BDP). Erst wenn diese «Rennfahrer auf ihren Velos» gelernt hätten, zu zeigen, dass sie auch für Fussgänger halten, würde ihre Partei so einen Vorstoss überweisen.

Auch für Autofahrer?

Ob Michael Welz (EDU) seine schlechten Erfahrungen selber gemacht hat, liess er offen: «Velofahrer nehmen sich ja bekanntlich viel mehr heraus, als erlaubt ist.» Mauro Tuena (SVP) hingegen sprach aus persönlicher Erfahrung. «Velofahrer fahren oft rücksichtslos durch Fussgängergruppen durch», hielt er fest. Seine Partei lehnte die Motion aber auch wegen ihrer Einseitigkeit ab. Denn wo das Rechtsabbiegen bei Rotlicht im Ausland erlaubt sei, gelte dies auch für Autofahrer.

Die FDP und die CVP lehnten den GLP-Vorstoss ab, weil sie für eine schweizweite Lösung mit einheitlicher Signalisation sind und gegen einen weiteren Pilotversuch. Ein solcher wurde in Basel eben bis 2016 verlängert. Mit positiven Resultaten, wie es heisst. Auch eigene Lichtsignale für rechts abbiegende Velofahrer, wie sie die Stadt Baden kennt, wären laut den Initianten denkbar. Diese Lösung ist allerdings teurer.

Nicht zuletzt könne das zum besseren Verständnis zwischen Velo- und Autofahrern führen, meinen die Motionäre – dank klarerer und sinnvoll angepasster Verkehrsregelung. Vielleicht haben sie das bereits mit ihrer Motion ein bisschen geschafft, hoffen sie. Der Automobilclub der Schweiz (ACS), sonst eher weniger aufseiten der Velofahrer, unterstützt das Ansinnen immerhin.

Erstellt: 22.06.2015, 10:38 Uhr

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